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Erding:Zeit für einen Profi

Thermengarten

Die Therme, im Bild der Thermengarten, ist der Motor des Tourismus in Erding und die meist besuchte Attraktion in Bayern.

(Foto: privat)

Dem Tourismusverein wächst die Arbeit über den Kopf, er will deshalb eine hauptamtliche Fachkraft einstellen. Der Strukturausschuss befürwortet einen Personalkostenzuschuss

Der Tourismus im Landkreis Erding ist eine Erfolgsgeschichte: 1989 gab es lediglich 100 000 Übernachtungen im Landkreis, heuer werden es mehr als 1,2 Millionen werden. Die Therme und der Flughafen spielen bei den Übernachtungszahlen die wichtigsten Rollen. Für den Verein Tourismusregion Erding ist nun allerdings mit Teilzeitkräften und ehrenamtlichem Engagement das Ende der Fahnenstange erreicht. Es fällt so viel Arbeit an, dass man für das Marketing einen hauptamtlichen Tourismusmanager benötigt. Der Strukturausschuss des Landkreises ist ebenfalls dieser Ansicht und hat einstimmig beschlossen, einen Personalkostenzuschuss zu leisten. In welcher Höhe wurde jedoch noch nicht erörtert.

Die Übernachtungen bringen viel Geld in den Landkreis. Pro Tag und Gast geht man von 100 bis 150 Euro aus. Und diese Wertschöpfung kommt nicht nur den Hotels und Pensionen zugute, sondern davon profitieren auch Zulieferer wie Metzger und Bäcker, Taxiunternehmen, Cafés, Restaurants, Souvenirshops und dergleichen. Die tatsächliche Zahl der Übernachtungen liegt zudem höher als die Statistik sie ausweist, weil kleinere Betriebe mit weniger als zehn Betten und Gemeinden mit weniger als drei Hotels oder Pensionen dabei gar nicht erfasst werden.

Margit Aschenbrenner, Vorsitzende des Tourismusvereins, erklärte dem Strukturausschuss, dass der Verein mittlerweile 168 Mitglieder habe; davon 106 Inhaber von Unterkünften sowie alle Gemeinden des Landkreises. Ziel des Vereins sei es, neue Gäste zu gewinnen, Stammgäste zu binden und die Aufenthaltsdauer zu erhöhen. Denn letztere liegt im Landkreis bei lediglich 1,5 Tagen, das ist aus touristischer Sicht vergleichsweise kurz. Das hängt in erster Linie mit der Therme Erding zusammen, der viele Besucher einen ein- bis zweitägigen Besuch abstatten und die als Tourismusmagnet Nummer eins in Bayern Schloss Neuschwanstein längst abgehängt hat. Ein weiterer Faktor sind Flugausfälle am Flughafen München. Da summiert sich einiges übers Jahr, nicht nur wenn ein Reiseveranstalter wie Thomas Cook pleite geht.

Der Tourismusverein will insbesondere an der Verweildauer arbeiten und den Gästen zeigen, was man im Landkreis neben der Therme noch unternehmen kann. "Wir sind an 89 Messetagen im Jahr unterwegs", sagte Aschenbrenner. In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt habe man mehrere Broschüren, beispielsweise zum Radtourismus, erarbeitet, die auf den Messen ausgelegt werden. Derzeit werde eine neue Broschüre erstellt zum Thema "Entdecken und Erleben - der Landkreis für Kinder". Der Tourismusverein unterhalte zudem eine Homepage mit Informationen auf Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch und Russisch sowie einem Veranstaltungskalender. Geplant sei auch eine Tourismus-App mit Unterkünften und Freizeitmöglichkeiten. Aber der Verein stoße immer mehr an Grenzen: So habe man die Öffnungstage der Tourist-Info in Erding erst von drei auf sechs Tage erhöht, aber dann wieder auf vier Tage zurückgeschraubt, weil der personelle Aufwand zu groß geworden sei. Auch den Gäste-Newsletter habe man nach drei Ausgaben eingestellt, weil der Aufwand so hoch sei. "Derzeit arbeiten wir mit Verlust", sagte Aschenbrenner, "wir sind im Minus."

Ziel des Vereins sei es nun, eine ausgebildete Tourismusfachkraft einzustellen, die sich um das Marketing der Region kümmern solle und dazu benötige man finanzielle Unterstützung in Form eines Personalkostenzuschusses. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) lobte die hervorragende Arbeit und sagte, dass man die Finanzmittelausstattung sinnvollerweise anpassen sollte. Kreisrat Franz Hofstetter (CSU) sprach sich ebenfalls für einen Personalkostenzuschuss aus: "Dieses Geld bleibt letztlich im Landkreis." Kreisrat Horst Schmidt (SPD) war ebenfalls der Auffassung, dass dieses Geld gut angelegt sei. Er schlug außerdem vor, mehr Gastronomen für den Verein zu gewinnen, derzeit seien es nur drei.

Bayerstorfer sagte, man werde die Unterstützung im Haushaltsplan "abbilden", ohne dabei Zahlen zu nennen. Der Vorschlag wurde einstimmig zur Kenntnis genommen.