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Erdinger Gastronomie:Die Innenstadt ist wieder geöffnet

Kaum lässt der Regen mal nach, sitzen die Leute schon im Café, wie hier im Green Leaf am Kleinen Platz.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Wettervorhersagen ermuntern nun auch die bislang zögerlichen Wirte, Gäste unter freiem Himmel zu bedienen

Von Julian Illig, Charlotte Nachtmann, Erding

Das Leben kehrt zurück in die Erdinger Innenstadt: Weil die Temperaturen steigen und die Sonne zu scheinen versprochen hat, wollen alle Gastronomen am Kleinen Platz und am Schrannenplatz in den kommenden Tagen ihre Außengastronomie wieder eröffnen. Das war ihnen zwar schon seit dem 10. Mai erlaubt, was auch in Erding einige Wirten sofort genutzt haben. Denn selbst bei den meist recht kühlen Temperaturen ließen sich die Erdinger gerne zu einem Kaffee oder einem Bier nieder - Hauptsache, sie durften wieder raus. Anderen Wirten war das Wetter dagegen noch zu schlecht. Die Prognosen überzeugen nun aber auch die vorsichtigen.

"Das Wetter ist der einzige Grund, warum wir noch nicht aufgesperrt haben", erklärte Tamara Rilke, Chefin vom Buona Vista. Unter den Schirm im Außenbereich des Lokals passen mit Corona-Auflagen nur vier Tische à vier Gäste, sagte sie. Das sei zu wenig, um bei dem unsteten Wetter öffnen zu können. Denn eigentlich hätten knapp vierzig Gäste auf der Freifläche des Buona Vista Platz. Jetzt soll es am Montag losgehen, dann kommen auch die neuen Gartenmöbel. Den Wegfall der Testpflicht begrüßt Tamara Rilke, sieht darin aber keinen entscheidenden Grund für die Öffnung; bei stabilerer Wetterlage hätte das Buona Vista auch schon früher wieder von To-go auf Außenbetrieb umgestellt. "Aber es ist ein riesiger Aufwand, das Personal aus der Kurzarbeit zu holen und die Waren anzuschaffen. Dafür braucht es mehr Planungssicherheit", sagte sie. Jetzt wolle sie aber nicht mehr länger warten und hofft zudem auf eine baldige Öffnungsperspektive für die Innenräume. "Wir sind ja nicht in Spanien, wo das Wetter immer schön ist. Bei unserem unsteten Klima brauchen wir auch die Innengastronomie." Ob sie wie im vergangenen Jahr ihre Freischankfläche erweitern und damit alle ihrer 16 Tische aufstellen kann, entscheide die Stadt, wenn alles aufgebaut sei, so die Wirtin.

In der Herzogstubn geht es am Dienstag, 1. Juni, wieder los, kündigt Wirt Thomas Eichloff an. Auch ihn hat das unbeständige Wetter von einer Öffnung abgehalten. Zudem käme der bestellte Schirm aufgrund Corona-bedingter Lieferverzögerungen erst Ende Juni an, so Eichloff. Der gute Wetterbericht für die kommende Woche und die sinkenden Inzidenzwerte für den Landkreis stimmen ihn nun optimistisch: "Wir sind jetzt ein paar Tage unter 35, und ich hoffe deshalb, bald auch wieder im Innenbereich aufmachen zu können." Eine große Erleichterung sei bereits der Wegfall der Testpflicht für die Außengastronomie. Sie wäre "kaum umsetzbar" gewesen, sagte Eichloff. Nun hat er aber Ware bestellt und richtet am Sonntag mit seinem Team den Biergarten her. Etwa sechzig Gäste finden unter Berücksichtigung der Abstandsregeln Platz.

Auch die Familie Stärkl, die das Café Stärkl's und das Restaurant Lou betreibt, wollte erst abwarten. Die Situation war ihnen einfach zu unbeständig. "Wir wollten nicht, dass uns das wirtschaftlich das Genick bricht. Auch kleine Fehler sind jetzt nicht mehr drin", sagt Christiane Stärkl. Mit schönen Wetteraussichten und niedrigen Infektionszahlen soll der Betrieb an diesem Samstag im Lou wieder starten - mit einem Weißwurstfrühstück. Es wurde fleißig geputzt, die Mitarbeiter seien total motiviert. Am Dienstag macht dann auch das Stärkl's wieder auf.

Im Panino am Schrannenplatz geht es am Donnerstag wieder los. Der Wirt Sebastiano Filippetti will das Konzept etwas umstellen - hin zu einem kleinen Restaurantbetrieb. Dafür habe er einiges umgebaut und neu eingerichtet in den letzten Monaten. Für die Außengastronomie will er erst einmal eine kleinere Karte anbieten. Das Wetter sei zu unbeständig, um nur außen zu bewirten. "Wie soll man da vernünftig planen?", fragt er sich. Filippetti hofft, im Juli in den vollen Betrieb inklusive Innenräume gehen zu können. Er freut sich darauf, wieder als Gastronom arbeiten und seinen Gästen "ein Flair wie in Italien" anbieten zu können.

Diese Wirte in der Erdinger Innenstadt haben lieber abgewartet, die Betreiber des veganen Green Leaf Café und von Effe und Gold, beide am Kleinen Platz, haben vor zwei Wochen bereits geöffnet. "Das Wetter war zwar miserabel, aber die Leute wollen einfach draußen sitzen", berichtet Lukas Rieder, Inhaber des Green Leaf. Etwa sechzig Gäste haben im Außenbereich des Cafés Platz. Gerade an den Wochenende seien die Tische alle belegt gewesen, so Rieder - sicher auch, weil das Green Leaf neben dem Effe und Gold bisher der einzige offene Betrieb am Kleinen Platz war. Dank Schirmen konnten die Gäste auch bei Regen einen Kaffee im Freien genießen. Die Gäste "haben richtig Bock darauf", davon ist auch Markus Hermann von Effe & Gold überzeugt. Es habe einen richtigen Ansturm gegeben. Dementsprechend euphorisch ist die Stimmung: "Für uns hat sich das voll rentiert", stellte er fest. Am letzten Samstag sei so viel los gewesen, dass ihnen die Waren ausgegangen seien. Mit dieser Erfahrung blickt er zuversichtlich nach vorne: "Es wird keinen schlechten Tag geben im Sommer!

© SZ vom 29.05.2021
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