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Kreisjugendring Erding:Absolute Schmerzgrenze

Sparkasse stockt Mittel für Kreisjugendring auf. Der ist froh über die Spende, sieht aber den Landkreis in der Pflicht

Von Regina Bluhme, Erding

An diesem Mittwoch überreicht die Sparkasse Erding-Dorfen einen Scheck über 21 000 Euro an den Kreisjugendring Erding. Damit sollen die Mittelkürzungen aufgefangen werden, die im Haushalt 2021 vorgesehen sind. Beim KJR und seinen Mitgliedern ist man froh um die Spende, aber zugleich ist auch zu hören: eine langfristige Planung sei so nicht möglich. Sie wünschen sich eine verlässliche Ausstattung durch den Landkreis.

20 Prozent galt es bei den Leistungen einzusparen - das war die Vorgabe für die Haushaltsberatungen Mitte Dezember im Kreisausschuss. Der KJR, in dem knapp 30 Jugendverbände organisiert sind, hatte ursprünglich 178 000 Euro an Mitteln beantragt, als absolute Schmerzgrenze waren dann 161 400 Euro angegeben worden. Eingestellt wurden schließlich 142 400 Euro. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) hatte in der Dezembersitzung erklärt, er sei in Gesprächen mit einem Förderer, der den Differenzbetrag übernehmen wolle. Um wen es sich handele, wollte er damals aber nicht verraten. Jetzt steht fest: Den Scheck von 21 000 Euro überreicht beim Pressetermin im Landratsamt keine Privatperson, sondern die Sparkasse Erding-Dorfen. Eine Anstalt des öffentlichen Rechts, deren Verwaltungsrat auch Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) qua seines Amts angehört.

Die Spende sei "eine wunderbare Sache", betont die stellvertretende KJR-Vorsitzende Birgit Schwaiger auf Nachfrage der SZ. Doch damit werde tatsächlich nur der "Mindestsockel für die Handlungsfähigkeit" erreicht. Der Kreisjugendring hatte von sich aus bei seinem Haushaltsansatz bereits abgespeckt, wo es nur möglich sei - mit einer Reduzierung der Antragshöhe, mit Entnahme der Rücklagen und einem Verzicht des Vorstands auf freiwillige Aufwandsentschädigungen. Mehr ging einfach nicht. Es gebe eine Grenze, "es geht ja auch darum, unsere Mitarbeiter bezahlen zu können, so Schwaiger. Nach ihren Angaben wären sogar 165000 Euro die Schmerzgrenze. Es sei eine Pflichtaufgabe der Kommunen "in angemessener Form für ein Auskommen" zu sorgen. Sie befürchtet, "dass wir jedes Jahr bei den Haushaltsberatungen neu um Spenden bangen müssen".

Auch Regina Haindl, Vorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Erding und Mitglied im KJR, sagt, ihr wäre es lieber, "wenn wir uns nicht auf Spenden verlassen müssten". Gerade jetzt, in Zeiten der Pandemie sei Jugendarbeit gefragt, "wir sind nicht lahmgelegt, im Gegenteil, wir haben viel Arbeit". Kati Jindrich von der Evangelischen Dekanatsjugend verweist auf die Nachbarlandkreise. Dort sei es zu keinerlei Kürzungen des Etats gekommen, andere Kreisjugendringe würden sogar von den Landratsämtern mit dem zwei bis zweieinhalb fachen mehr ausgestattet. Darauf hatte sie im Dezember mit Diakonin Angela Senft in einem Leserbrief hingewiesen. Ein externer Förderer könne "nicht die Verlässlichkeit und Sicherheit geben, wie es einer Finanzausstattung durch den Landkreis möglich" sei. Moritz Zink, Kreisvorsitzender des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend, sieht die Mittelkürzungen grundlegend kritisch: Der KJR spiele bei der Anwerbung und Ausbildung von Jugendlichen für Vereine eine wichtige Rolle. "Ausgerechnet hier, wo die Zukunft ist, wird gespart."

Nicht alle Kreisräte waren in der Dezembersitzung mit der 20-prozentigen Kürzung beim KJR einverstanden. Kreisrätin Ulla Diekmann (SPD) war die einzige Gegenstimme, als der Kreisausschuss den Gesamthaushalt dem Kreistag zum Beschluss empfahl. Am kommenden Montag ist Kreistagssitzung.

© SZ vom 27.01.2021
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