bedeckt München

Mehr Ruhe im Sommer:Strategisch gedacht

Hektisches Treiben im Stadtpark in den Baumkronen: Die Krähen bauen wieder ihre Nester.

(Foto: Renate Schmidt)

Erding darf Krähennester aus Stadtpark entfernen und sucht nach richtigem Timing

Von Antonia Steiger, Erding

In diesem Jahr sollen die Bewohner der beiden Seniorenheime im Erdinger Stadtpark ein bisschen mehr Ruhe im Sommer bekommen. Ob es gelingt, bleibt abzuwarten: Mit Genehmigung der Regierung von Oberbayern darf die Stadt Erding Krähennester in einem Gürtel rund um das Heilig-Geist-Stift und das Fischers Seniorenzentrum entnehmen, obwohl diese Nester Teil der Hauptkolonie sind, die dem strengen Schutzstatus der Krähen entsprechend eigentlich nicht angetastet werden dürfen. Jetzt dürfen sie, weil die Seniorinnen und Senioren sonst nicht einmal mehr auf den Balkon hinaus können.

Schon im vergangenen Jahr hatte die Stadt Erding diese Genehmigung, da war sie aber zu spät dran. Wie der Umweltreferent Thomas Schreder (CSU) sagte, fanden die Mitarbeiter des Bauhofes nach Erteilung der Genehmigung bei ihren Ausflügen in die Baumkronen rund um die Senioreneinrichtungen keine Eier in den Nestern vor, sondern Jungvögel. Und damit war es vorbei mit dem Nesterklau, Jungvögel dürfen nicht angetastet werden. In diesem Jahr soll das besser gelingen. Aber wie OB Max Gotz (CSU) in der vergangenen Stadtratssitzung gesagt hat, dürfe man die Nester auch nicht zu früh entfernen, weil die Krähen sie sonst an Ort und Stelle wieder neu errichten. Auch Schreder hat das schon beobachtet: Zwei Tage, nachdem Nester beim Landratsamt entfernt worden waren, hingen wieder neue in den Ästen. Die Krähen seien klug und fleißig. Wenn ein Baum einmal erkoren sei als guter Nistplatz, lässt sich die Krähe nicht so leicht vertreiben. Gotz hofft trotzdem, den Nesterklau so takten zu können, "dass den Vögel das Bauen vergeht". Bis zum 15. März haben die Mitarbeiter des Bauhofes Zeit, um die Nester aus den hohen Bäumen zu zupfen. Später würde das keinen Sinn ergeben, sagt Schreder. Denn auch die Krähen passen sich dem klimatische Wandel an und brüteten heute früher als früher.

Dass die Krähennester rund um die Senioreneinrichtungen entfernt werden dürfen, hat auch mit Corona zu tun. Die älteren Herrschaften waren im vergangenen Jahr isoliert, sie durften nicht raus und auch keinen Besuch empfangen. Umso dringender wären sie darauf angewiesen gewesen, wenigstens auf dem Balkon ein bisschen entspannen zu können. Das Krähengeschrei, sagt Schreder, sei dort aber fast unerträglich. Dem Antrag der Stadt Erdung auf Entfernung der Nester wurde daher stattgegeben, man kam nur zu spät. Schreder lobte die Mitarbeiter des Bauhofes, die damals die Aktion sofort abgeblieben hätten, als sie in den Nestern Junge vorgefunden hätten. "Die kennen jedes Nest und jede Krähe", sagt Schreder. Und sie wüssten auch Bescheid, was erlaubt ist und was nicht.

So sehr die Krähen mit ihrem Geschrei auch an den Nerven ihrer Nachbarn zerren, Schreder hat auch Bewunderung für die klugen Vögel. Die Stadt habe schon einiges versucht, um Bäumeunbewohnbar für Krähen zu machen, wenn ein Nest einmal entfernt worden war. Aber rote Luftballons und auch ein Plastikuhu hatten keine nachhaltigen Erfolge. Auf dem Plastikuhu hätten die Krähen sich nach zwei Tagen entspannt niedergelassen, um sich zu entleeren. Der nicht unbedingt friedliche Koexistenz von Krähen und Bürgern in Erding wird aber vermutlich auch der Einsatz eines Falkners kein Ende setzen können. Einer sei gefragt worden. Er hätte der Stadt ein Angebot über 50 000 Euro machen können, sagte Schreder, allerdings ohne garantieren zu können, dass das Problem dann auch behoben wäre. Es würde wohl Jahre dauern, um die üppige Krähenpopulation im Erdinger Stadtpark merkbar zu reduzieren.

© SZ vom 25.02.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema