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St. Peter in Wörth:Die Gemeinde hat ihr Zentrum zurück

Den neu errichteten Altar hat der Steinmetz Matthäus Rutkowski aus Altenmarkt entworfen, er sieht aus wie ein Kelch, rechts steht das Taufbecken.

(Foto: Renate Schmidt)

Kardinal Reinhard Marx weiht am Sonntag den neuen Altar in Wörth. Drei Jahre dauerten die Renovierungsarbeiten nach dem Brand

Als der Brand - ausgelöst durch einen technischen Defekt - am Ostersonntag 2016, die Innenwände der spätbarocken Pfarrkirche mit einer dicken Rußschicht belegte, das Hochaltargemälde, Orgel und den Altar irreparabel beschädigte, war nicht abzusehen, wie lange die Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen dauern würden und was überhaupt zu retten sein würde. Rund drei Jahre haben die Arbeiten gedauert.

Zunächst musste die Gemeinde ihre Gottesdienste in den Filialkirchen in Wilfling und Kirchötting abhalten und die St. Martin Kirche in Sonnendorf wurde zur Taufkirche. Wenn Kardinal Marx diesen Sonntag also die Gemeinde besucht, um den neu errichteten Altar zu weihen und die Reliquien der Heiligen St. Benno und St. Florian in den Altar einzusetzen, dann gibt das der Gemeinde nicht nur Anlass zur Feier, dann endet für die Gläubigen auch eine strapaziöse Zeit. "Die Leute freuen sich riesig, vor allem, weil die Kirche jetzt endlich keine Baustelle mehr ist", sagt Pfarrgemeindereferentin Gudrun Weichselbaumer. Vier Millionen Euro haben die Renovierungsarbeiten gekostet, wovon 2,6 Millionen Euro von der Versicherung übernommen wurden.

Die Deckengemälde konnten durch die Anwendung einer speziellen Lasertechnik von dem Ruß befreit werden. Eine Methode die eigentlich zur Reinigung von Metallgegenständen entwickelt worden ist. St. Peter ist nach Kloster Medingen im Allgäu erst die zweite Kirche in der das Verfahren angewandt worden ist.

"Aufwändige Millimeterarbeit" sei das gewesen, berichtet Kirchenpfleger Stephan Schletter, der, wie Weichselbaumer, Mitglied der Kommission war, die aus den Vorschlägen zur Neugestaltung von Altar und Hochaltargemälde schließlich zwei auswählte.

Den neu errichteten Altar hat der Steinmetz Matthäus Rutkowski aus Altenmarkt entworfen, er wurde der Gemeinde von der Ordinariatsabteilung für zeitgenössische Kunst der Diözese München empfohlen. Es ist ein Steinaltar, der aussieht wie ein Kelch und in seiner Gestaltung als Volksaltar den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils entspricht, wonach der Altar so gebaut sein muss, dass der Pfarrer mit dem Gesicht zur Gemeinde die Messe feiert. Mit dem Altar bekommt die Gemeinde ihr Zentrum wieder. "Ohne Altar, da wird einem die Mitte genommen. Das hat unsere Gemeinde schon ein bisschen zersprengt. Jetzt hat die Gemeinde ihr Zentrum zurück", sagt Weichselbaumer.

Und auch Pater Slawomir Trzmielewski bedeutet die Weihe am Sonntag eine Erleichterung. Ohne Weihe kann auf einem Altar in einem sakralen Raum schließlich keine Eucharistiefeier stattfinden. Außerhalb dieses Raumes hingegen könne sie schon auf einem passenden Tisch gehalten werden; ein Altartuch, das Korporale, ein Kreuz und ein Leuchter reichten aus, sagt Trzmielewski, der sich seit der durch den Brand ausgelösten Dezentralisierung seiner Gemeinde mit eben solchen Situationen auskennt. Seit Ende 2018 fanden wieder Gottesdienste in St.Peter statt. Das Keyboard ersetzte die Orgel und die Hostien wurden an dem Seitenaltar verteilt. "Keine einfache Situation. Aber wir wussten uns zu helfen", sagt Schletter.

Die neue Orgel, darauf konnte und wollte die Gemeinde nicht warten, ist schon seit Ostern diesen Jahres in Betrieb. Und das Hochaltarbild hat die auf spätbarocke Gemälde spezialisierte Münchner Künstlerin Brigitte Ostertag gemalt. Schletter dem die neuen Arbeiten "ganz wunderbar" gefallen, ist auf die Zeremonie mit dem Kardinal gespannt: "Für unsere Gemeinde ist das ein Zeichen hoher Wertschätzung, dass der Kardinal zur Weihe kommt." Für Pater Trzmielewski und Gemeindereferentin Weichselbaumer ist der Umgang mit hohen Kirchenbeamten nichts neues. Der Pater war schon zu seinem 25-jährigen Amtsjubiläum vor zwei Wochen bei Kardinal Marx eingeladen, und Weichselbaumer hat acht Jahre in Augsburg gearbeitet, wo ihr Büro neben dem des Bischofs lag.

Mit dem Sekretär des Kardinals haben die beiden den Ablauf der liturgischen Feier schon abgesprochen. Die Erleichterung wird von der Arbeit gezügelt, die Schletter und die beiden bis Sonntag noch zu bewältigen haben. Dann wird auch bei ihnen die Freude über die neugestaltete Kirche groß sein, wenn die Gemeinde von Wörth in ihrer Kirche endlich wieder vereint sein wird.

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