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Landkreis Erding:Immer mehr Arbeit für Schuldnerberater

Die Zahl der Privatinsolvenzen ist im Großraum München deutlich gestiegen. Auch ein reicher Landkreis wie Erding bleibt nicht verschont.

Die Menschen im Großraum München sind zwar durchschnittlich reicher als im Norden und Osten Deutschlands - trotzdem ist die Zahl der privaten Pleiten binnen eines Jahres gerade hier dramatisch angestiegen. 25,5 Prozent mehr Verbraucher als im Vorjahr mussten in Oberbayern in der ersten Jahreshälfte die Reißleine ziehen und Privatinsolvenz anmelden. Damit liegt Südbayern deutlich über dem Landesschnitt mit einer Steigerung in Höhe von 10,4 Prozent bei den privaten Insolvenzen. Das Statistische Bundesamt hatte im August einen deutschlandweiten Anstieg um 10,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ermittelt.

Pleitegeier kreisen - Privatinsolvenzen in Berlin

Die Zahl der Privatinsolvenzen ist im Großraum München im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent gestiegen. (Archiv)

(Foto: dpa)

Schuldnerberater sehen in dem Anstieg einen verzögerten Effekt der Wirtschafts- und Finanzkrise. Denn der Verlust des Arbeitsplatzes ist neben Scheidung und Krankheit einer der Hauptfaktoren, die in die Schuldenfalle führen. Auch wer von Kurzarbeit betroffen ist, kann Ratenzahlungen nicht mehr nachkommen. Viele Schuldner hätten das Gefühl, es zunächst noch aus eigener Kraft zu schaffen - und kämen erst, wenn die Wohnung, der Strom und das Telefon akut bedroht seien. Angesichts der hohen Lebenshaltungskosten in München und Umgebung, vor allem der Mieten, sei der Effekt durch die Wirtschaftskrise hier besonders spürbar, sagt Schuldnerberaterin Sabine Schuster von der Caritas in Freising.

Probleme haben aber auch die Schuldnerberater, die sich mit einem wachsenden Bedarf an Beratungsgesprächen konfrontiert sehen. Ralf Lohrberg von der Caritas Schuldnerberatung in Erding etwa sagt, es gebe ein "Maximum an zu bewältigenden Beratungsgesprächen". Aber man spüre auch in Erding eine höhere Nachfrage, was sich vor allem in längeren Wartezeiten äußere. Trotz der geringen Personalressourcen würde man in Fällen einer "existenziellen Not" auf jeden Fall sofort reagieren, sagt Lohrberg. "Meistens geht es um erste Vermittlungen zwischen den Schuldnern und den Gläubigern."

Die Vorstellung, in einem reichen Landkreis wie Erding mit einer sehr geringen Arbeitslosenzahl würden weniger Insolvenzen vorkommen, sei ein Irrtum, so Lohrberg: "Viele Leute können trotz einer Vollzeitarbeit ihre Familie kaum ernähren." Als Grund hierfür sieht der Schuldnerberater der Caritas unter anderem die "gleichbleibenden Gehälter bei stetig wachsenden Lebenshaltungskosten". Zu den hohen Mietpreisen kommen in ländlichen Gegenden wie dem Landkreis Erding meist auch noch die Ausgaben für ein Auto hinzu. Für alleinerziehende Mütter sei zudem vor allem der Mangel an Teilzeitarbeitsstellen und Kinderbetreuungsmöglichkeiten ein Problem. Die Schuldnerberatung arbeite auch aus diesen Gründen eng mit sozialen Einrichtungen in Erding zusammen, sagt Lohrberg.

Nach Angaben des Landesamtes für Statistik waren Ende August 1741 oberbayerische Verbraucher im Insolvenzverfahren, hinzu kommen 765 ehemals Selbständige. Sie stehen mit durchschnittlich 116.784 Euro bei ihren Gläubigern in der Kreide. Insgesamt belaufen sich die Forderungen von Gläubigern allein in Oberbayern auf rund 302 Millionen Euro.