Kartenvorverkauf Mit der Gitarre um die Welt

"Je mehr Bass, desto Bässer", lautet das Motto von "The Bassmonsters". Die Kontrabassisten eröffnen das Saitenfestival am Freitag, 24. Mai.

(Foto: The Bassmonsters/oh)

Das Dorfener Saitenfestival schickt Gitarrenfans auf die "Winterreise" und in die mongolische Steppe

Von Philipp Bovermann

DorfenHerrliche Wetteraussichten für Dorfen: Ein "regelrechtes Bassgewitter" rollt heran, um in Form der Band "The Bassmonsters" das zweite Dorfener Saitenfestival im Jakobmayer zu eröffnen. Ab nächstem Freitag, 24. Mai, zeigen an zwei aufeinander folgenden Wochenenden Gitarrenvirtuosen aus aller Welt, wie vielfältig die Musik ist, die man gezupften Saiten entlocken kann.

Die musikalische Tiefdruckfront zur Eröffnung besteht aus den Kontrabassisten Ricardo Tapadinhas aus Portugal, Lisa De Boos aus Belgien und den beiden Bayern Thomas Hille und Claus Freudenstein. "The Bassmonsters" interpretieren Rockklassiker etwa von Deep Purple, Led Zeppelin, Michael Jackson, U2 oder den Guns 'N' Roses analog neu. Dabei ziehen sie zarte Melodielinien über den Gänsehaut erzeugenden, düster brodelnden Bassdruck und stehen dabei immer schon mit einem Fuß in der Klassik und dem Jazz.

Am 25. Mai, dem Tag darauf, senkt sich "Die Nacht" über das Jakobmayer, so der Name des Programms mit Bezug auf die gleichnamige Komposition von Franz Schubert: Die deutsche Cellistin Anja Lechner und der argentinische Gitarrist Pablo Márquez verbindet die Liebe zu dem deutschen Romantiker. Die verträumte, melancholische Ruhe etwa seiner "Winterreise", von "Nacht und Träume", seiner "Nocturnes" und Sonaten konzentriert sich in Lechners Cellospiel, Márquez zupft darüber leichten Herzens und mit lateinamerikanischer Wärme hinweg, wie ein treuer, plaudernder Freund bei einer nächtlichen Winterwanderung, über der die Sterne leuchten. Márquez ist der letzte Gitarrist einer legendär gewordenen südamerikanischen Generation von Interpreten und Virtuosen, Gewinner des Radio France Preises und des ARD-Musikwettbewerbs. Lechner lebt in München und bewegt sich mit ihren musikalischen Projekten zwischen Quartettspiel, Tango und Improvisation. "Eine Cellistin ohne Grenze", schrieb das Musikmagazin Fono Forum.

Am Wochenende darauf geht es weiter mit Mariacristina Buono, einer der vielversprechendsten jungen Konzertpianistinnen Italiens. Als sie fünf Jahren alt war, wurde sie von der Pianistin Alba Rosa Scattaglia entdeckt, ab dem Alter von neun Jahren studierte sie am Niccolo Piccinni Konservatorium in Bari, spielte erste Konzerte und gewann Preise bei den wichtigsten italienischen Klavierwettbewerben. Im Alter von 17 schloss sie ihr Studium in Bari mit Bestnote ab und wurde in zwei der bedeutendsten Klavierschulen Italiens aufgenommen: das Konservatorium "Nino Rota" in Monopoli und die internationale Klavierakademie Imola. Mittlerweile gibt Buono Konzerte mit bekannten Orchestern und regelmäßig Solorezitals. Dass diese aufregende junge Pianistin nach Dorfen zu kommen zusagte, nahmen die Veranstalter des Festivals wohl zum Anlass, die Definition von Saiteninstrumenten auch auf "besaitete Tasteninstrumente" auszudehnen, also auf Klaviermusik.

Weit weniger klassisch ist der Programmpunkt am Samstagabend, 1. Juni. Dann stimmen drei in ihrer mongolischen Heimat ausgebildete Meistersänger den traditionellen Unterton- und Kehlgesang Hömii an, begleitet von den wehmütigen Klängen der Pferdekopfgeige, einem Hackbrett und orientalischen Trommelrhythmen, die zusammen einen tranceartigen und dennoch überraschend eingängigen Schwebezustand höchster musikalischer Lebendigkeit erzeugen - die Band Sedaa ist ein echter Geheimtipp.

Den Abschluss bildet am darauffolgenden Sonntagabend "Classic meets Flamenco" mit Luis Mariano und Florian David. In Form dieses Duo führt die musikalische Weltreise auf der Gitarre schließlich zurück nach Dorfen, denn dort kommt David her. Den international vielfach preisgekrönten Flamenco-Gitarristen Mariano hat er bei einem Musikfestival in dessen Heimatstadt Granada kennengelernt, wo sie bei ihren jeweiligen Soloauftritten aufeinander aufmerksam wurden. Nun spielen sie Kompositionen klassischer Gitarrenmusik aus der Romantik von Albeniz, de Falla und Tarrega, außerdem Flamenco-Stücke, die Mariano selbst komponiert hat. Dazu tritt die in Granada geborene Flamenco-Tänzerin Cristina Aguilera auf - nicht zu verwechseln mit der amerikanischen Popsängerin Christina Aguilera, deren Vorname sich mit einem "h" schreibt.

Initiiert wurde das Saitenfestival im vergangenen Jahr von Birgitt Binder, Veranstaltungsmanagerin im Jakobmayer, und dem Dorfener Gitarristen Daniel Marx. Beginn der Veranstaltungen ist jeweils 20 Uhr, nur das Abschlusskonzert am Sonntag fängt um 19 Uhr an. Tickets gibt's beim Ticket Treff Dorfen oder auf www.jakobmeyer.de.