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Jugendhilfeausschuss:Konstant hohe Fallzahlen

Familienberatungsstelle legt Jahresbericht 2016 vor

Die Zahl der Beratungen der Erziehungs- und Familienberatungsstelle bleibt konstant hoch. 652 Familien haben im Jahr 2016 die Erziehungsberatung in Anspruch genommen, wobei in mehr als 50 Prozent der Fälle das Kind oder die Kinder nicht mehr mit beiden Elternteilen zusammen lebten. Bei annähernd jedem dritten Kind oder Jugendlichen waren die fachlichen Gründe für die Beratung familiäre Konflikte. Vor allem die Trennung oder Scheidung der Eltern spielt eine maßgebliche Rolle. Das geht aus dem Jahresbericht der Beratungsstelle hervor, den die Leiterin, Sabine Wolf, im Jugendhilfeausschuss vorstellte.

Die Initiative zu einer Anmeldung geht in drei Viertel der Fälle von der Mutter aus. Die Gründe, die eine Familie veranlassen, Hilfe in der Beratungsstelle zu suchen, sind sehr unterschiedlich. Neben dem Drittel der Fälle, in denen es um Probleme durch Trennung oder Scheidung geht, spielen auch Suiziddrohungen, sexueller Missbrauch, Essstörungen, Depressionen, Trotzanfälle, Lern- und Leistungsprobleme, Schulverweigerung und Mobbing eine Rolle. Viele Kinder litten unter Ängsten, depressiven Verstimmungen, selbstverletzendem Verhalten, Kontaktproblemen oder zeigten aggressives Verhalten.

Auffällig ist die Altersverteilung nach Geschlecht: Im Alter von unter drei bis acht Jahren sind deutlich mehr Jungen von den Problemen betroffen, von neun bis elf pendeln sich die Fallzahlen ein und danach überwiegen die Mädchen, um die man sich Sorgen machen muss. Bei 182 von 652 Familien, das ist ein Anteil von 27,9 Prozent, hatte zumindest ein Elternteil einen Migrationshintergrund. Die Zahlen zeigen, dass Familien mit Migrationshintergrund das Angebot der Erziehungsberatung gut annehmen.

In 41 Fällen wurden so genannte hochstrittige Elternpaare vom Familiengericht mit einer gerichtlichen Auflage zu einer Beratung verpflichtet. Die Eltern sollen dadurch zu einer außergerichtlichen Einigung im Sinne des Kindswohls kommen. Die Beratung soll dabei helfen, einvernehmliche Absprachen in Bezug auf die Kinder zu treffen und angemessene Lösungen für die Umgangskontakte zu finden.

Die Beratungsstelle ist bemüht, so schnell wie möglich Hilfe zu leisten. In 460 Fällen fand der erste Termin binnen 14 Tagen statt. 111 Familien mussten bis zu einem Monat, 31 bis zu zwei Monate warten. 47 Mal handelte es sich um einen Notfall, die sofort drankamen. Dass die Hilfe wirkt, zeigt die Zahl der Beratungen: Im Jahr 2016 konnten 61 Prozent der Fälle nach ein bis drei Terminen abgeschlossen werden. Lediglich in vier Prozent der Fälle mussten mehr als 20 Gesprächskontakte stattfinden, um eine Lösung zu erzielen.

© SZ vom 21.06.2017 / tdr
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