Mitten in der Region:Goldbarren der Zukunft

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Weil die Einbruchssaison erst im Herbst wieder beginnt und illegaler Klopapier-Handel out ist, haben Ganoven in und um die Kreisstadt einen seltsamen Trend gesetzt: Sie klauen Katalysatoren.

Glosse von Alexander Kappen

Alles hat seine Zeit. Im Leben gleichermaßen wie im Jahreslauf. Es gibt eine Spargelzeit. Es gibt eine Erdbeerzeit. Es gibt eine Brotzeit. Und wenn die Tage kürzer werden und die Dunkelheit früher über das Land hereinbricht, dann ist traditionell die Einbruchszeit. Momentan sind die Tage allerdings eher weniger kurz. Und die Dunkelheit lässt sich erst blicken, wenn längst alle von der Arbeit zu Hause sind und dort schon seit Stunden mit einem kühlen Sommerdrink in der Hand von der Terrasse aus gechillt auf ihr Hab und Gut acht geben. Deshalb faul die Füße hochzulegen und untätig auf den nächsten Herbst zu warten, ist für einen anständigen Ganoven aber selbstverständlich keine Option. So sucht er sich eben übergangsweise innerhalb seiner Innung eine andere Sparte, um sich so zu sagen sein Überbrückungsgeld zu beschaffen.

Im Zuständigkeitsbereich der Freisinger Polizei, das teilte diese kürzlich mit, geht der Trend derzeit zum Diebstahl von Auto-Katalysatoren: "Diese Taten nehmen zu und kommen immer wieder auch im Bereich der Polizeiinspektion Freising vor." Nun fragt man sich, warum zum Geier die Gauner- und Ganoven-Branche ausgerechnet auf Katalysatoren so scharf ist. In diesen Zeiten, in denen es aus gegebenem Anlass viel naheliegender wäre, eine mafiöse Sonnenblumenöl- und Weizenmehl-Bande gründen. Oder Neun-Euro-Tickets zu klauen und sie für zehn Euro am Schwarzmarkt zu verkaufen. Einen schwunghaften illegalen Klopapier- und Desinfektionsmittel-Handel zu betreiben, ist dagegen eher was für Corona-Nostalgiker der ersten Stunde beziehungsweise ersten Welle.

Wer als Verbrecher aber nun mal Benzin im Blut hat und auf Teufel komm raus was in der Automobilbranche sucht, den würde man, statt Katalysatoren zu stehlen, in der aktuellen Treibstoff-Hochpreisphase - Tankrabatt hin oder her - eher in der Dieselbeschaffungskriminalität vermuten. Doch entweder sind sie in Freising einfach ihrer Zeit voraus und wissen, dass Katalysatoren so etwas wie die Goldbarren von morgen sind. Oder aber sie haben einfach nicht begriffen, was im Hier und Jetzt zählt. Im Gegensatz zu den Kollegen im Kreis Erding, wo die Polizei in Dorfen am Mittwoch den Diebstahl von 250 Litern Diesel aus einem abgestellten Lastwagen meldete. Schwarzes Gold, eben was Bodenständiges.

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