Feuerwehrmuseum Bayern Auf der Suche nach einer neuen Heimat

Die Betreiber des Museums wollen in den Landkreis Erding ziehen, um dort von den hohen Tourismuszahlen zu profitieren. Derzeit werden rund 100 Fahrzeuge und 500 Exponate gezeigt. Ausgebaut werden soll die Interaktivität. Am derzeitigen Standort Waldkraiburg sehen sie keine langfristige Bestandsperspektive

Von Gerhard Wilhelm, Erding/Waldkraiburg

Noch sitzt das Feuerwehrmuseum Bayern in Waldkraiburg. Doch das könnte sich bald ändern, denn der Verein, der das Museum betreibt, sucht eine neue Heimat, die ihm längerfristig Planungssicherheit und eine Zukunftsperspektive bietet. Am liebsten würde man in den Landkreis Erding ziehen, weil dort einerseits die Nähe zur München gegeben ist, andererseits der Tourismus boomt. Man hofft, vor allem vom Besuchermagnet Therme Erding zu profitieren, da das Zielpublikum - Familien mit Kindern - ähnlich sei, wie der Vorsitzende des Vereins, Alexander Süsse, sagt. Die Suche nach einem Standort für das Museum läuft bereits. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) hat alle Gemeinden in einem Brief gebeten, das Thema auf die Tagesordnungen zu setzen.

Gegründet wurde das Museum 2012 durch eine private Initiative in Waldkraiburg. 2015 rettete der Verein "Feuerwehrmuseum Bayern" das Museum vor der Zerschlagung, das nach Auskunft von Süsse, das "größte Museum seiner Art in Europa" ist. Derzeit umfasst die Ausstellung in Waldkraiburg auf einer Fläche von 4500 Quadratmeter Fläche etwa 100 Fahrzeuge, von Oldtimern aus dem 19. Jahrhundert bis zu modernen Einsatzwagen, dazu kommen etwa 5000 Exponate rund um das Thema Feuerwehr aus zwei Jahrhunderten - "alle mit viel Herzblut und Engagement von begeisterten Sammlern zusammengetragen". Derzeit hat der Verein 85 Mitglieder. Eine große Blaulicht-Sammlung, ein Sondersignalfahrt-Simulator und eine Modellbauabteilung runden das Angebot ab.

Doch am Standort Waldkraiburg hat das Museum mit einigen Problemen zu kämpfen, wie Süsse sagt. Die Bausubstanz der Gewerbehalle sei nach knapp 40 Jahre ohne Wartung marode, das Dach undicht, zudem gebe es keine richtige Heizung und die Mietbelastung sei für den Vereins sehr hoch. Für die derzeit jährlich rund 5000 Besucher - das Museum kann nur außerhalb der Wintersaison wegen der fehlenden ausreichenden Heizung öffnen - zeige sich das Museum in einem "Baumarkt-Charme".

"Leider haben wir in Waldkraiburg nur eine schlechte langfristige Bestandsperspektive, die uns dazu zwingt, sich einen alternativen Standort zu suchen", sagt Süsse. Die Wahl fiel auf den Landkreis Erding. Zum einen, weil Erding viel näher an München liege, und das Museum damit auch im Einzugsbereich für einen Familienausflug oder Klassenfahrten aus der Landeshauptstadt liege, sagt der Vereinsvorsitzende. Am besten sei ein Standort in S-Bahn-Nähe. Zudem sei Erding vor allem wegen der Therme, die jährlich von 1,76 Millionen Menschen besucht werde, ein boomender Tourmusstandort. Und auch der Flughafen sei in der Nähe. Alexander Süsse hofft, dass das Feuerwehrmuseum davon profitieren kann: "In die Therme gehen ja auch viele Familien mit Kindern, ein Abstecher ins Museum ist durchaus denkbar." Die Zahl der Besucher lasse sich in Erding durchaus verdoppeln, hofft er.

Das Museum sieht sich nicht nur als reiner Ausstellungsraum, sondern will mehr sein. Die Feuerlöschtechnik soll man "hautnah erleben und anfassen" können. Bereits jetzt gebe es ein virtuelles Löschtraining oder man könne Schlauchleitungen verlegen. Angedacht sei auch ein Rettungsgassensimulator, in dem die Besucher der Fahrer eines Einsatzwagens sind und ihnen aufgezeigt wird, wie wichtig Rettungsgassen bei Unfällen sind. Möglich sind in Waldkraiburg derzeit auch schon Familienfeste und Firmenfeiern im historischen Ambiente, sowie Schulungen und Veranstaltungen nach dem Motto "Kultur im Museum".

Der Verein kann sich am Standort Erding aber noch viel mehr vorstellen. Vor allem im Bereich Brandschutzerziehung und Ausbildungsergänzung in Zusammenarbeit mit den örtlichen Kindergärten und Schulen sowie den Freiwilligen Feuerwehren. "Ein Standort in Erding würde uns viele Optionen öffnen", sagt der Vorsitzende Süsse.

Um alle Pläne verwirklichen zu können, benötigt der Verein neben einem Standort auch ein passendes Gebäude. "Ideal wäre ein Grundstück mit 5000 bis 10 000 Quadratmeter", sagt Süsse. Er selber wisse derzeit von keinem Grundstück im Raum Erding mit vorhandenem Gebäude, das die Anforderungen erfülle. "Mit einem Neubau könnten wir alle Bedürfnisse abdecken." Der Verein selber könne zwar die erforderlichen Mittel nicht stemmen. Es gebe jedoch Firmen und Organisatoren, die als Investoren einspringen würden. Este Gespräche habe es schon gegeben, sagt der Vorsitzende der Museumsvereins. Sogar an eine Stiftung habe man gedacht und an Zuschüsse der öffentlichen Hand. "Es gibt ein breites Spektrum an Interessenten", sagt Süsse.

Alexander Süsse, Vorsitzender des Museumsvereins

"In die Therme gehen ja auch viele Familien mit Kindern, ein Abstecher ins Museum ist durchaus denkbar."

Mehr Besucher würden den Feuerwehrmuseumsverein auch auf solidere finanzielle Füße stellen. Derzeit finanziert es sich zur Hälfte aus Eintrittsgeldern - bei Preisen momentan zwischen drei und neun Euro, Kinder bis fünf Jahre sind frei - 25 Prozent bezuschusst die Landeshauptstadt München und das restliche Viertel übernehmen Sponsoren wie der Flughafen München (FMG), die Bayerische Versicherungskammer und die Firma Haix, ein weltweit führender Hersteller von Funktionsschuhen für Feuerwehren.

Klaus Heimlich, Pressesprecher der Branddirektion der Stadt München, begrüßt es, wenn das Museum näher an die Landeshauptstadt rücken würde: "So ein Museum - das in Waldkraiburg ist meines Wissen nach schon im Umfang einmalig - könnte der Bevölkerung und vor allem Kindern und Jugendlichen gut näher bringen, was Feuerwehrwesen heute bedeutet. Das wäre auch für die lokalen Freiwilligen Feuerwehren gut - zumal wenn es nicht nur eine trockene Ausstellung ist, sondern zum Mitmachen einlädt". Ein paar der Exponate in Waldkraiburg wurden von der Münchner Feuerwehr spendiert.

Auch der Flughafen München würde eine Ansiedlung näher zum Airport begrüßen: "Das Museum hat sich mit Exponaten schon öfters bei Ausstellungen am Flughafen beteiligt", sagt Pressesprecher Ingo Anspach. "Wir unterstützen es, weil es eine schöne private Initiative ist, die einen guten Einblick in das Feuerwehrwesen gibt."