Monika Gruber im Gespräch "Essen war eine Bedrohung für mich"

Ihr Essverhalten änderte sich schleichend?

Monika Gruber: "Erst verzichtete ich Sonntag am Kaffeetisch auf den Kuchen. Irgendwann tat ich keinen Zucker mehr in den Kaffee."

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Ja. Erst verzichtete ich sonntags am Kaffeetisch auf den Kuchen. Irgendwann tat ich keinen Zucker mehr in den Kaffee. Dann keine Wurst mehr, kein fetter Käse, es kamen die Light-Produkte. Zum Schluss beschränkte sich mein Essen auf ein paar Salatblätter, mariniert mit Zitronensaft. Hin und wieder ein Apfel, ganz klein geschnitten auf einem kleinen Teller, ich aß nur noch mit kleinen Gabeln. Es sollte nach mehr ausschauen.

Sie haben nichts mehr anderes zu sich genommen außer grünem Salat und ein bisschen Obst?

Ich bin ein sinnlicher Mensch und wollte schon noch andere Sachen schmecken. Ich kaute das Essen also und entsorgte das Gekaute in kleinen Tüten. Erbrechen habe ich auch versucht, aber das ging bei mir nicht. Was mein Körper hat, gibt er nicht mehr her - das liegt wahrscheinlich an meiner Herkunft. (Gruber lacht.) Zum Glück. Irgendwann aber fanden meine Brüder und meine Mutter solche Tütchen, da gab es natürlich einen Aufschrei. Es war eine furchtbare Zeit, ich konnte praktisch nichts mehr genießen.

In Ihrem Kopf kreiste alles ums Essen?

Essen war eine Bedrohung für mich und das zentrale Thema, bestimmte den Tag. Es war pervers: Ich buk immer noch Kuchen für meine ganze Familie, ich liebe das, ich kochte auch Nudeln mit Soße - und aß nichts davon. Das Perfide ist, dass ich meine Selbstbestätigung daraus zog, dass ich diesem Essen widerstand.

Gab es vor dem Arzttermin nie einen Punkt, an dem Sie realisierten, dass Sie sich zugrunde richten?

Doch. Ich trank literweise schwarzen Kaffee und bekam eines Tages eine Allergie: Das ganze untere Gesicht war voller rotem Ausschlag. Ich schämte mich. Meinen dürren Körper versteckte ich hinter weiter Kleidung, was verrückt war, weil ich ja dünn sein wollte. Ich trug die Holzfällerjeans meiner Brüder. Meine Selbstwahrnehmung war völlig aus dem Ruder.

Wie lange haben Sie gebraucht, um wieder normal essen zu können?

Das hat Jahre gedauert. Ich versuchte, wieder normal zu essen, nur war das der Körper nicht mehr gewohnt. Ich nahm rapide zu und landete irgendwann bei 75 Kilo. Es gab auch kleine Rückfälle. Erst als ich mit 27 mit der Schauspielerei angefangen hatte, war es gänzlich vorbei.

Sie haben zu sich selbst gefunden?

Genau. Die Arbeit füllt mich aus, gibt mir Lebensfreude, ich ziehe meine Energie daraus. Ich mache etwas, was ich eigentlich immer machen wollte. Jetzt kann ich Essen wieder genießen, und ich könnte nie wieder hungern.