Orkantief "Niklas" Sturmschäden im gesamten Landkreis

Umgeknickt: Ein Strommasten in der Nähe von Hörlkofen.

(Foto: Renate Schmidt)

Orkantief "Niklas" knickt Bäume und Masten und macht Straßen unpassierbar. Auf der Flughafentangente Ost weht eine Böe einen Lastwagenanhänger um. Der S-Bahnverkehr wird für mehrere Stunden eingestellt.

Von Florian Tempel, Landkreis

"Achtung! Schließen Sie alle Fenster und Türen! Sichern Sie Gegenstände im Freien! Halten Sie Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen! Vermeiden Sie möglichst den Aufenthalt im Freien!" Die bereits am Montagabend herausgegebene Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes war keineswegs übervorsichtig. Von Dienstagmorgen an wütetet das Sturmtief Niklas mit Orkanböen von bis zu 110 Kilometern pro Stunde auch im Landkreis Erding. In der Rettungsleitstelle, die auch für die Nachbarlandkreise Ebersberg und Freising zuständig ist, stand das Telefon nicht mehr still. Polizei und Feuerwehren waren pausenlos im Einsatz. Der S-Bahn-Verkehr kam am Nachmittag für mehrere Stunden zum Erliegen.

In den Morgenstunden begann sich die Gefahrensituation durch zunehmend stärkeren Wind zuzuspitzen. Um etwa 8.40 Uhr kam es auf der Flughafentangente Ost (FTO) zwischen den Anschlussstellen Erding-Nord und der Abfahrt zum Flughafen zu einem Unfall, in den fünf Fahrzeuge verwickelt wurden. Der fast leere Anhänger eines Lastwagens war durch eine starke Böe ins Schleudern geraten. Ein entgegenkommender, mit Sand beladener Lastwagen musste in den Straßengraben ausweichen, einem zweiten Lkw wurde der Außenspiegel abgerissen. Der umkippende Anhänger streifte noch einen Pkw und stürzte schließlich auf einen Kleinwagen. Mehrere Feuerwehren und Abschleppdienste waren bei einem Großeinsatz mit der Räumung der FTO beschäftigt, die bis in den Nachmittag komplett gesperrt war. Der Sachschaden beträgt 70 000 bis 80 000 Euro. Verletzt wurde niemand.

Die Polizeiinspektion Erding meldete bis 14 Uhr, als der Sturm im Landkreis allmählich etwas abflaute und der Regen einsetzte, insgesamt 35 Einsätze, bei denen ebenfalls niemand verletzt wurde. Passiert war so ziemlich alles, was bei einem Orkan zu erwarten war. Bäume knickten ab und stürzten auf Straßen, unter anderem zwischen Frauenberg und Maria Thalheim, bei Eittingermoos, in der Nähe von Wifling, zwischen Nieder- und Oberneuching und bei Lüß, in Ottenhofen und Buch am Buchrain, in der Nähe von Wartenberg und in Forstern. Im Gewerbegebiet Erding West drückte der Wind einen Wohnwagen auf die Johann-Auer-Straße. In Neufinsing kippte ein Pkw-Anhänger auf die Fahrbahn und in Neuching wurde ein Anhänger sogar während der Fahrt von einem Auto losgerissen. In Oberding wehten Böen Dachteile von einem Gebäude. In Bockhorn und Hörlkofen knickten Strommasten ab, in Siggenberg bei Forstern brach ein Telefonmasten. An der Dachauer Straße in Klettham und an der Straße Am Altwasser in Altenerding stürzten zwei nicht besetzte Spargelverkaufsstände um. In Pretzen drohte eine Plakatwand umzufallen. In der Wendelsteinstraße wehte der Sturm einen Bauzaun um.

Im östlichen Landkreis das gleiche Bild: Vom frühen Vormittag an bis in den Nachmittag hinein wurden auch hier zahlreiche Bäume entwurzelt oder abgeknickt. In Burgrain stürzte ein Baum über die Straße nach Isen, ebenso wie bei Jaibing an der Bundesstraße B 15. In Taufkirchen musste die Feuerwehr unter anderem ausrücken, um die Abdeckung eines privaten Swimmingpools einzufangen und zu bändigen. Der S-Bahn-Verkehr von und nach Erding wurde kurz nach 13 Uhr für mehrere Stunden eingestellt. Die Regionalbahnen nach Dorfen waren - als einzige weit und breit - nicht betroffen.