Stab zieht um Aufwand und Ertrag fürs Rote Kreuz

Oberst Stefan Schmid-Schickhardt teilt Erbsensuppe aus, hier in der St. Nikolausschule.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Aktion Erbse geht im kommenden Jahr in die Verantwortung der Rettungsorganisation über. Man brauche das Geld, um die Einsatzfähigkeit zu gewährleisten, sagt die Geschäftsführerin

Von Antonia Steiger, Erding

Vier Samstage hintereinander 2400 Portionen Erbsensuppe kochen: Das ist die Perspektive des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) für die Adventszeit des kommenden Jahres. Der Kreisverband wird die Benefizaktion der Soldaten am Fliegerhorst Erding im kommenden Jahr übernehmen. Die BRK-Geschäftsführerin Gisela van der Heijden verteidigt diese Entscheidung gegen die Kritik, das Rote Kreuz sichere sich das Spendengeld und sorge dafür, dass andere Vereine und Verbände leer ausgingen. 56 500 Euro Spendengelder haben die Soldaten im vergangenen Jahr gesammelt, an diesem Mittwoch geht die neue Aktion los: Die Soldaten verteilen die ersten Schüsselchen mit Erbseneintopf in der Heilpädagogischen Tagesstätte St. Nikolaus in Erding. Am Samstag können sich dann die Bürger am Grünen Markt an der Delikatesse sattessen.

Das BRK könne ohnehin nicht mit Spendengeldern in vergleichbarer Höhe rechnen, darauf weist van der Heijden hin. Selbst wenn die Bürger genauso viel Geld hergeben, bliebe für das Roten Kreuz weniger Geld übrig, denn: "Wir müssen einen gewerblichen Betrieb anmelden und Steuern zahlen." Daher rechnet van der Heijden damit, dass am Ende vermutlich nur die Hälfte übrig bleibt, etwa 25 000 Euro. Und auch dafür müsse der Kreisverband einen enormen Aufwand treiben. Etwa dreißig Frauen und Männer werden für den Verkauf von Suppe, Kaffee und Kuchen gebraucht, dazu wünscht sich van der Heijden weitere zwanzig, die mit der Sammelbüchse durch Erdings Innenstadt streifen und die Passanten um ein paar Münzen bitten. Vorstellbar sei es, sagt van der Heijden, dass das Rote Kreuz mit anderen Vereinen zusammenarbeite. Die müssten dann aber für die Arbeit, die sie leisteten, eine Rechnung schreiben, die das BRK dann bezahle. Nicht vorstellbar ist es demnach, dass das BRK einen Teil der Spenden weiterreicht. Das sei auch den ehrenamtlichen Mitarbeitern nicht zu vermitteln: dass diese Frauen und Männer sich in ihrer Freizeit für die Benefizaktion engagieren und das Geld dann weitergereicht werde an andere Organisationen. Die Auftaktaktionen, zu der die Bundeswehr abwechselnd in die St. Nikolaus-Schule und in die Behindertenwerkstätte am Fendsbacher Hof eingeladen hatte, möchte das BRK beibehalten. "Wir werden mit Sicherheit auch ein Geschenk mitbringen", sagt van der Heijden.

In diesem Jahr wird sich das BRK zurückhalten, in diesem Jahr soll die Aufmerksamkeit alleine den Soldaten gehören. Seit langem ist bekannt, dass die Bundeswehr von ihrem Standort Erding Abschied nimmt. Ein wichtiger Schritt passiert Ende dieses Jahres: Dann wird der Stab des Waffenunterstützungszentrums 1 nach Manching umziehen - und mit ihm die Triebfeder der alljährlichen Benefizaktion. Für die Bürger, die auf ihre Erbsensuppe nicht verzichten wollen, wird sich einiges ändern, aber nicht alles: Das Rezept für die Suppe soll das gleiche sein, laut der Geschäftsführerin hat man es im Internet bereits aufgestöbert. In anderer Aufmachung präsentieren sich dagegen diejenigen, die mit der Sammelbüchse unterwegs sind: Statt im Grau der Soldatenuniform zeigen sie sich in Jacken in leuchtendem Orange. Beibehalten möchte van der Heijden auch das Benefizkonzert, das seit vielen Jahren fest zur Adventszeit in Erding gehört. Abwechselnd musizieren dabei Ensembles der Kreismusikschule Erding und die Stadtkapelle Erding. In diesem Jahr findet es am Dienstag, 5. Dezember, 19 Uhr, in der Stadtpfarrkirche St. Johannes statt.

"Nicht für uns selbst, sondern für die Öffentlichkeit brauchen wir das Geld", sagt van der Heijden. Fortbildungen, Ausrüstung, Einsatzmittel und vieles mehr müsse die Rettungsorganisation bezahlen, um ihre Einsatzfähigkeit zu gewährleisten. Welche Organisationen, Vereine oder Verbände in den vergangenen Jahren wie viel Geld aus der Benefizaktion bekommen haben, das will die Bundeswehr auch auf Anfrage nicht mitteilen - um böses Blut zu vermeiden.