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Kommunalwahl 2020 in Erding:Kooperativ Konzepte schmieden

Wohnt und arbeitet in seinem Hotel in der Zollnergasse. Zum Rathaus wäre es aber auch nicht weit.

(Foto: Renate Schmidt)

Erding Jetzt-Kandidat Thomas Schmidbauer wünscht sich in Erding mehr Lebensqualität durch kurze Wege, eine Wohn- und Gewerbeentwicklung im Gleichklang und, "überhaupt mal Alternativen zu denken"

Für Thomas Schmidbauer hat es zweimal knapp nicht gereicht. Die freie Wählergruppierung Erding Jetzt hatte bei den Kommunalwahlen 2008 und 2014 je vier Stadtratssitze errungen, für Schmidbauer, der auf Platz fünf und sechs kam, langte es nicht. Nun geht der 55-Jährige auf Platz eins der Stadtratsliste und als OB-Kandidat von Erding Jetzt ins Rennen. Seine Aussichten Amtsinhaber Max Gotz (CSU) den Chefsessel im Rathaus streitig zumachen, schätzt Schmidbauer als nicht allzu groß ein. Seine Hoffnung und sein Antrieb sei vor allem, dazu beitragen zu können, die relative Stärke der CSU deutlich zu verringern, um dadurch dann in Erding einen kooperativerem Politikstil zu etablieren zu können.

"Ich sehe mich als Teamspieler", sagt Schmidbauer, "ich bin kompromissbereit, aber ich lass mich nicht zu jedem faulen Kompromiss umstimmen." Auf die Frage, ob er das mit einem konkreten Beispiel illustrieren könne, fällt ihm gleich der umstrittene, jedoch nun mehrheitlich abgesegnete Tunnel zwischen dem alten und dem im Bau befindlichen neuen Rathaus ein. Schmidbauer hält den Tunnel für eine grobe Fehlentscheidung. Die scheinbaren Argumente dafür seien alle "an den Haaren herbeigezogen".

Schmidbauer ist gebürtiger Erdinger und die Stadt war immer seine Heimat. Nach dem Abitur, das er im selben Jahr wie OB Gotz in Erding machte, absolvierte Schmidbauer eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann. Nach der Bundeswehr arbeitete er als Immobilienfachmann in München für die katholische Kirche und für einen Bauträger. Nach einem Betriebswirtschaftsstudium war er einige Jahre bei der Münchner Rück und wechselte danach zu einer großen Bankgesellschaft. Als sein erstes Kind auf die Welt kam, hängte er einen gut dotierten Projektleiter-Job an den Nagel und wechselte zur VR-Bank Erding, wo er Leiter der Immobilienabteilung wurde.

Thomas Schmidbauer verwirklichte damals für sich, was er sich auch als Vision für Erding wünscht: Mehr Lebensqualität durch kurze Wege. Zu seinem Arbeitsplatz in der VR-Bank musste er fortan nur die Straße überqueren - Job und Familie, Arbeit und Wohnen ganz nah beinander. 2007 ging er noch Schritt weiter. Er kündigte bei der VR-Bank und übernahm von seiner Mutter die Leitung des kleinen elterlichen Hotels in der Zollnergasse. Seit zwölf Jahren wohnt und arbeitet er nun sogar im gleichen Gebäude - zum Rathaus wäre es aber auch nicht weit.

"Dass mir das Zentrum von Erding besonders am Herzen liegt, kann ich nicht bestreiten", sagt Schmidbauer. Als Gründungsmitglied von Erding Jetzt ist auch für ihn die "Attraktivität der Innenstadt" durch einen "funktionierenden und bunten Branchenmix" ein zentrales Anliegen. Dass es für Mayr-Wirt-Areal noch immer kein Konzept gibt, kann er nicht verstehen. Für ihn steht außer Frage, dass man für die 3000 Quadratmeter an der Haager Straße "möglichst bald einen Architektenwettbewerb ausloben muss". Bei der späteren Nutzung müsse "Klasse vor Masse" zum Grundsatz werden. Eine schlechte Entwicklung bahnt sich seiner Meinung weiterhin am westlichen Stadtrand an. Immer noch riesige Hallenflächen seien dort fehl am Platz. Die Flächen seien "viel zu attraktiv". Man sollte dort einen Mix aus Gewerbe, Büros und Wohnen "im Gleichklang" realisieren - kurze Wege zur Verkehrsentlastung und zur Steigerung der Lebensqualität. Stadtmarketing sollte nicht nur den Tourismus im Blick haben, sondern es könnte Erding aktiv als Standort für nicht störendes Gewerbe promoten. Auch beim Verkehr brauche man zukunftsfähige Konzepte. Alles in allem gehe es darum, "überhaupt mal Alternativen zu denken", sagt OB-Kandidat Thomas Schmidbauer.

© SZ vom 11.12.2019

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