Schüler lernen auch in den Ferien:Die Sommerschule kommt an

Abiturvorbereitungsseminar in  Waldkraiburg, 2014

Kernfächer wie Mathematik, Deutsch und Englisch stehen bei der Sommerschule im Mittelpunkt.

(Foto: Stefan Rumpf)

Der Andrang ist so groß, dass an einem Gymnasium Absagen verteilt werden mussten. Wenn Lehrer und Studenten sich jetzt um die Schüler kümmern, geht es nicht nur um versäumten Lernstoff

Von Jakob Ille, Erding

Ein besonderes Schuljahr ist zu Ende gegangen. Distance-Learning, Abstandsregeln und Maskenpflicht haben den Schülerinnen und Schülern heuer viel abverlangt. Um Lerndefizite zu kompensieren, bieten die Schulen auch im Landkreis Förderprogramme im Sommer an. Die Schulleitungen sind erfreut, dass das Angebot von so vielen Schülerinnen und Schülern angenommen wird, wie sie sagen. Der Ferienstart ist zugleich auch der Start in der Sommerschule. Denn die meisten Schulen im Landkreis nützen die erste und die letzte Ferienwoche, um die Schülerinnen und Schüler auf das kommende Schuljahr vorzubereiten. Der Fokus liegt auf den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Je nach Schultyp werden auch Kurse in Fremdsprachen, Naturwissenschaften oder Betriebswirtschaft angeboten.

Die Frage, wer diese zusätzlichen Stunden halten solle, beantwortet jede Schule auf ihre Weise: Am Korbinian-Aigner-Gymnasium Erding haben die Lehrkräfte ihre Fühler nach Absolventen und Absolventinnen ausgestreckt. 13 Studentinnen und Studenten, zwölf davon ehemalige Schüler, werden in der letzten Ferienwoche Kurse abhalten. Unterstützung und zusätzliches Lernmaterial erhalten sie von den Lehrkräften. Bereits am Freitag gab es für die Schüler ein Seminar. in dem ihnen verschiedene Lernstrategien und Motivationstipps nähergebracht wurden. 120 Schülerinnen und Schüler werden am Korbinian-Aigner-Gymnasium an der Sommerschule teilnehmen. Angemeldet hätten sich jedoch so viele, dass einigen abgesagt werden musste, so die Schulleiterin Andrea Hafner. Die Schule hätte alle Mittel ausgenutzt, die vom Freistaat Bayern zur Verfügung gestellt wurden.

Im vergleichbar großen Dorfener Gymnasium werden 141 Schülerinnen und Schüler an der Sommerschule teilnehmen. Neben der Förderung in den Kernfächern ist für Schulleiter Markus Höß auch die schulpsychologische Unterstützung ein wesentliches Ziel. Die Schülerinnen und Schüler sollen "das Lernen lernen". Unterstützt werden sie dabei von Schülern der 11. und 12. Stufe, ehemaligen Abiturienten und Studierenden.

Im Erdinger Anne-Frank-Gymnasium setzt man hingegen auf "hausnahe" Kräfte. Die 150 Schüler und Schülerinnen, die an dem Sommerprogramm der Ganztagsschule teilnehmen, werden vom Betreuungspersonal unterstützt. Viele davon seien Studenten, die die Kinder und Jugendlichen das ganze Jahr über betreuen würden. "Sie kennen die individuellen Bedürfnisse und Lernfortschritte der Schüler. Außerdem haben sie eine bessere Bindung zu den Schülern als hausfremde Personen oder Lehrkräfte", so die stellvertretende Schulleiterin Beate Bott.

Neben den 70 Sommerschülern der Realschule Taufkirchen werden auch die Schülerinnen und Schüler der FOS/BOS Erding von ihren Lehrkräften unterstützt. Eine ganz bewusste Entscheidung, laut Schulleiter Jens Baumgärtel. Die Sommerschule sei nur für die rund 260 Elftklässler der Fachoberschule relevant, 60 davon werden teilnehmen. Er schätze den Versuch, Studierende als Hilfe hinzuzuziehen. "Für die paar Tage im Sommer ist es aber den Aufwand nicht wert", so Baumgärtel. Die Lehrkräfte erhalten die Stunden im Sommer als Mehrarbeit bezahlt, für Studierende hätte er einen Vertrag aufsetzen müssen. Außerdem sei es zentraler Bestandteil der Sommerschule, dass die Lehrkräfte wissen, wo der Schuh drückt.

Durch den Distanz- und Wechselunterricht seien große Lücken entstanden, die man über den Sommer nicht füllen wird können. Für das kommende Schuljahr hat die FOS/BOS deshalb einige der besten Absolventen der vergangenen Jahre als studentische Hilfskräfte eingestellt. Die Ehemaligen sollen die Schüler und Schülerinnen über das Jahr hinweg begleiten und unterstützen. So können sie auch die Schüler kennenlernen, und vielleicht im kommenden Jahr die Sommerschule zu übernehmen. Sie ist laut Baumgärtel ein guter Start ins neue Schuljahr, nach den Schwierigkeiten der vergangen eineinhalb Jahre aber nur "ein Tropfen auf dem heißen Stein".

© SZ vom 02.08.2021
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