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Leistungsbericht Erding:Eine Stadt in Zahlen

Dreisprachige Lesung in der Stadtbuecherei Erding

Weit mehr als 55 000 Bücher, Hefte und Spiele gibt es in der Stadtbücherei Erding - mehr als genug für alle.

(Foto: Stephan Görlich)

Das Rathaus legt einmal im Jahr seinen Leistungsbericht vor. Er zeigt auf, wie oft die Stadträte nicht-öffentlich beraten, wie viele Kinder Maximilian genannt werden und wie viel ein Pritschenwagen kostet

Das Rathaus ist einer der größten Arbeitgeber in Erding. Knapp 300 Menschen sind tagtäglich damit befasst, das Leben in der Stadt zu verwalten. Sie zählen die Neugeborenen und die beliebtesten Vornamen, sie bereiten Sitzungen vor, organisieren Feste und empfangen Museumsbesucher. Straßen werden geteert und Lampen erneuert, Geld wird gezählt und im Archiv hält man sich bereit, falls mal ein Bürger oder ein Journalist vorbeikommt, um in der Historie herumzuforschen. Einmal im Jahr zieht die Verwaltung Bilanz und legt nicht ohne Stolz ihren "Leistungsbericht" vor. Die Lektüre lohnt sich.

Die Bücher

Eine Erfolgsgeschichte ist die Stadtteilbücherei Klettham, die 2016 von der Stadt Erding übernommen worden war, zuvor war sie in der Verantwortung der Pfarrei St. Vinzenz Klettham. Jahr für Jahr wächst dort der Bestand, und mit ihm die Zahl der Entleihungen. Mehr als 17 600 Bücher, Hefte, DVDs und Spiele sind im Jahr 2019 entliehen worden; das sind knapp vier Mal so viel wie im Jahr 2015, damals zählte man 4760 Entleihungen. Der Bestand in Klettham ist auf 4977 Medien gewachsen, vor allem bei den Zeitschriften, den DVDs und den Spielen. Im Jahr 2015 verzeichnete die Bücherei in diesen Bereichen null Exemplare, jetzt kann man dort unter anderem unter 411 Tonträgern auswählen. Mit 2789 Werken ist außerdem der Bestand an Kinderbüchern besonders reichhaltig.

Ein Vielfaches in jeder Beziehung hat die zentrale Stadtbücherei zu bieten: 55 343 Medien insgesamt, darunter mehr als 19 000 Sachbücher und jeweils mehr als 11 000 Romane und Kinderbücher. Von den 5351 aktiven Leser haben nur die wenigsten nur ein Buch im Jahr ausgeliehen. Insgesamt zählte man in der Bücherei am Aeferleinweg 234 269 Entleihungen.

Die Namen

Bei der Namensgebung ihrer Sprösslinge verhalten sich die Erdinger speziell bei den Buben berechenbar: Zum zweiten Mal hintereinander war Maximilian mit neun Nennungen der beliebteste Vorname, auch in den Jahren zuvor war er stets unter den Top 6. So eine Konstanz schaffte kein anderer. Vier Mal in fünf Jahren erschien der Name Felix auf der Rangliste, zwei Mal Anton und ebenfalls zwei Mal Lukas. Neueinsteiger auf dem Platz zwei war 2019 der Jakob, dahinter folgen Felix, Anton, Benedikt und Lukas.

Zwei Jahre hintereinander fand sich bei den Mädchen nicht der Name Marie oder Maria in den Top 6, jetzt ist die Marie aber wieder da. Sieben Mädchen bekamen 2019 diesen Namen, ebenso viele bekamen den Namen Magdalena, die zuletzt 2017 in der Rangliste erschienen war. Zu den beliebtesten Namen seit 2015 zählen auch Anna, Emma und Lena. Neueinsteiger 2019 auf dem dritten Platz ist die Amelie geworden. Es folgen Anna, Clara und Johanna.

Die Einwohner

Seit 2016 liegt die Zahl der Einwohner konstant zwischen 38 000 und 39 000 Einwohner. Dieses maßvolle Wachstum ist einerseits klar definiertes Ziel der Stadtpolitik, andererseits aber auch ganz einfach darin begründet, dass einige Bebauungspläne seit vielen Jahren in Arbeit sind. Wenn sie fertig sind, werden die Einwohnerzahlen stärker steigen. Von Ende 2015 bis Ende 2019 wuchs die Zahl laut der eigenen Fortschreibung des Einwohnermeldeamtes von 38 198 auf 38 636. Den geringsten Sprung machte dieser Wert im Laufe des Jahres 2019. Er wuchs um nur acht Personen. Demnach sind genau so viele Menschen hergezogen wie weggezogen: 2645. Allerdings registrierte das Rathaus mehr Geburten (355) als Sterbefälle (347). Einen neuen Rekord der vergangenen fünf Jahre erreichte mit 305 die Zahl der Eheschließungen, ein relatives Hoch mit 144 allerdings auch die Zahl der Scheidungen.

