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Jazz Tage Erding:Von Nujazz bis Beethoven

Das Programm der Jazz Tage ist erfrischend vielversprechend: Mit der wahrscheinlich unbekanntesten bekanntesten Band Deutschlands, einem Klassik-Jazz-Crossover-Projekt der Extraklasse, Traditions-Frühschoppen und Auftritten lokaler Musiker

Von Florian Tempel, Erding

Die Jazz Tage Erding finden statt, das ist in den aktuellen Corona-Zeiten schon ein Meldung für sich. Die wahre Nachricht ist aber natürlich, welche Musiker und Bands von Freitag bis Sonntag, 6. bis 8. November, in die Stadt kommen: Die Stars der Jazz Tage sind 2020 die Heidelberger Nujazz-Formation De-Phazz sowie Kammersänger Thomas Quasthoff, der mit dem Dieter Ilg Trio einen ganz speziellen Beethoven-Abend im Konzertsaal der Kreismusikschule auf die Bühne bringen wird. Der Vorverkauf startet an diesem Donnerstag.

Auch wenn einem der Name der Band nicht viel sagt, die Songs von De-Phazz sind Welthits.

(Foto: Claus Geiss/oh)

Zum Auftakt der Jazz Tage, am Freitag, 6. November, 19.30 Uhr steht gleich auch das erste Highlight auf dem Programm. Die Band De-Phazz steht seit mehr als 20 Jahren für perfekt gestylten Sound. Um die Jahrtausendwende lag die Nujazz-Combo aus Heidelberg voll im Trend mit ihrer elektronisch designten, geschmeidigen Easy-Listening zwischen Pop und Jazz. De-Phazz ist seinem geschmackvollen Rezept, Musik mit starken Stimmen, lässigen Solos, coolen Samples und zeitlos schönen Grooves, treu geblieben. Auch wenn einem der Name der Band nicht viel sagt, die Songs von De-Phazz sind überall bekannt. "The Mambo Craze" ist zu Beispiel ein Welthit, den wirklich jeder kennt. Gründer und Bandleader Pit Baumgartner sieht De-Phazz als "die wahrscheinlich unbekannteste bekannteste Band Deutschlands". Anderswo ist das durchaus anders. In Ost-Europa und Russland sind Baumgartner, die Gesangskünstler Pat Appleton und Karl Frierson und die Musiker Bernd Windisch, Marcus Bartelt, Oli Rubow und Ulf Kleiner als De-Phazz absolute Stars.

Thomas Quasthoff, Sony Classical

Starbariton Thomas Quasthoff gestaltet gemeinsam mit dem Dieter Ilg Trio das Programm "Mein Beethoven".

(Foto: Gregor Hohenberg/Sony Music)

Am Samstagvormittag, 7. November, werden die Jazz Tagen mit einem musikalischen Frühschoppen um 11 Uhr fortgesetzt. In der Kreismusikschule spielt der Erdinger Boogie-Altmeister Peter Heger mit dem Schlagzeuger Edwin Karbaumer und die beiden werden ganz sicher wie immer für beste Stimmung im Saal sorgen. Zur gleichen Zeit gastiert das Romeo Franz Ensemble bei freiem Eintritt im Airbräu am Flughafen München, mit einem Konzert, das den unvergesslichen Hot Jazz à la Django Reinhardt wieder aufleben lässt. In der Erdinger Kreismusikschule wird am Samstagnachmittag um 14.30 Uhr das unverzichtbare "Jazz für Kinder"-Konzert beginnen, in diesem Jahr mit der Combo Nuejazz for Kids aus Nürnberg.

Das Dieter Ilg Trio ist mit einem Beethoven-Programm in Erding zu erleben, Auftritte in Berlin und in Taipeh wurden hingegen abgesagt.

(Foto: Till Brönner/oh)

Am Samstagabend folgt der absolute Höhepunkt der diesjährigen Jazz Tage. Der weltbekannte Bariton Thomas Quasthoff und das Dieter Ilg Trio gestalten den Abend mit dem Programm "Mein Beethoven", das Dieter Ilg seit fünf Jahren weltweit, mal ohne, mal mit Quasthoff präsentiert. Aktuell angesetzte Auftritte in der Deutschen Oper in Berlin oder in Taipeh, der Hauptstadt Taiwans, wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Das Konzert in Erding ist also eine der wenigen aktuellen Gelegenheiten, diese außergewöhnlich musikalische Zusammenarbeit live zu erleben. Quasthoff ist ein vielfach ausgezeichneter Star der klassischen Musik und einer der bemerkenswertesten Sänger seines Fachs. Dieter Ilg wiederum zählt zu den aktuell gefragtesten Bassisten im europäischen Jazz, der sowohl mit eigenen Projekten als auch im Zusammenklang mit anderen Spitzenmusikern überzeugt. Seinem Trio gehören der Pianist Rainer Böhm und der Schlagzeuger Patrice Heral an. Das Konzert "Mein Beethoven" verspricht wunderbaren Kammerjazz, bei dem die Grenzen zwischen musikalischen Epochen und Genres aufgehoben werden.

Den Abschluss der Jazz Tage bildet am Sonntag um 11 Uhr eine Matinee mit Musikern der einheimischen Szene in der Kreismusikschule. In einem Doppelkonzert ist zunächst das Reimo Oberth Quartett zu hören. Der Erdinger Gitarrist spielt zusammen mit den hier gut bekannten Musikern Johannes Rothenaicher an den Tasten, Thomas Bittner am Schlagzeug und dem Bassisten Georg Karger. Im zweiten Set der Matinee spielt dann das Duo Bayrisch Österreichische Feinklang mit der in Erding und Umgebung nicht minder bekannten Akkordeonistin Michaela Bauer und Markus Renhart an der Klarinette.

Vorverkauf ab Donnerstag, 8. Oktober, im Kulturamt im Erdinger Rathaus, zu den üblichen Öffnungszeiten erhältlich. Nur Barzahlung.

© SZ vom 06.10.2020

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