Garteln im Landkreis Blühende Fantasie

Blechdosen statt Blumentopf: Eine Idee von der Landesgartenschau 2016 in Bayreuth. Der Fantasie sind bei diesem Fotowettbewerb keine Grenzen gesetzt.

(Foto: Privat)

Tomatenstauden in Gummistiefeln oder Zucchiniblüten in der Schöpfkelle: Für einen Fotowettbewerb suchen der Kreisverband für Gartenbau und der Kreisfachberater ungewöhnliche gärtnerische Ideen

Von Regina Bluhme, Landkreis

"Garteln ohne Grenzen" - unter diesem Motto steht dieses Jahr ein ungewöhnlicher Fotowettbewerb, ausgelobt vom Kreisverband für Gartenbau und der Kreisfachberatung im Landratsamt. Es geht darum, Obst, Kräuter oder Gemüse auf kleinstem Raum und mit viel Fantasie anzupflanzen und abzulichten. Petunien und Tomaten lassen sich schließlich auch in Gummistiefeln, in ausrangierten Kochtöpfen, Plastikboxen oder Blechdosen anbauen. Mitmachen kann jeder, mit oder ohne Garten. Einzige Voraussetzung: eine ausgefallene Idee.

Der Pflanzwettbewerb fällt für Kreisfachberater Michael Klinger durchaus unter die Rubrik "Urban Gardening". Dieser Trend, den er mit "Städtisches Gärtnern" übersetzt, habe mittlerweile auch die ländlichen Regionen erreicht. Im Speckgürtel von München zögen viele Städter raus aufs Land. "Sie bringen oft ihre gärtnerischen Ideen aus dem städtischen Bereich mit zu uns", so Klinger. Und deren Devise laute, "auf kleinstem Raum Zier- und Nutzgarten zu kombinieren und gleichzeitig einen Erholungsraum zu schaffen."

Ganz allgemein sei zu beobachten, dass auch im Landkreis vor allem junge Familien wieder Wert auf eigenen Gemüseanbau legten - meist platzsparend in Hochbeeten oder in Pflanzgefäßen auf der Terrasse oder Balkon. In Erding wird aus "Urban Gardening" jetzt "Garteln ohne Grenzen". Der traditionelle Blumentopf muss es nicht mehr sein. Klinger kennt Hochbeete, die aus roten Bäckerkisten bestehen. Brigitte Murla, Vorstand des Kreisverbands Erding für Gartenbau, wiederum berichtet von Zucchiniblüten, die in Schöpfkellen gedeihen, Tomatenstauden in Gummistiefeln und von bepflanzten ehemaligen Kuhtränken. Der Fantasie der Wettbewerbsteilnehmer sei keine Grenze gesetzt. "Alles ist möglich", betont Murla, die den Titel "Crazy Gardening" auch ganz passend für den Fotowettbewerb fände. Ein wenig verrückt ist auch, dass zum einen immer junge Familien Wert auf selbst gezogenes Gemüse legen, zum anderen der Blick in Neubaugebiete zeige, "dass in vermeintlich durchgestylten Gärten kein Platz für Grün ist", so Klinger. "Bedauerlicherweise ist der Kies- beziehungsweise Schottergartentrend im Landkreis Erding angekommen."

Diese Entwicklung bereitet auch der Landschaftsgärtnerin Brigitte Murla Sorgen. "Bei uns ist vieles schon recht zubetoniert." Die Gärten würden immer kleiner und wer einen Garten besitze, der wolle auch nicht zu viel Arbeit damit haben. Sie habe schon aus einigen Gärten alte Obstbäume entfernt, weil sich die Besitzer an den Blätterhaufen störten. Hier fehle es an Information, "dass es mittlerweile auch schwachwüchsige Obstbäume gibt und kleinkronige Bäume einen Garten erst lebenswert machen", fügt Michael Klinger an.

Brigitte Murla hofft, dass sich in Folge des Wettbewerbs der eine oder andere Teilnehmer entschließt, einem Gartenbauverein beizutreten. Derzeit stehe der Kreisverband mit rund 6000 Mitgliedern in 37 Vereinen gut da, sagt Murla. Die Altersstruktur bereitet ihr jedoch Sorgen. "Wir haben viele Kindergruppen, aber die Eltern kommen nicht zu uns." Ein paar Neuzugänge könnten die Vereine gut gebrauchen.

Laut Michael Klinger soll mit dem Fotowettbewerb auch eine Art Bestandsaufnahme der "Urban Gardening"-Projekte im Landkreis erfolgen. "Was früher Krautgärten außerhalb der Stadt waren, könnte heute durch Urban Gardening-Projekte abgelöst werden." Ein gutes Beispiel dafür sei die Gemeinschaftsgartenanlage am Gersthof in Erding. Hier werden Parzellen von April bis Oktober an Gartler verpachtet. Aufgrund der Nachfrage werde die zur Verfügung gestellte Fläche um zehn bis 20 Prozent erweitert, sagte Klinger. Im Übrigen stehe das Gartenbauseminar des Kreisverbands für Gartenbau heuer im Herbst unter dem Motto "Urbanes Gärtnern".

Seine Aufgabe sieht Kreisfachberater Klinger hauptsächlich darin, junge Gartenbesitzer aufzuklären, "dass auch Kiesgärten verunkrauten und mit Arbeit verbunden sind und sich in jedem auch noch so kleinen Garten ein Platz für ein kleinkroniges Bäumchen findet". Mehr Informationen dazu gibt es demnächst beim Vortrag "Kleine Bäume für kleine Gärten" am Montag, 3. April, 19.30 Uhr, im Gasthof Wagnerwirt in Taufkirchen.

Wer mitmachen will beim Fotowettbewerb "Individuell - Unkonventionell - Garteln ohne Grenzen" kann bis zu drei Bilder (mit Titel und Beschreibung) an gartenbau@lra-ed.de schicken oder per Post ans Landratsamt Erding, Kreisfachberatung Alois-Schießl-Platz 2, 85435 Erding. Einsendeschluss ist Donnerstag, 31. August. Eine Musterbewerbung ist auf der Homepage des Kreisverbands für Gartenbau unter www.kgl-erding.de zu finden.