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Kunstverein Erding:Enger Blickwinkel

In der Ausstellung "Fetisch" dominiert die männliche Sicht auf den weiblichen Körper

Von Antonia Steiger, Erding

Auch Künstler sind offenbar erstaunlich normale Leute: Wenn von Fetischen die Rede ist, denken die meisten von ihnen ganz einfach an Sex. Schon im vergangenen Jahr sei der Fetisch als Thema für eine Mitgliederausstellung aufgeploppt, sagt Uwe Kloos, der Vorsitzende des Kunstvereins Erding. Genügend Zeit war also, um sich über diverse Aspekte des Fetischs Gedanken zu machen. Trotzdem finden sich nun vor allem viele Darstellungen des Frauenkörpers in der Jahresausstellung "Fetisch", die von diesem Samstag an für zwei Wochen im Frauenkircherl in Erding zu sehen ist. Es dominiert der männliche Blick auf den weibliche Körper, sowohl bei männlichen wie auch bei weiblichen Künstlern. Da findet sich ein Slip in einem diffusen Arrangement, da findet sich der weibliche Körper fotografisch maximal attraktiv in Szene gesetzt. Aber auch anderes.

Nicht jeder Künstler wollte mit seinem Werk wohl verraten, was sein eigener Fetisch ist, manche aber doch. So dominiert der Blick der Frauen die beiden Kunstwerke von Michael Lang, "Leporello Serie I - 5" und "Leporello Serie IV - 2". Dieser Blick sei schon etwas, das ihn fasziniere, ließ Lang durchblicken, als der Kunstverein am Freitag die Ausstellung präsentierte. Dieses Mal muss die Ausstellung aber ohne Vernissage starten, trotzdem erhoffen sich die Künstler regen Zuspruch - nach vielen ereignislosen Wochen unter dem Eindruck der Corona-Beschränkungen. Maria Weber äußerte sich recht zuversichtlich, was das Publikumsinteresse betrifft. Sie hat zwei interessante Skulpturen aus diversen Materialien beigesteuert, in denen sie den Fetisch interpretiert als Gegenstand der Magie und Kraft, wie sie ihn dem afrikanischen Kulturraum zurechnet. Der "Heavy Smoker" rauche einfach alles weg, das ihm in den Weg kommt, sagte Weber. Die "Dancing Queen" lässt an magische Tänze denken.

Uwe Kloos, der Vorsitzende des Kunstvereins, zeigt eine Einhorn-Skulptur unter dem Motto "Ich wär so gern ein Unikorn". Seine Plastik "Nimm Mich!" lässt dagegen auch den übergriffigen gierigen männlichen Blick auf die Frau nicht unter den Tisch fallen. Die roten Lippen seien mitnichten zum Küssen bereit, sagt Kloos, die Hände signalisierten eine deutlich abwehrende Haltung. Der Fetisch sei doch weit "mehr als Lack und Leder", findet er. Das zeigt auch Albin Zauner mit seinem in Brandmalerei geschaffenen BMW-Brandbild, hier erscheint das Auto als Fetisch, ebenso wie bei "sex sells" von Harald Sedlmeier. Jaqueline Kreutz hat mit ihrem Acrylgemälde den "Waffenfetischisten" ein Denkmal gesetzt. Eine Art von Fetisch, die der Betrachter wohl noch häufiger erwartet hätte.

In der Jahresausstellung, die in diesem Jahr mit der Mitgliederausstellung zusammengelegt wurde, sind insgesamt 39 Kunstwerke zu sehen. Einige seien von der Jury abgelehnt worden, sagte Lang. Auch eines seiner Werke, wie er anmerkt. Der Kunstverein legt Wert darauf festzustellen, dass die Mitglieder des Vorstands sich genauso den kritischen Blicken der Jury stellen müssten wie alle anderen. Geplant war eine Jahresausstellung zum Thema "Digitale Sehn-Sucht", zu der auch auswärtige Künstler eingeladen worden seien. Sie wird nachgeholt.

Die Mitgliederausstellung "Fetisch" des Kunstvereins Erding ist von 1. bis 16. August, 13 bis 19 Uhr, im Frauenkircherl zu sehen. Es gelten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen, ein Hygienekonzept ist ausgehängt.

© SZ vom 01.08.2020

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