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Kreisjugendring Erding:Eine Schule fürs Leben

Verwaltung und Management bestimmen den Arbeitsalltag von KJR-Geschäftsführer Reinhard Egger. Trotzdem will er nah dran sein an der Jugendarbeit.

(Foto: Renate Schmidt)

Dem Geschäftsführer Reinhard Egger ist die Erziehung der Jugendlichen zu Demokratie und Freiheit besonders wichtig. In Vereinen und Verbänden können sie das trainieren

Vor knapp einem Jahr ist Reinhard Egger als neuer Geschäftsführer beim Kreisjugendring (KJR) Erding angetreten. Ein wahres Multitalent: Egger ist Sozialpädagoge und Familientherapeut, außerdem freiberuflicher systemischer Berater und Therapeut. Vor seinem Studium hatte er schon als Rettungsassistent, Bürokaufmann und Fitnesstrainer gearbeitet und war Geschäftsführer beim Malteser Hilfsdienst. Sein Motto: "Es gibt immer was zu lernen." Sein Antrieb: Er möchte gerne anderen helfen.

Als Geschäftsführer ist er Schnittstelle zwischen dem Vorstand und den Mitarbeitern, die direkt mit den Jugendlichen zu tun haben. Seine Aufgaben bezögen sich eher auf Verwaltung und Management, sagt er. "Trotzdem bin ich nahe dran und suche so oft wie möglich den Kontakt zu den Jugendlichen." Besonders am Herzen liege ihm die demokratische Meinungsbildung. Laut den Satzungen verpflichtet sich der KJR dazu, die Jugendlichen im Sinne von Freiheit und Demokratie zu erziehen. "Das versuchen wir unter anderem durch Projekte wie die U18-Wahl im vergangenen Jahr. Außerdem durch Vorleben, das heißt bei der Gestaltung der Freizeiten und Projekte und natürlich beim Umgang miteinander." Essentiell für die demokratische Meinungsbildung der Jugendlichen sei die Partizipation an demokratischen Prozessen, was in der Schule und Familie schwierig sei. Vereine und Jugendverbände böten durch die Freiwilligkeit der Teilnahme bessere Möglichkeiten, da anders als in der Schule Ziele und Inhalte von den Jugendlichen mitbestimmt werden könnten.

"Mitbestimmung ist ein einklagbares Recht in Jugendverbänden, und in diesen Diskursen liegt ein zentrales Potenzial für Demokratiebildung", so Egger. Außerdem berate der KJR Jugendliche, die selbst etwas aus die Beine Stellen wollen, wie Fridays for Future. Jedoch sei es ihm wichtig, dass der KJR keine politische Einrichtung ist und keiner Partei nahesteht. "Ich lege Wert auf ein humanistisches Menschenbild und möchte das auch weitergeben."

Bei seinem Amtsantritt wollte Egger zuerst den Ist-Zustand erfahren. "Der Plan am Anfang war, im ersten Jahr gar nichts anzupacken, aber wir wurden von anstehenden Aufgaben quasi überrollt", erinnert sich Egger. "Neue Verwaltungsabläufe wie die Datenschutzgrundverordnung bringen immer neue Herausforderungen mit sich." Ein wichtiger Punkt ist es laut Egger, die Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern: "Ziel ist es, im ganzen Landkreis bekannt zu sein und einen so hohen Stellenwert zu erreichen, damit das Angebot auch zur Gänze genutzt wird. Ich möchte die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, was wir leisten."

Der KJR ist eine Arbeitsgemeinschaft von Jugendorganisationen und -vereinen, die durch öffentliche Mittel finanziert wird. Egger ist als Geschäftsführer dafür zuständig, dass diese Mittel sorgfältig eingesetzt werden. Die Angebote reichen von pädagogischer Beratung und Unterstützung, Bezuschussung von Maßnahmen der Jugendarbeit über Jugendleiterschulungen bis hin zu Kinder und Jugendfreizeiten. Außerdem gibt es einen Verleihservice.

Mit seinem ersten Jahr ist Egger sehr zufrieden: "Meine Erwartungen wurden sogar übererfüllt. Ich habe menschlich nette und kompetente Mitarbeiter, sowohl ehren- als auch hauptamtliche. Es gibt keine Konflikte, und alle sind hoch motiviert." Er arbeite gerne und viel, sagt er. Doch Arbeit sei nicht alles. "Das wichtigste ist meine Familie, meine Frau und meine drei Töchter. Es geht darum, die Balance zwischen Arbeit, Freizeit und viel Lachen zu finden. Außerdem will ich etwas bewirken und meinem Leben Sinn geben", betont Egger. "Viele Menschen versuchen uns zu sagen, was der Sinn des Lebens sei. Dabei sollten wir alle mal in uns gehen und nachdenken, welchen Sinn wir sehen. Für mich ist es wichtig, einen Teil meines Lebens dafür einzusetzen, anderen zu helfen. Wenn mir das gelingt, hat mein Leben Sinn gemacht."