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Fliegerhorst Erding:Es warten komplexe Verhandlungen

Für den Erstzugriff auf das Areal muss die Stadt schriftlich Kaufwillen und Konzept vorlegen. Damit es mit dem Erwerb auch klappt, soll ein externes Büro die Verwaltung unterstützen

Von Regina Bluhme, Erding

Die Große Kreisstadt hat Großes vor am Fliegerhorst Erding. Noch aber gehört das Areal dem Bund. Um das Erstzugriffsrecht auf ihrer Flur nutzen zu können, benötigt die Stadt für die Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) eine sogenannte Zweckerklärung, in der sie explizit Kaufinteresse sowie Bedarf und Nutzungsziele bekundet. Laut Vorschlag der Verwaltung soll ein externes Beratungsbüro die Stadt im weiteren Verfahren unterstützen. Vom Stadtentwicklungsausschuss gab es dafür am Dienstag einstimmig grünes Licht. Inzwischen steht der Sieger des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbs für das Gelände fest: Hähnig Gemmeke Architekten aus Tübingen haben das Rennen gemacht, wie Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) verkündete. Ab Montag, 26. Juli, sind alle Entwürfe im Sportpark Schollbach öffentlich ausgestellt.

Noch prüft der Bund, ob er nicht doch die Start- und Landebahn für eigene Zwecke behalten soll. Die Stadt hat dort aber was anderes vor.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Beschluss zum Kauf des Areals auf Erdinger Flur, es handelt sich um rund 351 Hektar, ist laut Max Gotz in dieser Dimension "historisch" - und der Erwerb ist keineswegs in trockenen Tüchern. Wie Christian Famira-Parcsetich von der Stadtentwicklung die Ausschussmitglieder informierte, prüft der Bund nach wie vor seinen möglichen Eigenbedarf an den Flächen, konkret im Bereich der Start- und Landebahn. "Wir wollen aber die gesamte Fläche erwerben und nicht gestückelt", sagte Famira-Parcsetich. Das werde man auch "in aller Deutlichkeit und Anstrengung" erklären, betonte OB Gotz. Und so bekundet die Stadt in der Zweckerklärung gegenüber der Bima ihr Kaufinteresse explizit an der Gesamtfläche auf Erdinger Flur.

Blick auf den Tower am Fliegerhorst, umgeben von viel Grün. Die Stadt würde auf ihrer Flur gern Naherholungsflächen und Wohnraum schaffen.

(Foto: Renate Schmidt)

Zudem wird in der Zweckerklärung auf Erdinger Bedarf verwiesen: Wohnraum, Naherholung und Wirtschaftsförderung werden als Nutzungsziele genannt. OB Gotz sah in der Erklärung ein "klares Signal in Richtung Bima", was Kaufinteresse, Grundstücksflächen und Ziele betreffe. Der Erdinger Oberbürgermeister verwies aber auch darauf, dass künftig von der Stadt "viel Manpower und Knowhow" abverlangt werde. Vor dem Erwerb müssten zahlreiche Untersuchungen und Gutachten durchgeführt werden, was zum Beispiel Altlasten oder Kampfmittel betreffe - ein Arbeitsaufwand, den die Verwaltung alleine nicht stemme könne, so Gotz. Es warten "komplexe Erwerbsverhandlungen", pflichtete ihm Famira-Parcsetich bei. Deshalb will sich die Stadt auf die Suche begeben nach einem entsprechend spezialisierten und erfahrenen Büro. Dessen Hintergrundwissen könnte in den Verhandlungen der kommenden Jahre mit der Bima von Vorteil sein, hofft die Stadt. Grundsätzlich ist ein externes Büro auch förderfähig und zwar im Rahmen des Sonderprogramms Militärkonversion. Insgesamt 400 000 Euro wurden dafür im Haushalt für die kommenden Jahre angesetzt. Nach der einstimmigen Empfehlung des Stadtentwicklungsausschusses erfolgt am heutigen Donnerstag im Stadtrat der entsprechende Beschluss.

Hans-Peter Fehr, Bima-Abteilungsleiter im Verkauf für Südbayern, bestätigt der SZ, dass der Bund weiterhin am Prüfen sei. Was den Kauf betrifft, so werde auf der Basis des Nutzungskonzepts der Preis nach den offiziellen Verkehrswerten ermittelt, sagte Fehr. Nun wartet die Bima auf Post aus Erding. Fehr geht davon aus, dass er nicht lange warten muss. Die Bima stehe regelmäßig mit der Stadt in Kontakt.

Auch ohne Kaufvertrag besitzt die Stadt Planungshoheit über das Areal - und hat für eine Fläche von 190 Hektar einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb ausgelobt. Die Bewerbungen kamen aus ganz Deutschland, aus Paris und Wien. Der erste Preis ging nach zweitägiger Beratung an das Büro Hähnig Gemmeke Architekten aus Tübingen. Alle zehn begutachteten Entwürfe sind von 26. Juli bis 13. August in der Tennishalle des Sportparks Schollbach ausgestellt, täglich von 13 bis 17 Uhr, außer Montag und Samstag. Die Ausstellungseröffnung findet am Montag, 26. Juli, um 18 Uhr statt. Laut Pressestelle der Stadt erläutert Oberbürgermeister Gotz Wettbewerb und Ergebnisse am Sonntag, 1. August, um 15 Uhr für Seniorinnen und Senioren und am Mittwoch, 4. August, um 18 Uhr für Berufstätige. An allen anderen Tagen erläutern Mitarbeiter der Stadtverwaltung oder mit dem Thema befasste Studierende die Entwürfe. Es gelten die üblichen Corona-Schutzmaßnahmen und Hygiene-Vorschriften.

© SZ vom 22.07.2021
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