Gewerkschaft NGG:Kritik an Lohnunterschied

Frauen verdienen im Landkreis elf Prozent weniger als Männer

Sie haben genauso lange Arbeitszeiten, sind beim Einkommen aber klar im Nachteil: Im Landkreis Erding verdienen Frauen, die eine Vollzeitstelle haben, aktuell rund 360 Euro und damit elf Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Darauf macht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufmerksam. Die NGG beruft sich dabei auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach liegt der durchschnittliche Verdienst von Beschäftigten mit voller Stundenzahl im Kreis Erding derzeit bei 3098 Euro im Monat. Während Männer durchschnittlich 3215 Euro verdienen, kommen Frauen auf lediglich 2851 Euro im Monat.

"Die Zahlen zeigen, dass es bis zu einer echten Lohngerechtigkeit noch ein weiter Weg ist. Im Verkauf einer Bäckerei oder an der Rezeption eines Hotels - also bei Tätigkeiten, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden - sind die Einkommensunterschiede besonders groß", sagt Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG-Region Rosenheim-Oberbayern. Das habe auch damit zu tun, dass sich Fleischereien, Bäckereien, Hotels und Gaststätten häufig nicht an Tarifverträge hielten - und viele Frauen in niedrigeren Positionen mit geringeren Löhnen abspeisten. Hinzu komme, dass Frauen überdurchschnittlich oft in Teilzeit- und Minijobs arbeiteten. "Solche Stellen erschweren nicht nur den beruflichen Aufstieg, sie sind meistens auch deutlich schlechter bezahlt als Vollzeitarbeitsplätze. Deshalb dürfte der tatsächliche Gender-Pay-Gap, also die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern, im Kreis Erding deutlich über elf Prozent liegen", sagt Schneider.

Die NGG fordert einen verbindlichen Anspruch auf gleiches Geld für gleiche Arbeit und eine strukturelle Reform der Minijobs. Außerdem solle das Ehegattensplitting abgeschafft werden. "Das aktuelle Steuersystem führt dazu, dass in vielen Partnerschaften das Modell des männlichen Hauptverdieners bestehen bleibt. Wegen hoher Abzüge in der Steuerklasse 5 arbeiten Frauen oft nur wenige Wochenstunden. Im Fall einer Trennung stehen sie dann aber vor enormen finanziellen Schwierigkeiten", sagt Schneider. Nach einer RWI-Studie könnte die Aufhebung des Ehegattensplittings bis zu 500 000 zusätzliche Vollzeitstellen schaffen - vor allem für Frauen.

© SZ vom 27.07.2021 / SZ
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