"Extremer Standort" Schlechte Aussichten für Lindenallee

Ein aggressiver Pilz zersetzt in dem Naturdenkmal die Stämme von innen. Noch in diesem Herbst werden weitere Bäume gefällt. Für Nachpflanzungen bräuchte man Grund, der nicht zur Verfügung steht

Von Thomas Daller, Landkreis

Sie ist sechs Kilometer lang, besteht derzeit aus 249 Bäumen und ist seit 1983 per Verordnung des Landratsamtes als Naturdenkmal geschützt: die Lindenallee an der ED 2 zwischen Wartenberg und Kirchberg. Bei der Zahl der Bäume liegt die Betonung auf "derzeit": Zwölf Bäume hat das Staatliche Bauamt Freising bereits gefällt, 34 weitere sollen in diesem Herbst noch folgen. Bei einer Präsentation im Ausschuss für Struktur, Verkehr und Umwelt haben Vertreter des Straßenbauamts erklärt, warum die Bäume nicht mehr zu retten seien und warum Nachpflanzungen ohne zusätzlichen Grunderwerb als aussichtslos gelten.

Linden können mehrere hundert Jahre alt werden. Die Allee im Norden des Landkreises ist aber lediglich 110 Jahre alt. Dennoch ist etwa ein Fünftel im Stamm schon so morsch, dass die Gefahr besteht, sie könnten bei einem schweren Unwetter auf die Straße stürzen. Nach Angaben des Straßenbauamtes spielen dabei zwei Hauptfaktoren eine Rolle, die dieses frühe Absterben beschleunigen: Wenn die Linden durch einen "Anfahrtssschaden" verletzt werden, beispielsweise durch einen Blechschaden eines Autos oder Kontakt mit einem Schneepflug, geht Rinde verloren. Und im Falle der Lindenallee kommt hinzu, dass dann der Brandkrustenpilz, der sehr aggressiv und schnell wächst, den Baum an dieser Stelle angreift und von innen heraus zersetzt. "Der Baum wirkt von außen noch vital", sagte Christian Schweiger, der beim Staatlichen Bauamt für das Sachgebiet Naturschutz und Landschaftsplanung zuständig ist. Aber im Stamm bilde der Pilz Höhlungen aus, die meist nur eine geringe Restwandstärke übrig ließen.

Die Lindenallee bei Kirchberg: Vor 110 Jahren wurden die Bäume gepflanzt. Mit dem Ausbau zu einer Straße blieb nicht mehr viel Platz zwischen Äckern und Asphalt

(Foto: Renate Schmidt)

Dennoch habe das Staatliche Bauamt im Frühjahr nicht alle betroffenen Bäume gefällt, weil bei 14 nicht auszuschließen gewesen sei, dass die Baumhöhlen von Fledermäusen als Winterquartier genutzt werden. Allerdings wurden bei diesen Stämmen die Äste gekappt, um die "Windlast" bei einem Unwetter zu reduzieren. Die Fledermäuse sollen nun daran gehindert werden, die Stämme erneut als Winterquartier zu beziehen. Das Bauamt will die Anfluglöcher mit einem "One Way Pass" ausstatten: Diese Vorrichtung erlaubt es den Tieren, die Höhle zu verlassen, sie können aber nicht wieder hinein. Für jeden gefällten Fledermausbaum muss das Bauamt fünf Fledermauskästen an verbleibenden Bäumen anbringen.

Unter den gegenwärtigen Bedingungen hält das Bauamt Nachpflanzungen nicht für sinnvoll. Auch den jungen Bäumen fehle dann der Entwicklungsraum für Wurzeln, weil der vorhandene Grünstreifen an der Straße nicht ausreiche. Für die Bäume sei die Lage unmittelbar am Fahrbahnrand ein "Extremstandort", was auch ursächlich für die hohe Zahl erkrankter Bäume sei. "Ohne jeglichen Grunderwerb werden Nachpflanzungen nicht sinnvoll oder baumgerecht möglich sein", sagte Schweiger. Für den Grunderwerb sei wiederum das Landratsamt zuständig, wobei das Bauamt jederzeit bereit sei, das Landratsamt bei dieser Thematik zu unterstützen.

Ein Baumstamm mit Brandkrustenpilz, aufgenommen nach den Fällungen im Februar 2017 an der Lindenallee.

(Foto: Staatliches Bauamt Freising)

Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) wies darauf hin, dass sich der Bund Naturschutz, Ortsgruppe Taufkirchen-Holzland schon im Jahr 2007 bereit erklärt habe, mit den Eigentümern über den Grunderwerb zu verhandeln. Seither habe er nichts mehr davon gehört. Er selbst habe mit drei Grundstückseigentümern gesprochen, die ihm persönlich bekannt seien, die aber kein Interesse an einem Grundstücksverkauf gehabt hätten. "Wenn wir nur einen Grund von ein bis drei Metern Breite haben, hat sich das erledigt. Dann brauchen wir auch kein Konzept für Nachpflanzungen erstellen."

Die Problematik wurde im Strukturausschuss mit Interesse zur Kenntnis genommen. Kritik kam jedoch von Michael Gruber (SPD), weil das Thema nicht auf der Tagesordnung stand und sicher auch Zuhörer gekommen wären.