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Erdinger Stadtentwicklung:Gestörte Kommunikation

Auf dem Grundstück an der Ecke Dr.-Henkel-Straße und Landgestütstraße befindet sich ein Parkplatz. Wie lange dort noch Autos abgestellt werden können, das hängt davon ab, wie und ob sich die Stadtverwaltung und die Immobiliengesellschaft über die zukünftige Bebauung des Areals einigen können.

(Foto: Renate Schmidt)

Investoren wollen die brach liegende Fläche an der Dr.-Henkel-Straße bebauen, doch es hakt bei den Verhandlungen mit dem Rathaus. "Ein Kasperltheater", sagt einer der Investoren. Das Arbeitsamt signalisiert indes weiterhin sein Interesse

Von Regina Bluhme, Erding

Der Streit zwischen einer Immobiliengesellschaft und der Stadt Erding über das geplante Wohn- und Geschäftshaus zwischen der Dr.-Henkel- und der Landgestütstraße geht in die nächste Runde. Kaum hatte Stadtbaumeister Sebastian Henrich in der jüngsten Bauausschusssitzung die weitere Planung samt 3D-Modell für das Grundstück präsentiert, meldeten sich die offenbar überraschten Investoren per Anwaltsschreiben bei der Stadt. Darin kritisieren sie scharf die mangelnde Abstimmung. Sollte ein Dialog nicht möglich sein, dann bleibe nur noch der Weg, die Rechtsaufsichtsbehörde einzuschalten. Keine guten Nachrichten, auch nicht für die Pläne der Agentur für Arbeit, dort ihre neue Geschäftsstelle einzurichten.

"Die Stadt weigert sich, konstruktiv mit uns zusammenzuarbeiten", schimpft einer der Investoren auf Nachfrage der SZ. Namentlich möchte er nicht genannt werden, sein Urteil ist hart, er redet von einer dilettantischen Vorgehensweise. Der geplante Neubau des Büro- und Wohngebäudes verlief von Anfang an sehr holprig. Im Januar 2019 hatte der Erdinger Stadtrat zwar extra den Bebauungsplan geändert, damit das Vorhaben ausreichend groß für den geplanten Einzug der Agentur für Arbeit ist, aber es ging nicht recht voran. Im Oktober stand das Projekt kurz vor dem Aus: Das Stadtbauamt hatte im Stadtentwicklungsausschuss die Aufhebung des geänderten Bebauungsplans auf die Tagesordnung gesetzt. In nichtöffentlicher Besprechung stimmten die Räte dann aber doch dafür, die Änderungen nicht aufzuheben, sodass auf dem Grundstück also der geplante Bürokomplex mit drei Stockwerken inklusive Penthouse-Wohnungen weiterhin möglich wäre.

Das aktuelle Anwaltsschreiben, das der SZ vorliegt, ist mit Datum vom 12. November sowohl an OB Gotz (CSU), die Verwaltung und alle 40 Stadträte gerichtet. Darin verweisen die Investoren darauf, dass vom Beschluss im Oktober der klare Auftrag an die Stadtverwaltung erteilt worden sei, das weitere Vorgehen "in Zusammenarbeit mit dem Grundstückseigentümer fortzuführen". Allerdings sei nach der Oktobersitzung ein Besprechungstermin vom Bauamt abgesagt worden, auf mehrere Schreiben mit der Bitte um Abstimmung sei "keinerlei Reaktion" erfolgt. Nun mussten die Investoren feststellen, dass das Bauamt die Zeit genutzt hat, sogar ein 3D-Modell zu erstellen. Es wurde im Bauausschuss herumgereicht. Henrich sagte dazu, es ließen sich nicht alle Wünsche erfüllen. Der Vorwurf, die Stadt blockiere nur, sah er mit dem Vorzeigen des Modells entkräftet. "Wir sind dran." Mit Henrichs Planung sind die Investoren an mehreren Punkten aber nicht einverstanden, wie aus dem Anwaltsschreiben hervorgeht. Zum Beispiel reichten die möglichen Geschosshöhen von maximal drei Metern nicht aus für die geplante Büronutzung im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss, so die Investoren. Auch die geringere Gebäudehöhe von jetzt 13 Metern sei "planerisch auch weder erforderlich noch begründbar". Nichts spräche dagegen, es bei der Gebäudehöhe von 14,75 Metern zu belassen.

"Ein Kasperltheater" nennt der Erdinger Investor inzwischen den Projektverlauf. Gerüchte, er sehe sich schon nach einem Käufer für das Grundstück um, seien aber falsch. Wenn die Bauverwaltung weiter so vorgehe, bleibe die Fläche eben ein unbebauter "hässlicher Fleck bis zum Sankt Nimmerleinstag". Sollte jedoch "irgendwann ein aktiver Bieter kommen mit einem guten Angebot", dann würde er sich die Sache vielleicht doch noch überlegen, räumt er ein. Im Moment verfolge er das Projekt Wohn- und Geschäftshaus aber weiter. Und daran sei die Arbeitsagentur weiterhin interessiert. "Die wollen unbedingt einziehen." 1000 Quadratmeter stünden für das Amt zur Verfügung und noch mal 300 bis 400 Quadratmeter als Puffer.

Auf Nachfrage schreibt die Agentur für Arbeit, sie sei "nach wie vor auf der Suche nach einem neuen dauerhaften Standort. "Aktuell prüfen wir verschiedene Angebote", schreibt Pressesprecherin Kathrin Stemberger. Was das Areal an der Dr.-Henkel-Straße betreffe, sei die Agentur "abhängig von dem Ausgang der Verhandlungen zwischen Stadt und Investor". Aussagen, das Objekt sei ohnehin zu klein oder zu teuer, "können wir nicht bestätigen".

Der Brief der Anwaltskanzlei schließt mit dem Hinweis, dass die Investoren für Gespräche jederzeit zur Verfügung stünden und hofften, "dass nun endlich ein gemeinsamer Dialog begonnen werden kann". Ansonsten jedoch sähen sie keine andere Möglichkeit mehr, als die Rechtsaufsichtsbehörde einzuschalten. Für die Rückantwort ist der Freitag, 20. November, vermerkt. Es bleibt spannend.

© SZ vom 17.11.2020

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