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Erdinger Berufsschule stellt sieben Stammzellenspender:Außergewöhnliche Trefferquote

Die Typisierungsaktionen an Berufsschule Erding laufen extrem erfolgreich. Siebenmal schon fand sich ein passender Empfänger. Ungewöhnlich oft, findet auch die DKMS

Die Berufsschule Erding hat sich für ihr Engagement gegen Blutkrebs besonders ausgezeichnet.

(Foto: Renate Schmidt)

Erding - Seit Kurzem hängt an der Berufsschule Erding zwischen Lehrerzimmer und Sekretariat, also dort, wo jeder mal vorbeikommt, eine knallrote Plakette an der Wand. Die weltweit tätige Organisation DKMS hat die Schule für ihr Engagement im Kampf gegen Blutkrebs ausgezeichnet. Seit 2014 haben sich 647 Schüler und Schülerinnen sowie Lehrkräfte als Stammzellenspender typisieren lassen. Sieben davon haben bereits Knochenmark gespendet - Spendenbereitschaft und Trefferquote sind laut DKMS "bei weitem überdurchschnittlich". Ein Gespräch mit Schulleiter Dieter Link und den Lehrern Matthias Adelsberger und Oliver Wohl über das Erdinger Erfolgsgeheimnis.

SZ: Die DKMS sagt selbst, dass die Suche nach einem passenden Stammzellenspender der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen gleicht. Wie haben Sie es geschafft, im Zuge weniger Jahre gleich siebenmal einen Treffer zu landen? Dieter Link: Ich denke, der Erfolg hängt ganz stark davon ab, dass das Kollegium und die Schüler und Schülerinnen auch entsprechend informiert werden. Oliver Wohl: 2014 fand an der Schule die erste Typisierungsaktion der DKMS statt. Und einige Zeit später erfuhren wir, dass einer der Schüler Stammzellen gespendet hat. 2017 ging es weiter, mit sechs Vorträgen in der Aula, an denen 36 Klassen teilgenommen haben. Im Anschluss haben sich 234 Schüler und Schülerinnen registrieren lassen. 234! Das war Glück. Matthias Adelsberger: Ganz wichtig ist, dass in den Vorträgen fast immer ein Spender oder eine Spenderin spricht, das ist für die Zuhörer präsent und aus dem Leben gegriffen. Bei uns konnten auch zwei Lehrer bereits Stammzellen spenden und wenn die dann erzählen, dann kommt das für die Schüler hautnah rüber. 2019 hatten wir die dritte Typisierungsaktion und für dieses Jahr planen wir eine für November.

Vor der Plakette, mit der die DKMS die Berufsschule Erding ausgezeichnet hat: Matthias Adelsberger, Dieter Link und Oliver Wohl (von links).

(Foto: Renate Schmidt)

Typisierung heißt: Schüler und Lehrer, die sich freiwillig melden, werden in eine weltweite Spenderkartei aufgenommen. Adelsberger: Ja, nachdem per Wangenabstrich ihre DNA gesichert wurde. Link: Den Wangenabstich machen unsere Auszubildenden zur medizinischen Fachassistenz hier an der Schule. Sozusagen als kleine Projektarbeit. Adelsberger: Und dann wird durch DKMS weltweit geschaut, wo ein passender Empfänger ist. Spender und Patient müssen bei den Stammzellenmerkmalen zu 100 Prozent übereinstimmen. Circa 50 Millionen Kombinationsmöglichkeiten gibt es - und da sind unsere bisher sieben Spender und Spenderinnen wirklich eine sehr hohe Trefferquote. Link: Dazu muss man sagen, dass wir hier an der Berufsschule auch die passenden Jahrgänge haben. Wohl: Registrieren lassen dürfen sich die Schüler nämlich erst ab 17 Jahren. Mit 18 Jahren werden sie in die Spenderdatei aufgenommen. Das Höchstalter beträgt 55 Jahre. Dass unsere Registrierten sehr jung sind, ist für die DKMS auch sehr wertvoll, denn umso länger bleiben sie in der Kartei auf der Suche nach einem passenden Empfänger. Link: In den 11. und 12. Jahrgangsstufen finden sich zu 100 Prozent Schüler und Schülerinnen mit passendem Lebensalter. Wir laden immer Schüler und Schülerinnen unserer Schule zu Informationsveranstaltungen, die sich auch typisieren lassen können. Auf diese Weise erreichen wir im zweijährigen Turnus alle Schüler und Schülerinnen. Adelsberger: Es ist Glück, dass wir die passenden siebenmal bei uns dabei hatten, dazu gehört aber auch die große Bereitschaft der Schüler und Lehrer, sich typisieren zu lassen. Unser Ziel ist es, alle zwei Jahre eine Typisierungsaktion an der Schule zu organisieren. Link: Wir können und wollen die DKMS unterstützen und das nachhaltig.

Bekommen Sie nach den Infoveranstaltungen, die ja oft sehr eindringlich sind, Feedback von Schülern und Schülerinnen? Adelsberger: Ich kann nur sagen, dass nach der Typisierungsaktion 2019 13 Klassen beschlossen haben, die Weihnachtsspendenaktion zugunsten der DKMS zu organisieren. 1375 Euro sind da zusammengekommen. Ich würde sagen, das war ein sehr gutes Feedback.

Dann hoffe ich, dass auch im November Ihre Aktion wieder erfolgreich ist. Adelsberger: Danke. Mit der Resonanz kann es wirklich so weitergehen. Hoffentlich macht uns Corona keinen Strich durch die Rechnung. Aber wir probieren's. Link: Gegenüber Jugendlichen wird ja immer wieder das eine oder andere Vorurteil vorgebracht. Aber Sie sehen: Für eine gute Sache sind sie zu gewinnen. Wohl: Wenn ich hier noch kurz Werbung machen dürfte: Jeder kann sich ein Testpaket der DKMS nach Hause kommen lassen, sich daheim einen Wangenabstrich nehmen und an die DKMS zur Typisierung senden - es ist ganz einfach.

© SZ vom 08.07.2021
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