"Im Holzland" Mit Symphatie genähert

BR-Fernsehen zeigt am Montag in seiner Reihe "Bayern erleben" einen Beitrag über den Nordosten des Landkreises Erding

Von Florian Tempel, Erding

Das Holzland ist uraltes altbayerisches Siedlungsland, Hofstarring etwa feierte im vergangenen Jahr seinen 1200. Geburtstag, sprich die erste urkundliche Erwähnung. Die Gegend im Nordosten des Landkreis Erding ist nach wie vor ländlich geprägt. Die Dörfer sind klein, zwischen den zahlreichen Einödhöfen liegen oft einige hundert Meter und doch schaut hinter fast jedem Hügel ein barocker Kirchturm hervor. Vielleicht tritt gerade deshalb dort, wenn alle zwei Minuten eine Maschine im Landeanflug über die Maisäcker donnert, aber auch so "messerscharf der Bruch zwischen Tradition und entfesseltem Wachstum zutage", wie Hans Kratzer 2007 in einem SZ-Essay schrieb. Das Holzland liegt gleichsam abseits und mittendrin, es ist schon immer da und doch weitgehend unbekannt.

Impressionen von den Dreharbeiten: Die sanftgeschwungene Hügellandschaft.

(Foto: Bayerischer Rundfunk)

Das Bayerische Rundfunk hat der auf alle Fälle sehr speziellen Gegend nun einen eigenen Film gewidmet. Michael Zehetmair und Wolfgang Binder zeigen in ihrem 45-Minüter "Im Holzland" 14 kleine Geschichten, die die Gegend und ihre Menschen porträtieren. Ohne Fluglärm. Der Beitrag ist am Montagabend, 14. Januar, in der Sendereihe "Bayern erleben" im BR-Fernsehen um 21 Uhr in seiner Erstausstrahlung zu sehen.

Filmautor Zehetmair ist in Erding geboren und aufgewachsen. Das Holzland kannte er von Radlausflügen in seiner Kindheit und Jugend in den 1970er Jahren. Als BR-Redakteur hat er die Gegend im vergangenen Jahr neu erkundet und sich ihr dabei mit Sympathie genähert. Filme über bayerische Regionen und ihre Menschen sind Zehetmairs Spezialität. In den vergangenen Jahren hat er filmische Erkundungen in Schwaben, Franken und Altbayern gedreht. Die Reportagen, wie es da und dort zugeht, sind beim Fernsehpublikum beliebt. Selbstläufer sind es jedoch nicht, wie Zehetmair vor einige Jahren nach einem Vierteiler über die Oberpfalz erleben musste. Zuschauer und vor allem Lokalpolitiker reagierten damals mit ungeahnt heftiger Kritik, weil ihre schöne Gegend ihrer Ansicht nach nicht mit der gebührenden Begeisterung porträtiert worden war.

Freilufttheater in Inning.

(Foto: Bayerischer Rundfunk)

Im engeren Sinn umfasst das Holzland das Gebiet der vier Gemeinden Hohenpolding, Inning, Kirchberg und Steinkirchen. Andere sehen das Holzland größer, zählen Maria Thalheim, Rappoltskirchen, Eschlbach und Hörgersdorf ebenso dazu wie Teile des Taufkirchener Gemeindegebiets. Es gibt keine eindeutige Festlegung. Und überhaupt: Der Name der Region scheint darauf hinzudeuten, dass das eine waldreiche Gegend sein müsste. Ist es aber gerade nicht. Es gibt paradoxerweise sogar sehr wenig Wald.

Ein ungewöhnliches Verkehrszeichen in Sinzing.

(Foto: Bayerischer Rundfunk)

Von zentralem Interesse ist für Zehetmair die Kultur. Er begleitet die Holzland-Blaskapelle bei einem Festakt in Schröding, zeigt die zahlreichen barocken Kirchen, aber auch den jungen Chor Hohenpolding, Organisten und den Holzland-Pfarrer aus Polen. Es geht nach Diemating, wo Julia Bauer, die im Hauptberuf als Tätowiererin in München arbeitet, eine Hofkapelle frisch und neu bemalt hat. In Inning sind Zehetmair und sein Team bei der Freilichttheateraufführung des "Brandner Kasper" dabei und sie besuchen die Oldtimerfreund Kirchberg. Auch die Kulinarik ist für eine Region prägend, deshalb gibt es Besuche im Landgasthof Forster in Hörgersdorf und im Bergbauern-Café in Weinberg, wo Elfriede Fränzl Schuxn und Hauberlinge bäckt. Es geht um den Apfelpfarrer Korbinian Aigner, die Apfelernte im vergangenen Herbst und wie das Saftpressen in Steinkirchen auch Schulunterricht ist. In einem der 14 Kapitel schaut Zehetmair dann noch weit über den Horizont hinaus und macht Ausflüge in die Landkreise Aichach-Friedberg und Altötting, wo es ebenfalls je ein Holzland gibt.

Traditionspflegein Steinkirchen.

(Foto: Bayerischer Rundfunk)

"Im Holzland", Montag, 14. Januar, 21 Uhr, BR-Fernsehen.