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Lärmschutz auf A94:Einleuchtend fehlerhaft

Lappachtalbruecke bei Lindum

Das ist der durch Glas- statt Holzwände angeblich ästhetisch verbesserte Anblick der Lappachtalbrücke. Was man sieht, ist, dass es hier mit dem Lärmschutz nicht weit her sein kann.

(Foto: Stephan Görlich)

GAL fordert eine "rechtliche Prüfung", warum auf A 94-Brücken weniger wirksame Schutzwände aus Acrylglas stehen. Eine Kompensation durch einen lärmmindernden Belag "an einer völlig anderen Stelle" hält man für unmöglich

Die Änderung des Lärmschutzes auf mehreren A 94-Brücken lässt der Dorfener Stadträtin Ursula Frank-Mayer keine Ruhe. Sie fordert eine "rechtliche Prüfung", warum aus optischen Gründen statt schallschluckenden Lärmschutzwänden Acrylglaswände geplant und installiert wurden. Für sie steht fest, dass "durch die Planänderung 2015 der Lärmschutz von den planenden Behörden ganz erheblich reduziert" wurde. Die Beteuerungen von Vertretern der Autobahndirektion und der Regierung von Oberbayern, der Lärmschutz habe sich durch die Umplanung nicht verschlechtert, will Frank Mayer nicht glauben. Im Namen der Grün-Alternative Liste (GAL) beantragt sie, dass die Stadt Dorfen "den Sachverhalt und die daraus resultierenden Rechtsansprüche der Gemeinde und der Anwohner prüfen" lässt.

Frank-Mayer hat die Unterlagen der Planänderungen genau unter die Lupe genommen. Insgesamt wurde auf 20 Brücken das Schallschutzkonzept geändert. Bei 16 Brücken blieben die ursprünglich vorgegebenen hochabsorbierenden Lärmschutzwände zumindest teilweise bestehen. Bei vier Brücken, unter anderem auf der 260 Meter langen Lappachtalbrücke, wurde auf schallschluckende Wände komplett verzichtet. "Diese Bauweise ist im Lärmschutz die schlechteste Variante, weil die Wand vollständig jede Lärmabsorptionswirkung verliert", schreibt Frank-Mayer. Die Acrylglaswände erscheinen ihr auch deshalb ungünstig, weil sie den Schall zum Beispiel von einem Lastwagen reflektieren und der Lärm dann von der Seitenwand des Lastwagens über die Schutzwand hinausgehe.

Schutzwände aus Acrylglas sind nicht nur weniger wirksam, sie sind auf alle Fälle auch teurer, als die an anderen Stellen verbauten hochabsorbierenden Lärmschutzwände aus Holz. In einer im September 2019 veröffentlichten Antwort der bayerischen Staatsregierung auf eine Anfrage der Landtags-Grünen zum Lärmschutz an Bayerns Straßen heißt es zu den Kosten von Lärmschutzwänden: "Die kostenintensivste Bauform stellen transparente Kunststoffwände dar." Auf die Frage, welche Materialien am besten für Lärmschutz geeignet seien, heißt es wenige Zeilen darunter: "Generell lässt sich sagen: Je poröser ein Stoff ist, desto besser sind seine Schall absorbierenden Eigenschaften." Glatte Acrylglasflächen sind allerdings das glatte Gegenteil von porös.

Dass sich die offensichtliche Reduzierung des Schallschutzes durch einen lärmmindernden Fahrbahnbelag, der mehr als einen Kilometer östlich der Lappachtalbrücke eingebaut wurde, kompensieren ließe, bezweifelt Frank-Mayer total: "Es ist evident, dass ein besserer, lärmmindernder Fahrbahnbelag an einer völlig anderen Stelle, nicht die gestrichenen hochabsorbierenden Lärmschutzwände kompensieren kann." Im Antrag wird deshalb auch gefordert, dass die Lärmberechnungen auf Fehler geprüft werden.

Aus dem Landratsamt kam am Montag die Mitteilung, dass "A 94-Anwohner im Bereich zwischen Buch und Pastetten" Landrat Martin Bayerstorfer "eine Liste mit weit über 700 Unterschriften von Betroffenen, die sich für weitere Verbesserungen einsetzen", überreicht haben. Bayerstorfer habe den A 94-Anwohnern für ihren Einsatz gedankt und "sie bestärkt, für ihre Forderungen einzutreten". Die Regierung von Oberbayern müsse als Planfeststellungsbehörde die Einhaltung der festgelegten Lärmgrenzwerte prüfen, was "im Hinblick auf den offensichtlich nicht korrekt verbauten Fahrbahnbelag und die Lärmschutzwände" auch erforderlich sei.

© SZ vom 28.01.2020
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