Grundschulen im Landkreis Erding:Ganz schön knapp

Einschulung in Bardowick

Der erste Schultag ist immer aufregend. Im Schulverband Schröding blieb es bis zuletzt spannnend.

(Foto: Philipp Schulze/dpa)

Die erste Klasse der Grundschule Schröding wird doch geteilt. Die Lehrkraft stammt aus der mobilen Reserve

Von Regina Bluhme, Schröding/Hohenpolding

Jetzt also doch: Der Schulverbund Schröding wird an diesem Dienstag mit zwei ersten Klassen ins neue Schuljahr starten, eine in Schröding, eine in Hohenpolding. Das hat der Erdinger Schulamtsdirektor Robert Leiter am Montag der Presse mitgeteilt. Noch bis vor wenigen Tagen hatte es ganz so ausgesehen, als ob dieses Jahr nur eine Klasse zusammen kommt, denn mit 28 Schulanfängern fehlte genau ein Kind für die Teilungsgrenze. Ein Zuzug hat die Zitterpartie beendet. Das zusätzlich benötigte Lehrpersonal muss aus der inzwischen bereits sehr ausgedünnten mobilen Reserve bestritten werden.

Die drei kleinen Holzlandgemeinden Kirchberg, Hohenpolding und Steinkirchen haben organisatorisch betrachtet eine gemeinsame Grundschule, sie teilen sich einen Rektor und eine Verwaltung. Aber es gibt zwei Schulhäuser. Eines steht in Schröding, das andere in Hohenpolding. In den vergangenen Jahren konnten je eine erste immer relativ kleine Klasse in Schröding und in Hohenpolding gebildet werden. Doch wegen eines Wegzugs waren nur 28 Schulanfänger und -anfängerinnen fürs neue Schuljahr gemeldet. Zwei Klassen darf es aber nur geben, wenn es 29 Kinder sind.

Alfons Beilhack, Bürgermeister der Gemeinde Hohenpolding und Vorsitzender des Schulverbandes Schröding, hatte sich wie auch mehrere Eltern zuvor für eine Ausnahmelösung stark gemacht. Gerade in den ersten Klassen seien kleine Gruppen, unabhängig von Corona-Ansteckungsgefahr, wünschenswert, so Beilhack. Auch der Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) hatte sich ins Zeug gelegt und an Kultusminister Michael Piazolo (FW) geschrieben. Er setze sich für die Teilung der ersten Klasse ein und "verstehe nicht, warum in diesem besonderen Fall keine Ausnahmeregelung gemacht werden kann".

Die Antwort des bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus kam bald darauf. Es werde keine Ausnahme geben, hieß es dort Mitte August. "Im Sinne einer bayernweiten gleichwertigen Versorgung mit Lehrpersonal ist eine Abweichung von den geltenden Regelungen im Einzelfall nicht zielführend. Einzelfallentscheidungen würden auch zu einer Benachteiligung anderer Standorte führen", so Pressesprecher Daniel Otto. Von diesem Zeitpunkt an konnten Schüler und deren Eltern nur noch hoffen, dass sich das 29. Kind noch findet, das eines der beiden Schulhäuser besuchen möchte. So ist es tatsächlich gekommen.

Erst vor wenigen Tagen habe er die Nachricht erhalten, erklärt Schulleiter Gerhard Ebentheuer auf Nachfrage der SZ. Sofort seien die Eltern informiert worden, und aus Gesprächen mit ihnen habe er "die Erleichterung herausgehört". Für die Kinder aus Hohenpolding sei die Aufteilung zudem von Vorteil, weil sie jetzt zu Fuß zum Schulhaus gehen können und nicht mit dem Bus sechs Kilometer nach Schröding fahren müssen. "Natürlich bin ich froh", sagt Ebentheuer, wobei er durchaus sehe, dass die Teilung zu Lasten des allgemeinen Lehrerstundenpools gehe.

Die Freude über die geglückte Teilung dürfte sich im Schulamt in Grenzen halten. Jetzt muss eine weitere Klassleitung gestellt werden. Angesichts des ohnehin äußerst dünnen Personaldecke keine leichte Aufgabe. Um alle Klassen versorgen zu können, muss bereits am Schuljahresanfang auf einen Großteil der mobilen Reserve zurückgegriffen werden.

Für die Unterrichtsversorgung der 41 Grund- und Mittelschulen im Landkreis stehe dem Schulamt ein bestimmtes Budget zur Verfügung, das sich im Wesentlichen aus den Gesamtschülerzahlen aller Grund- beziehungsweise Mittelschulen errechne, schreibt Schulamtsdirektor Robert Leiter auf Nachfrage. Daneben gebe es noch einige Sonderbudgets, zum Beispiel für den gebunden Ganztag oder die Sprachförderung für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund.

Aus dem Gesamtbudget müssen die Klassen versorgt werden und die mobile Reserve gebildet werden. Da es noch "einen sehr kleinen Überhang" in der mobilen Reserve gegeben habe, "konnten wird die Lehrkraft für die zusätzliche Klasse daraus entnehmen", schreibt der Erdinger Schulamtsdirektor.

© SZ vom 14.09.2021
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