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Schwimmen lernen im Landkreis:An der Kapazitätsgrenze

Bald beginnt im Erdinger Freibad die Saison so richtig. Wer springen will, sollte aber schwimmen können.

(Foto: Peter Bauersachs)

Schwimmkurse für Kinder sind ausgebucht: Interessenten müssen sich auf eine Warteliste setzen lassen, eine direkte Anmeldung ist nicht möglich. Das Lehrschwimmbecken boomt

Knapp 40 Prozent aller Achtjährigen können nicht schwimmen, das belegen Zahlen der Deutschen Lebensrettungs-Gemeinschaft DLRG. Im Landkreis Erding bemüht man sich zwar nach Kräften, dem Nachwuchs das Schwimmen beizubringen, sowohl der Kreisverband der DLRG als auch die Wasserwacht bieten regelmäßig Kurse an. Doch so recht lässt sich der Bedarf nicht decken. Schwimmlehrer fehlen und die vorhandenen Wasserflächen werden von unterschiedlichen Vereinen und Verbänden genutzt.

Die Verbände mit einem entsprechenden Schwimmkurs-Programm, die Wasserwacht und die DLRG, sind auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen. "Unsere Mitglieder halten die Schwimmkurse in ihrer Freizeit ab", sagt Danuta Pfanzelt vom BRK-Kreisverband Erding, zu dem die Wasserwacht gehört. Rund um die Uhr Schwimmkurse anzubieten ist daher nicht möglich, "die meisten Mitglieder sind regulär berufstätig", so Pfanzelt weiter. Das zweite Problem ist die Organisation der Wasserflächennutzung. Im Landkreis Erding gibt es zwar ausreichend Wasserfläche, doch wer diese wann benutzen darf, muss straff organisiert werden. DLRG, Wasserwacht, Delfine und der Behinderten-Verein mieten im Erdinger Hallenbad beziehungsweise Freibad einzelne Bahnen oder Becken an und stimmen sich dabei untereinander ab. "Da wird es oft ganz schön eng", sagt Jürgen Hartmann, Vorstand des Kreisverbands Erding der DLRG. Auf natürliche Gewässer will man jedoch nicht ausweichen. Schwimmkurse an den Weihern gibt der Kreisverband nicht. "Das habe ich einmal gemacht. Der Boden im Thenner Weiher war nach kurzer Zeit so aufgewühlt, dass man keine zwei Zentimeter unter Wasser sehen konnte. Mit kleinen Kindern ist das zu gefährlich", sagt Hartmann.

Entlastung brachte das 2012 eröffnete Lehrschwimmbecken. "Dafür könnte ich dem Oberbürgermeister heute noch um den Hals fallen", sagt Hartmann. Sobald ein Kind das fünfte Lebensjahr vollendet hat, darf es bei der DLRG an einem Schwimmkurs teilnehmen. "Manche haben es nach fünf Stunden raus, andere nach 15. Und manche brauchen ein bisschen länger, sie werden in den nächsten Kurs übernommen", sagt Hartmann. Wer den Kurs abgeschlossen hat, darf die Seepferdchenprüfung machen. Die Kursteilnehmer müssen nicht DLRG-Mitglied sein.

Doch ganz so einfach ist es nicht, wenn Eltern ihr Kind für einen Schwimmkurs anmelden wollen: Es gibt eine Warteliste, und die ist lang. "Das zeigt uns, dass Interesse besteht. Wir haben allerdings keine Kapazitäten für mehr Kurseinheiten", sagt Hartmann. Vor demselben Problem steht die Erdinger Wasserwacht. Insgesamt 36 Kinder und drei Erwachsene lernten von Oktober 2015 bis April 2016 das Schwimmen. Anfang Mai startete wieder ein Schwimmkurs für Erwachsene. Für die Sommerferien plant die Wasserwacht weitere Schwimmkurse für Kinder. Bis zu elf Kinder werden dort pro Kurs von mindestens einem Mitglied der Wasserwacht betreut. Auch dafür muss man sich in eine Warteliste eintragen, eine direkte Anmeldung ist nicht möglich.

Auch die hohe Zahl an Asylbewerbern im Landkreis stellt die DLRG vor Herausforderungen, da viele Asylbewerber nicht schwimmen können. Eine Lehrerin der Erdinger Berufsschule kam im vergangenen Jahr auf Hartmann zu. Vier Ausbilder der DLRG brachten daraufhin 91 Schülern in einem eigens organisierten Kurs das Schwimmen bei. Solche Anfragen erreichen Hartmann seitdem immer wieder. Doch er stellt klar: "Im Sommer hat für den Kreisverband die Sicherheit der Weiher im Landkreis Vorrang. Um Schwimmkurse können wir uns erst wieder im Herbst kümmern."