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Erdinger Krankenhausausschuss tagt:Corona verhagelt die Bilanz

Klinikum Erding

Wegen nicht vorhersehbarer Sondereffekte machte das Klinikum Erding im vergangenen Jahr ein Minus von 4,2 Millionen Euro.

(Foto: Stephan Görlich)

In den Monaten März bis August sanken im Klinikum Erding die Fallzahlen massiv. Wegen Covid-19 wurden sämtliche nicht notwendigen Behandlungen eingestellt und Betten für infizierte Patienten freigehalten

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Keine guten Nachrichten hatte Krankenhausdirektor Dirk Last in der jüngsten öffentlichen Sitzung des Krankenhausausschusses zu verkünden. Wegen der Corona-Pandemie haben sich die Zahlen beim Klinikum Erding negativ entwickelt. Die Monate vor der Pandemie seien sehr gut verlaufen und man habe knapp im Plan gelegen. In den Monaten März bis August habe es dann einen großen Einbruch gegeben, da das Klinikum sämtliche nicht notwendigen Behandlungen eingestellt habe, um gewappnet zu sein für die Corona-Krise. Im Anschluss haben sich die Zahlen bereits wieder erholt, befinden sich aber noch nicht ganz auf Vorjahresniveau, wie Last sagte.

Die Case-Mix-Punkte, nach denen die stationäre Krankenhausversorgung im System von den Kassen finanziert wird, sanken nach Angaben des Krankenhausdirektors um 13,7 im Vergleich zum Wirtschaftsplan. Die Patientenzahlen sogar 18,6 Prozent. Dass man trotz weniger Patienten mehr Case-Mix-Punkte habe, liege daran, dass man im August aufwendigere Operationen, die man wegen Covid-19 geschoben habe, durchgeführt habe. Diese seien höher vergütet worden. Dies mache sich im sogenannten Case-Mix-Index bemerkbar, der den durchschnittlichen ökonomischen Schweregrad der stationären Patienten angibt. Er stieg um 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt seien im Klinikum Erding in diesem Jahr bislang 9048 Patienten behandelt worden. Deutlich höher liegen dagegen die Geburtenzahlen: Bis einschließlich 30. September seien im Klinikum 501 Kinder auf die Welt gekommen - das sind etwa zehn Prozent mehr als im selben Zeitraum im Vorjahr.

Die nächsten Monate seien laut Krankenhausdirektor Last "eine Herausforderung". Für die finanziellen Ausfälle in den Krankenhäusern sei zwar von Bund und Land ein sogenannter Rettungsschirm gespannt worden. Derzeit sei allerdings noch offen, ob dieser ausreiche, um sämtliche Verluste des Klinikums abzudecken. Zudem sei die Pauschale für das Freihalten von Betten für Covid-19-Fälle von je 560 Euro je Krankenhausbett am 1. Oktober weggefallen. Sie beruhte auf dem Ende März beschlossenen Krankenhausentlastungsgesetz.

Das Ergebnis des Jahresabschlusses 2019 des Klinikums, das in der Ausschusssitzung ebenfalls bekannt gegeben wurde, wird damit wohl nicht mehr erreicht werden. 2019 habe nach Landrat Martin Bayerstorfer insgesamt eine gute Leistungs- und Erlösentwicklung gezeigt. Der Case-Mix-Index, also die ökonomische Schwere der im Krankenhaus behandelten Patienten, sei im Vergleich zu den Vorjahren deutlich angestiegen und mit 15 838 habe man eine Punktladung zum im Wirtschaftsplan 2019 veranschlagten Wert von 15 850 erreicht. Das Jahresergebnis des Klinikums, ohne Berücksichtigung von Sondereffekten, liege nach Bayerstorfer bei einem Minus von 2,4 Millionen Euro und entspreche damit der erwarteten Summe.

Nicht eingeplant hatte man nicht vorhersehbare Sondereffekte, wie zum Beispiel die Verabschiedung des MDK-Reformgesetzes, wofür Rückstellungen in Höhe von 708 000 Euro gebildet werden mussten. Weitere Mehrkosten, die sich insgesamt auf eine Höhe über eine Million Euro summieren, verursachten nach Bayerstorfer die Ballungsraumzulage, ungeplant nötig gewordene Instandhaltungen und Sanierungen, die Abschreibung der Beteiligung am MVZ Landkreis Erding sowie eine Nachzahlung der EEG-Umlage, die das Klinikum rückwirkend für mehrere Jahre für sein Blockheizkraftwerk zahlen müsse. 2019 habe mit den Sondereffekten das Klinikum ein Minus von 4,2 Millionen Euro eingefahren.

© SZ vom 02.10.2020

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