Hochwassergefahr steigt Vorbereitet auf den Ernstfall

Wenn es im Winter taut, herrscht bei den Feuerwehren erhöhte Alarmbereitschaft. Mittlerweilse sind sie aber besser ausgerüstet als 2013.

Von Thomas Daller

Der Landkreis Erding hat Glück gehabt und ist von einem angekündigten Schneechaos weitgehend verschont geblieben. Aber es hat schon etliche Winter gegeben, in denen auf gefrorene Böden und eine hohe Schneelast Tauwetter mit Regenfällen folgten. Dann kam es zum gefürchteten Winterhochwasser. Doch mittlerweile ist der Landkreis darauf vorbereitet, man hat Konsequenzen aus dem starken Hochwasser im Jahr 2013 gezogen. Es stehen mehr leistungsfähige Pumpen bereit und auch Sandsackfüllmaschinen.

Aufgrund der Topografie lässt sich gut vorhersagen, wo solche Hochwasser auftreten könnten. Das Sempt- und Schwillachtal könne gefährlich werden, wenn die Böden gefroren seien und kein Wasser speicherten, sagt Kreisbrandrat Willi Vogl. Auch das Isental war in der Vergangenheit für seine Hochwasser berüchtigt. Denn die Handschultern des Tals liegen bis zu 1,8 Kilometer auseinander, es ist eines der breitesten Täler in Oberbayern und entsprechend viel Wasser oder Schnee kann sich dort sammeln. Bei Hochwasser tritt die Isen in Lengdorf beim Menzinger über die Ufer, in Oberdorfen im Unteren Dorf und gelegentlich auch in Wasentegernbach. Die Stadt Dorfen selbst ist nach den Hochwassermaßnahmen der vergangenen Jahre relativ gut geschützt.

Mächtige Gerätschaften hat die Stadt Erding nach dem Hochwasser von 2013 angeschafft. Diese Pumpe kann 4700 Liter pro Minute bewältigen und gehört mittlerweile zum Equipment der Freiwillige Feuerwehr Erding.

(Foto: Renate Schmidt)

Eine Schwachstelle war noch das Auffangbecken am südlichen Stadtrand, doch dort ist mittlerweile ein Schacht mit einem Pumpenanschluss errichtet worden, der mit einer unterirdischen Rohrleitung verbunden ist. Wenn der Pegel einen kritischen Stand erreicht, wird das Wasser in die Isen abgepumpt. Die Feuerwehr müsse sich darum nicht kümmern, sagt Kreisbrandmeister Rudolf Hohenadel aus Dorfen, das falle in die Zuständigkeit des Bauhofs.

Die Feuerwehren kennen die neuralgischen Stellen bei einem Hochwasser, und wenn der Wetterbericht Böses ahnen lässt, gehen sie auf Kontrollfahrt. Kreisbrandrat Vogl ist dann selbst im Sempt- und Schwillachtal unterwegs, um sich ein Bild der Lage zu machen, die Dorfener und Lengdorfer Feuerwehren lassen die Isen nicht aus den Augen.

Schwellen die Pegel an, können schon mal die ersten Sandsäcke befüllt werden. In Dorfen sind beispielsweise 10 000 Säcke vorrätig, die im Bauhof mit Sand befüllt werden können; zudem an einem überdachten Standort, damit man dabei nicht pritschnass wird. Aber vorher muss feststehen, dass tatsächlich mit einem Hochwasser zu rechnen ist, sagt Hohenadel. Ein paar Tausend Säcke zu füllen, die dann doch nicht gebraucht würden, hebe nicht die Moral der Truppe: "Ausschlaggebend ist der Wetterbericht, man darf nicht die Pferde scheu machen."

Schwellen die Pegel an, können Sandsäcke befüllt werden. In Erding liegen 120000 Stück bereit

(Foto: Renate Schmidt)

Auch in Erding ist man gut auf Hochwasser-Wetterlagen vorbereitet, sagt Kreisbrandrat Vogl. Die Stadt und der Landkreis hätten Konsequenzen aus dem 2013er Hochwasser gezogen und "massiv Geld in die Hand genommen"; so habe allein die Stadt Erding etwa eine Million Euro investiert: Die Stadt Erding habe am ehemaligen Stoiber-Sägewerk ein eigenes Hochwasserlager mit großen Pumpen und zwei Sandsackfüllmaschinen; der Landkreis habe eine weitere angeschafft.

Dennoch werde es nie eine 100-prozentige Sicherheit geben, sagte Vogl. Bei einem Winter mit mehreren Schneefällen, die mangels Tauwetter wochenlang liegen bleiben und im Frühling dann bei Regen schlagartig in die Bäche gewaschen werden, könnte schon eine kritische Situation entstehen. Vor allem, wenn solche Wetterlagen großflächig vorhanden seien; "von Garmisch bis Freising". Dann könne man auch keine personelle Verstärkung aus Nachbarlandkreisen erhalten, weil man dort selbst alle Hände voll zu tun habe. Solche Fälle würden aber nicht mehr die Feuerwehren und Landkreise untereinander koordinieren, dann übernehme die Regierung von Oberbayern die Leitung.

Vogl appellierte an den Eigenschutz: Wer in hochwassergefährdeten Lagen wohne, sollte sich vorsichtshalber eine eigene Pumpe anschaffen.