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Kommentar:Verquere Logik

Über die Behördenlogik zur Lärmproblematik. Wen interessiert es?

Dass Behörden eigene Fehler herunterspielen und abstreiten, sind wir alle gewohnt. Man kann das als menschliche Regung verstehen. Die wenigsten können offen und ehrlich mit Kritik umgehen, und in Behörden arbeiten auch nur Menschen. Wie sich die Regierung von Oberbayern und das Landratsamt Erding in diesem Fall verhalten würden, war also schon zu erwarten gewesen: Man habe sich nichts vorzuwerfen, auch rückblickend sei alles in Ordnung und, wo ist überhaupt das Problem? Das Problem liegt darin, dass mit einer Behördenlogik argumentiert wird, die den normalen Menschenverstand verachtet.

In den Unterlagen der Planänderung gibt es Luftbilder, auf denen die berechneten Lärmpegel für die Häuser, Weiler und Dörfchen unweit der Isentalautobahn verzeichnet sind. Wenn man sich die berechneten Werte für die Gegend um Lindum anschaut, sieht man, dass sie höher sind als die letzten vor der Änderung berechneten Werte. Richtig ist lediglich, dass alles gleich bleibt oder ganz leicht besser wird, wenn man die noch älteren Werte der Planfeststellung als Vergleichsbasis hernimmt. Das ist Behördenlogik: Auch eine schlechtere Lösung, Hauptsache sie ist amtlich festgestellt, ist genauso gut.

Man sieht: Es geht nicht darum, die für die Betroffenen beste Lösung zu finden. Das beweist auch die Umplanung. Für eine bessere Optik einer Autobahnbrücke, die nur im Blickfeld ihrer direkten Anwohner steht, wird Lärmschutz geopfert. Die wirksameren Lärmschutzwände werden durch weniger gute ersetzt, dafür wird an anderer Stelle am Belag nachgebessert. Diese Kompensation ist Unfug. Wieso, fragt man sich, lässt man nicht die besseren Lärmschutzwände und bringt zusätzlich einen besseren Fahrbahnbelag auf? Mit Kosten hat das nichts zu tun. Die Glaswände sind auf alle Fälle teurer als die hochabsorbierenden Lärmschutzwände aus Holz, die man an anderen Stellen entlang der A 94 sieht. Die Behördenlogik aber sagt: Besserer Lärmschutz steht den Leuten bei Lindum nicht zu und geht uns nichts an.

Geht uns nichts an, ist der Punkt, mit dem sich das Landratsamt blamiert hat. Lärmschutzänderungen an der Isentalautobahn? Interessiert das irgendwen? Schon mal von der A 94 gehört? Die Behördenkollegen von der Autobahndirektion schreiben, das sei alles nur Kleinkram und juckt niemanden. Na dann, passt doch alles. Sollte man vielleicht doch wenigstens die Bürgermeister informieren? Das darf man gar nicht, sagt der Behördenlogiker, das ist im Dienstwegeplan nicht vorgesehen - genauso wenig wie Einsicht und eine Entschuldigung für offensichtliche Versäumnisse.

© SZ vom 17.01.2020
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