Rudolf Waxenberger "Ich konnte schon ein bisserl was bewegen"

Seit zehn Jahren steht Rudolf Waxenberger an der Spitze der Kreishandwerkerschaft Erding.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Kreishandwerksmeister ist seit zehn Jahre im Amt und kandidiert erneut.

Interview von regina Bluhme, Erding

Rudolf Waxenberger ist Maurermeister, Bautechniker, Inhaber von Anzinger Bau, CSU-Kreisrat. Seit zehn Jahren ist er auch Vorstand der Kreishandwerkerschaft Erding, die an diesem Donnerstag die Herbstversammlung mit Neuwahlen abhält. Der 57-Jährige weiß, wie es um die rund 175 Mitgliedsbetriebe steht: Die Auftragslage ist mehr als zufriedenstellend, aber es fehlt der Nachwuchs. Der Lehrlingsmangel ist ein Riesenproblem in der Region, doch Waxenberger macht das Ehrenamt immer noch Spaß.

SZ Erding: Herr Waxenberger, gleich die Frage vorneweg: Treten Sie bei den Neuwahlen zum Kreishandwerksmeister erneut an?

Rudolf Waxenberger: Ja, ich trete wieder an. Ich bin jetzt ziemlich genau zehn Jahre Kreishandwerksmeister. Ich mache die Arbeit gerne und ich denke, ich konnte auch ein bisserl was bewegen.

Zum Beispiel?

Zwischen 2008 bis 2010 hatten einige Betriebe eine, sagen wir, Kreditklemme. Da war es recht umständlich und langwierig, einen Kredit zu erhalten. Ich hab mich dann mit Vertretern von Sparkasse und Raiffeisenbank an einen Tisch gesetzt und herausgekommen ist ein einheitliches Formular, das genau festlegt, was die Betriebe an Unterlagen zubringen haben und dann passt das auch. Ich hatte recht positive Rückmeldungen von den Mitgliedern. Gut, das ist jetzt schon länger her, meines Wissens werden auch nicht mehr so viele Kredite beantragt.

Weil es den Betrieben dank voller Auftragsbücher hier wirklich gut geht.

Ja, beschweren kann sich wohl keiner. Je nach Betrieb braucht der Kunde inzwischen Vorlaufzeit, bei uns mindestens drei Monate, wenn nicht sogar ein halbes Jahr. Klar, kann immer mal ein Termin frei werden, aber wer innerhalb von drei Monaten etwas bekommt, da ist dann Glück dabei.

Es ist im Landkreis ja mittlerweile auch so, dass Betriebe Aufträge ablehnen müssen, weil die Mitarbeiter fehlen.

Das ist eben die Schwierigkeit: Die Ursache liegt in der Bildungspolitik und da hat man als Kreishandwerkerschaft nicht viel Einfluss. Es ist halt so, dass weiterführende Schulen stärker befördert werden. Die Realschulen trimmen ihre Schüler ja auch in Richtung Fachoberschule. Keiner will mehr Bäcker, Metzger, Maurer werden, im Freien arbeiten, schwer heben, früh aufstehen. Schaun Sie, die FOS mietet regelmäßig Räume am benachbarten Gastronomietrakt der Berufsschule an. Die eine Schule platzt aus allen Nähten, bei der anderen stehen Zimmer leer.

Vielleicht wird es ja mit der neuen Koalition anders?

Da erwarte ich mir keinen Schub. Ich trauere immer noch ein bisserl Ulrike Scharf nach. Für uns ist es sehr schade, dass sie ihr CSU Ministeramt verloren hat. Sie hat meines Erachtens wirklich sehr gute Arbeit geleistet und hatte für uns immer ein offenes Ohr.

Was unternehmen Sie als Kreishandwerkerschaft vor Ort gegen den Lehrlingsmangel?

Wir veranstalten Ausbildungstage, beteiligen uns an Berufsinformationsveranstaltungen, gehen an die Schulen. Dabei merken wir immer wieder, wie viele Vorbehalte es gibt. Das Handwerk hat einfach ein schlechtes Image, auch bei Eltern und auch bei manchen Lehrern. Dabei sage ich ja schon lange: auch über die berufliche Bildung ist ein höherer Abschluss möglich. Mit einem Meister haben Sie heute Hochschulreife - und einen großen Vorteil: Sollten Sie das Studium abbrechen, dann stehen Sie nicht vor dem Nichts, sondern können Sie auf eine Ausbildung zurückgreifen.

Aber wenn die Handwerksmeister ein Studium beginnen, dann fehlen diese doch wieder in den Betrieben.

Ich sage Ihnen eins: In den nächsten fünf Jahren steht bei sehr vielen Betrieben im Landkreis die Übergabe an einen Nachfolger an. Wir brauchen also auch Führungskräfte. Da eröffnen sich für junge Leute riesige Chancen. Der eine oder andere Handwerksmeister steckt manchen Akademiker finanziell in die Tasche. Und die Digitalisierung hat längst Einzug gehalten. Ohne Computer oder Pad kriegen Sie am Bau Probleme.

Sie haben am Bau gelernt.

Mein Vater hatte eine Baufirma. Ich habe noch fünf Geschwister, nur mein ältester Bruder und ich, der Jüngste, haben das Bauhandwerk erlernt. Die anderen wurden Lehrer, Rechtsanwalt, Tierarzt. Mein Bruder und ich, wir halten die Fahne hoch!

Und Ihre Kinder?

Meine Tochter hat Richtung Marketing studiert. Mein Sohn ist dem Handwerk treu geblieben: Er ist Augenoptikermeister.

Die Lehre am Bau haben Sie nicht bereut?

Ich bin gelernter Mauerer, habe die Lehre gut abgeschlossen und nach dem Wehrdienst die Techniker- und Meisterschule in München besucht. Dann war ich Bauleiter und habe schließlich den Betrieb meines Chefs übernommen, den ich heute noch führe. Ich bin mit Herzblut Handwerker, wobei ich mittlerweile leider die Hälfte der Zeit im Auto verbringe. Deswegen bin ich fast froh, wenn es in meinem Betrieb was zu reparieren gibt. Egal, ob Schweißen oder Holzarbeiten, das mache ich wirklich gern.