Fraunberg:Funkfeuer der Zuversicht

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Fraunberg: Auf drei Seiten, in 15 Metern Höhe, gut sichtbar von der Straße aus, sollen Panele positive Botschaften übermitteln.

Auf drei Seiten, in 15 Metern Höhe, gut sichtbar von der Straße aus, sollen Panele positive Botschaften übermitteln.

(Foto: Grafik: Anna Gmelin (oh))

Sebastian Haindl plant neben seiner Zimmerei eine Kunstinstallation, die zur Gesprächskultur beitragen soll

Von Thomas Daller, Fraunberg

In Grucking soll ein Funkfeuer errichtet werden. Klingt widersinnig, nachdem der benachbarte Fliegerhorst längst nicht mehr in Betrieb ist. Aber es handelt sich dabei auch nicht um eine Navigationsanlage für den militärischen Betrieb, sondern um ein Kunstobjekt. Dahinter steckt der Bauunternehmer und Zimmerermeister Sebastian Haindl, der einen Büroturm auf seinem Firmengelände errichten will und der mit LED-Panels ausgestattet werden soll. Diese Panels sollen Botschaften vermitteln, aufmunternde, künstlerische, empathische, kritische, nachdenkliche, was auch immer sich anbietet oder vorgeschlagen wird. Ein ungewöhnlicher Ansatz, den man eher in einer größeren Stadt verorten würde, aber nicht in Grucking. Doch gerade das hat für Haindl seinen Reiz, auch wenn manche Bekannte oder Verwandte ihm vorwerfen, das sei eine "g'spinnerte Idee". Anderen gefällt es, so hat er mit seinem Antrag auf Kunstförderung durch den Freistaat schon ein paar Hürden genommen. Am Montag, 15. März, wurde der Zuschussantrag aber im Ausschuss für Bildung und Kultur des Landkreises zunächst von der Tagesordnung genommen, weil Unterlagen nachgereicht werden sollen.

Der erfolgreiche Unternehmer ist ein Mann mit Prinzipien: Er war Kreisrat, als er 2011 zusammen mit Herbert Knur aus der CSU ausgetreten ist, weil er die halsstarrige Haltung der Staatsregierung zum Bau der dritten Startbahn nicht mehr mitverantworten wollte.

Die Geschichte des "f3 Funkfeuer Fraunberg" begann mit Haindls Auftrag an Anna Gmelin, neue Büroflächen auf dem beengten Firmengelände zu planen. Die Architektin schlug einen bunt schillernden Holzturm vor und, quasi als Dreingabe, eben jenes Kunstprojekt. Mitten in der Corona-Krise, in dieser bedrückenden Situation, sollte ein positives Zeichen gesetzt werden, zuerst nur mit einer farbig-fröhlichen Fassade, aber dann kam Gmelin der Einfall mit den Panelen. "Liebe ist mutig" schrieb sie als erste Botschaft an den Turm. Auf drei Seiten, in 15 Metern Höhe, gut sichtbar von der Straße aus, aber auch so gedimmt, dass man den Nachbarn nicht ins Schlafzimmer leuchtet. Die Panele sollten positive Botschaften übermitteln, mit Niveau. Mit einer Homepage, auf der jeder Vorschläge einreichen könne und einer Jury, die darüber entscheide. Gmelin erklärte sich bereit, in dieser Jury mitzuwirken. Neben Haindl ist auch der Fraunberger Bürgermeister Hans Wiesmaier mit dabei, und mit zwei Künstlern ist der Zimmerermeister bereits im Gespräch.

Die Panele sollen nicht im Dauerbetrieb leuchten, sondern nur anlassbezogen. Die Fertigstellung und Einweihung des Turms ist für Anfang Advent dieses Jahres geplant, dann soll eine Aussage leuchten, die zum Advent passt. Auch der Frühlingsanfang wäre ein Anlass, sagte Haindl. Und bauen will er seinen Funkfeuer-Büroturm auf jeden Fall, egal, ob er dafür Zuschüsse vom Freistaat oder vom Landkreis bekommt.

Denn je länger er sich mit dem Projekt befasst habe, umso mehr sei es ihm ans Herz gewachsen. Und er bestreite auch gar nicht, dass dabei vielleicht auch eine Midlife-Stimmung eine Rolle spiele: "Ich bin letztes Jahr 50 geworden und habe mir dann gedacht, ich will mal mehr hinterlassen, als einen gut geführten Betrieb." Bislang seien die Reaktionen darauf durchwachsen. Bei einer probeweisen Installation mit einer Scherenbühne sei ein großer Teil seiner Mitarbeiter von der Idee angetan gewesen, aber manche seien auch der Meinung, dass der "Chef jetzt komplett spinnt". Zufällig vorbeikommende Passanten hätten die Idee ebenfalls gut gefunden, aber manche Verwandte hätten ihn gewarnt, dass er damit im Dorf seinen und den Ruf seiner Familie aufs Spiel setze.

Sebastian Haindl betont hingegen, das Funkfeuer "fördert nicht nur die Gesprächskultur, sondern auch Künstler als solche, die sich dort äußern werden dürfen, insbesondere in Zeiten, in denen die Kunst durch die Pandemie wie gelähmt ist. Das Projekt hebt die Kunst zudem vom elitären Altar der akademischen Arroganz herunter und macht sie ein Stück weit demokratischer, sucht Annäherung, so, wie einst die Museen für den normalen Bürger geöffnet wurden. Ja, das ,Funkfeuer Fraunberg' ist ein Stück sozialer Kunst, aber auch ein großes Stück gelebter Liebe zu Bayern."

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung konnte der Eindruck entstehen, das Kunstprojekt sei die Idee Sebastian Haindls. Nach übereinstimmender Darstellung von Auftraggeber Haindl wie auch der Architektin Anna Gmelin stammt die Idee zum "f3 Funkfeuer Fraunberg" von Gmelin. Das wurde im Text verdeutlicht.

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