Die Grundschüler

Wenn der Zuzug etwas nachgelassen hat, ist es eine logische Folge, dass auch die Zahl der Schulkinder zurückgeht. In den Grundschulen waren es 101 Mädchen und Buben weniger als im Jahr zuvor: 1172 im Jahr 2019, 1273 ein Jahr zuvor. Im Laufe der vergangenen fünf Jahre sank die Zahl der Grundschüler in unterschiedlichem Maße an den Schulen: von 215 auf 154 am Grünen Markt, von 398 auf 332 in Altenerding Süd und von 202 auf 153 am Lodererplatz. Nur an der Grundschule Klettham ist nach einer Erweiterung im Jahr 2013 die Zahl der Schüler in den vergangenen fünf Jahren gewachsen: von 202 auf 217. Die kleinste Grundschule in Erding ist die in Langengeisling, auch dort gehen die Schülerzahlen zurück. 209 wurden 90 Kinder in fünf Klassen unterrichtet.

Der Bauhof

Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs sind viel beschäftigte Leute, der Verwaltungsbericht listet einige ihrer Aufgaben auf: Sie stellen Sitzbänke auf und reparieren alle möglichen Wege und Straßen, sie bereiten das Herbstfest vor und überwachen Bauarbeiten, sie warten Brücken und pflanzen Sträucher, Bäume und Blumen. Und sie schauen auf die Kinder- und Jugendspielplätze. So bekam der Jugendtreff Altenerding eine neue Streetball-Anlage, am Kronthaler Weiher wurde eine Tischtennisplatte aufgestellt, und an der Mittelschule Altenerding steht seit vergangenem Jahr eine Doppelwippe. Für all diese Tätigkeiten braucht der Bauhof hin und wieder auch neues Werkzeug, zum Beispiel einen Schweißtisch für knapp 6000 Euro und ein zwei Pritschenwagen für insgesamt 55 000 Euro. Auch eine Hebebühne für 9300 Euro hat die Stadt Erding für den Bauhof angeschafft.

Im Winter 2018/2019 hat der Bauhof 1825 Einsatzstunden geleistet. Er betreute 15 Räumbezirke, 90 Streukisten und drei Splittsilos. Dabei wurden 646 Tonnen Salz und 87 Tonnen Splitt ausgebracht. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 336 000 Euro, worin unter anderem auch Kosten für Fremdunternehmen beinhaltet sind.

Das Archiv

Auf einen neuen Tiefststand ist die Benutzungsfrequenz im Stadtarchiv gesunken, ganze 34 Besucher waren persönlich erschienen, um sich zu informieren. Wie schon 2018 war auch 2019 kein einziger Schüler und kein einziger Lehrer gekommen. Und auch die Studenten haben das Stadtarchiv 2019 "komplett gemieden", wie es mit leisem Bedauern in dem Leistungsbericht heißt. Bei den schriftlichen Anfragen dominierten die Anfragen professioneller Erbenermittler, dazu kamen fünf Anfragen zur Familienforschung.

Währenddessen arbeitet man im Stadtarchiv weiter an der Verzeichnung von Altakten. Insgesamt liegen nun 2426 Akten vor aus dem ungefähren Zeitraum von 1820 bis 1945, aus denen ein Maximum an Informationen gewonnen werden könne. "Diese Bauakten, die das Kaiserreich, die Weimarer Republik und die nationalsozialistische Diktatur überdauerten, sind ein stadtgeschichtlicher Schatz sondergleichen", heißt es. Ferner wurde mit der Verzeichnung des historischen Gemeindearchivs Altenerding begonnen, das bis ins Jahr 1825 zurückreicht. Am 12. November hat zudem ein Dienstleister die Unterlagen zur Kommunalwahl 2014 frist- und datenschutzgerecht entsorgt, um Platz für die Unterlagen der Kommunalwahl 2020 zu schaffen. Auch andere Sachgebiete nutzten die Gelegenheit, so dass am Ende 2,9 Tonnen bedrucktes Papier vernichtet wurden.

Die Sitzungen

13 Mal war 2019 der gesamte Stadtrat zusammengetreten, fast genau so häufig tagte der Planungs- und Bauausschuss: elf Mal. Dieser Ausschuss verhandelte mit 88 öffentlichen Tagesordnungspunkten so viel wie nie zuvor. Der Stadtrat arbeitete 107 öffentliche Punkte ab, dazu aber auch noch 94 in nicht-öffentlicher Sitzung - so viel wie noch nie zuvor. Komplett ohne Beteiligung der Öffentlichkeit tagt der Grundstücks- und Wohnungsausschuss. Zwei Sitzungen reichten ihm für 15 Punkte. Insgesamt ist die Anzahl der nicht-öffentlichen Tagesordnungspunkte in allen Ausschüssen und im Stadtrat zusammen auf 202 angewachsen. Einen neuen Rekordwert hat mit 292 die Anzahl der öffentlichen Tagesordnungspunkte in allen Ausschüssen und im Stadtrat erreicht.

© SZ vom 27.05.2020

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