S-Bahn-Verkehr:Sechs Züge mehr, vier Minuten weniger

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Die zweite Stammstrecke in München bringt für die Erdinger S-Bahn-Fahrgäste kaum Verbesserungen

Die zweite Stammstrecke durch die Münchner Innenstadt soll bis 2025 gebaut sein, offenbar ist die Finanzierung des Großprojektes mittlerweile beschlossen. Neben der Entlastung der jetzigen Stammstrecke durch einen parallel verlaufende zweiten Gleistunnel ist die bessere Anbindung des Umlandes das entscheidende Argument für das Milliarden-Projekt. Die SZ zeigt, wie die zweite Stammstrecke das S-Bahn-Angebot für die Erdinger beeinflussen wird.

Kein Express

Integral für das Betriebskonzept der zweiten Stammstrecke, heißt es von der Bahn, sei das Angebot an so genannten Express-S-Bahnen. Das soll so aussehen: An den Enden der Außenäste fahren Expresszüge alle Halte bis zu bestimmten Vorortzentren an und dann ohne Halt bis in den Innenstadtbereich. Auf der Strecke der jetzigen S2 wird das aber nicht möglich sein - weil sie dafür nicht ausgebaut ist.

Kürzere Fahrzeit

Weil die S-Bahn also weiterhin an allen Stationen halten wird, wird sich die Fahrtzeit von Erding in die Münchner Innenstadt nur unwesentlich ändern. Geplant ist, dass die zukünftige Linie S 6 (die S 2 wird umbenannt) von Erding wie gehabt über Markt Schwaben fährt und hinter der Station Leuchtenbergring in die neue Röhre abtaucht. Im Tunnel wird es nur die Haltestellen Ostbahnhof, Marienhof und Hauptbahnhof geben. Über Laim und Pasing geht es danach nicht wie jetzt nach Dachau und Petershausen, sondern in den Süden nach Gauting, Starnberg und Tutzing. Weil die S-Bahnhöfe Rosenheimer Platz und Isartor entfallen, verkürzt sich die Fahrtzeit von Erding zum Marienhof von jetzt 48 Minuten auf 44 Minuten. Das ist jedoch nur eine grobe Planung, das endgültige Betriebskonzept wird von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft erst kurz vor der Inbetriebnahme der Röhre in Auftrag gegeben. Vielleicht gibt es später sogar einen zusätzlichen Halt, der die Fahrzeit verlängert. Die Messe in Riem wünscht sich einen solchen und treibt das Vorhaben voran.

15 Minuten-Takt öfters

Außerhalb der Hauptverkehrszeiten, die heute im 20 Minuten-Takt bedient werden, werden auch in Zukunft nur zwei Züge in der Stunde fahren. In der Rush Hour aber wird es eine Verbesserung geben: Dank einem 15 Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten - drei Stunden am Morgen und drei am Abend - fahren vier statt bisher drei S-Bahnen pro Stunde. Insgesamt werden es sechs Züge mehr am Tag sein.

Umsteigen dauert länger

Wer in München um- oder aussteigen muss, wird ein wenig mehr Zeit einplanen müssen. Die drei innerstädtischen Stationen, die von der S-Bahn angefahren werden, liegen tief unter der Erde, der Aufstieg per Rolltreppe oder Aufzug wird länger dauern als heute. Wer auf die erste Stammstrecke wechseln will, kann das am Leuchtenbergring tun. Die Züge in Richtung Westen halten dort am selben Bahnsteig.

Der Ringschluss

Bernhard Weisser, Geschäftsführer der DB Regio AG, die die S-Bahn in München betreibt, hat gesagt, dass für den Erdinger Ringschluss die zweite Stammstrecke nicht benötigt werde. Diesen zusätzlichen Verkehr würde man auch auf den vorhandenen Schienen abwickeln können. Umgekehrt wird allerdings ein Schuh daraus: Der S-Bahn-Ringschluss zum Flughafen, dessen Planung weit vorangeschritten ist und der womöglich auch bis 2025 fertiggestellt werden könnte, wird keine zusätzlichen Verbesserungen im S-Bahn-Verkehr bringen. So wie es die Planung für die zweiten Stammstrecke vorsieht, ist dann von München über Erding und den Flughafen bis Freising ein 30 Minuten-Takt geplant, zu den Hauptverkehrszeiten ein 15 Minuten-Takt. Freilich ist es dann für die Erdinger möglich, mit der S-Bahn zum Flughafen und nach Freising zu fahren.

S-Bahn bis Dorfen

Richtige Zukunftsmusik sind die Möglichkeiten, die die zweite Stammstrecke für die Bahnanbindung bis Dorfen bringen könnte. Der zweite Tunnel in München sei nicht weniger als eine "Voraussetzung für eine bessere Anbindung der gesamten Metropolregion an die Münchner Innenstadt" heißt es von der Bahn. Dorfen könnte - wenn die Strecke bis Mühldorf ausgebaut und elektrifiziert ist - Endpunkt einer ganz neuen S-Bahnlinie mit den Haltepunkten Thann-Matzbach, Walpertskirchen und Hörlkofen werden.

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