Mitten in der Region:Düstere Aussichten

In gut einer Woche werden die Uhren wieder umgestellt. Untrügliches Zeichen, dass die berühmt-berüchtigte dunkle Jahreszeit anbricht

Glosse von Alexander Kappen

In gut einer Woche werden die Uhren wieder umgestellt. Untrügliches Zeichen, dass die berühmt-berüchtigte dunkle Jahreszeit anbricht. Mit all den düsteren und nicht ganz so düsteren Events, die da eben so dazu gehören: Gruselmonster-Partys und Süßes-oder-Saures-Beutezüge an Halloween. Gräbertourismus im Nebel an Allerheiligen. Rabimmel-Rabammel-Gebummele im Finstern an Sankt Martin. Solche Sachen halt.

Bei diesen Aussichten tat es ganz gut, dass am Mittwoch noch mal der Spätsommer durch den Landkreis zog und uns zur Stimmungsaufhellung ein wenig "Dolce Vita" vorgaukelte, ehe Sturmtief Ignaz über den Landkreis fegte. Strahlender Sonnenschein, milde Temperaturen, T-Shirt-Wohlfühlwetter eben. Ein Hauch von Mittelmeer. Süditalien vielleicht. Womöglich Kalabrien.

Da passte es ganz gut ins Bild, dass Mittwoch eine Meldung des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord ins Redaktionspostfach flatterte, in der von einer groß angelegten Steuerrazzia in drei europäischen Ländern berichtet wurde. Insgesamt 46 Wohn- und Gewerbeobjekte in Italien, Bulgarien und Deutschland wurden dabei durchsucht, 17 davon in Bayern, unter anderem im Bereich München und Ebersberg. Den elf Festgenommenen wird vorgeworfen, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben und nach bisherigen Erkenntnissen in Verbindung mit der 'Ndrangheta zu stehen. Einer Mafia-Organisation aus Süditalien. Kalabrien. Das große Verbrechen, das man sonst nur aus Kino-Blockbustern und Sonntagabendkrimis im Fernsehen kennt, es lauert quasi vor der Haustür.

Nun gut, nicht ganz vor der Haustür. Die Pressemitteilungen der Polizeiinspektionen im Landkreis lesen sich vergleichsweise unspektakulär. Am Donnerstag hieß es aus Erding und Dorfen "Fehlanzeige", es sei "nichts presserelevantes" zu berichten. Die Schlagzeilen am Mittwoch: "Auffahrunfall" und "Feuerwehr grundlos rufen lassen". Nix Kalabrien. Und schon gar keine Mafia. Und auch das Wetter passt sich nach kurzem mediterranen Intermezzo der Nachrichtenlage wieder an. Am Freitag: Regen, um die acht Grad. Also eher Südschweden als Süditalien.

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