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Pionierleistung der Familie Lex:Die Sojabohne bricht sich Bahn

Was man in den Weiten Südamerikas, Kanadas oder der USA vermutet, ist nun auch bayerische Realität: Etwa dreißig landwirtschaftliche Betriebe aus dem Landkreis, zumeist Bio-Höfe, kultivieren Soja - aus Angst vor genmanipulierten Importen.

Was man in den Weiten Südamerikas, Kanadas oder der USA vermutet, ist nun auch bayerische Realität: Etwa dreißig landwirtschaftliche Betriebe aus dem Landkreis, zumeist Bio-Höfe, kultivieren Soja, eine ursprünglich aus dem asiatischen Raum stammende Bohne, das bestätigte Elisabeth Hermannsdorfer aus dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Erding. Grund ist die Sorge vor gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in Tierfutter und Saatgut. "Das ist wie mit der Atomenergie: Wir können heute sagen, wir haben alles im Griff, und morgen entgleitet es uns", so bilanziert der Milchviehhalter Zeno Stangl aus Isen die Bedenken der Gentechnikgegner.

Einer der Pioniere, die Soja anbauen und den Kampf mit dem Gen-Soja aus Argentinien, Kanada und den USA aufnehmen, ist die Familie Lex aus Emling in der Gemeinde Bockhorn. Vor mehr als 15 Jahren startete Lorenz Lex, 63, einen Versuchsanbau, der sich zunächst allerdings schwierig gestaltete. Doch mit der Erfahrung und besseren Sorten stellten sich allmählich Erfolge ein, wie er schildert. Heute sei der Soja-Anbau im Durchschnitt wirtschaftlich, sagt Lorenz Lex' Tochter Bernadette, 33, die sich um die Kultivierung der asiatischen Bohne kümmert. Dank Sonderzüchtungen werde der Ertrag auch in dieser "klimatischen Grenzlage" immer sicherer. Wie im vergangenen Jahr erwartet die Diplom-Agraringenieurin auch für dieses Jahr einen guten Ertrag: "Die Felder sind sehr schön heuer, das Wetter hat gut gepasst. Es gab viel Regen im Juni und Juli, das mögen die Sojabohnen."

Das Soja auf den Feldern des Bio-Hofs ist ihren Worten zufolge gentechnikfrei: "Jede Partie wird labortechnisch überprüft, und es wurden noch nie Verunreinigungen gefunden", sagt Bernadette Lex. Das Saatgut beziehe sie von deutschen oder österreichischen Händlern, die seien sehr zuverlässig. Die Sojabohnen aus Emling gehen größtenteils in die Tofuproduktion, ein Drittel wird als Tierfutter verwertet. Des weiteren wird ein Teil der Ernte auch als Saatgut für andere Betriebe angeboten. "Das Interesse daran ist groß", so die Emlingerin. "Aber viele schrecken noch davor zurück, selbst Soja anzubauen."

Nach Auskünften von Elisabeth Hermannsdorfer aus dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Erding wird im Landkreis derzeit eine Fläche von etwa hundert Hektar mit Soja bebaut, das entspricht lediglich einem Anteil von 0,2 Prozent der gesamten Ackerfläche. Vielfach handle es sich um Versuchsanbauten, so Hermannsdorfer. Es müsse noch viel erforscht werden, da Soja keine heimische Pflanze sei. "Aber Mais war vor 35 Jahren auch nicht heimisch, und heute wächst er überall", sagt Hermannsdorfer. Dieser Einwanderer aus Mexiko steht heute auf 41 Prozent der Ackerflächen im Landkreis.

Der Sojabohne könnte durchaus eine ähnliche Karriere bevorstehen. Auf Landesebene setzt man jedenfalls alles daran, den Soja-Anbau zu fördern. Das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat im Rahmen der die Initiative "Heimische Eiweißfuttermittel" zwei Millionen Euro für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt. Damit will Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) eine Verdoppelung der bayerischen Soja-Anbauflächen sowie eine Halbierung der Soja-Importe für die Rinderzucht erreichen.