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Flughafen:Die Folgen des Wachstums

Soll die Region wirklich immer weiter wachsen oder ist man nicht schon lange an einer Grenze angelangt?

Von Gerhard Wilhelm

Die IHK legt eine Studie über die Notwendigkeit einer dritten Startbahn vor und die Landkreise Freising und Erding, die Flughafen München GmbH und das Finanzministerium geben ein Strukturgutachten in Auftrag, wie sich die Region um den Airport bis 2030 entwickeln wird - einmal mit und einmal ohne weitere Startbahn.

Dass die Studie der Industrie- und Handelskammer davon ausgeht, dass die Region nur mit einer dritten Startbahn auch in Zukunft prosperiert - wen wundert das? Dass Flughafen und Wirtschaft eng miteinander verwoben sind, ist offensichtlich. Man braucht sich nur in den Gewerbegebieten in einem Umkreis von 20 bis 30 Kilometer umsehen. Dass der Großraum München von dem Airport wirtschaftlich profitiert hat, ist nicht zu leugnen. Wie eng die Welt mittlerweile zusammengerückt ist, sieht man überall deutlich. Internationale Firmen haben Ableger in und um München. Der Schluss der Wirtschaft, die auf ein stetiges Wachstum gepolt ist, muss deshalb lauten: Wir brauchen eine dritte Startbahn. Dafür hätte man aber kein teures Gutachten gebraucht.

Das Strukturgutachten hat einen anderen Ansatz: Was wäre, wenn die dritte Bahn kommt, und damit auch das erhoffte weitere wirtschaftliche Wachstum, und was passiert, wenn es keine gibt? Wobei grundsätzlich nicht die Frage der Notwendigkeit gestellt wird. Gegner argumentieren eh damit, dass dank größerer Flugzeuge und besserer Auslastung ein Wachstum auch ohne Ausbau entstehen kann. Das Gutachten soll sich auf die Folgen konzentrieren. Folgen, die Bürger und Kommunen direkt spüren werden - in positiver und negativer Hinsicht. Der Arbeitsmarkt ist zum Beispiel einer der stabilsten in Deutschland, gleichzeitig sind die Mieten und die Grundstückpreise die höchsten. Der seit Jahren anhaltende Bevölkerungszuwachs lässt die Kommunen nicht nachkommen mit dem Aufbau der notwendigen Infrastruktur. Es fehlen Wohnungen, Kindergärten, Schulen. Der Verkehr auf den Straßen ist oft nahe am Kollaps. Und der Boom spaltet die Kommunen in zwei Lager: diejenigen, die dank sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen im Geld schwimmen und diejenigen, die zwar die Lasten tragen müssen, aber es finanziell nicht schaffen.

Im Endeffekt läuft es auf die eine Frage hinaus: Will man wirklich immer weiter wachsen oder ist man nicht schon lange an einer Grenze angelangt, bei der man letztlich nur verlieren kann. Muss Wachstum um wirklich jeden Preis sein? Oder gibt es einen Mittelweg?

© SZ vom 15.04.2015
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