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Erding:Wachsender Bedarf

Jugendpension in München, 2007

Immer mehr Jugendliche werden in stationären Einrichtungen betreut und damit steigen die Ausgaben.

(Foto: Stephan Rumpf)

Für die Jugendhilfe gibt der Landkreis Erding im kommenden Jahr mehr Geld aus. Und das hat viele Gründe

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Rund 23,4 Millionen Euro wird der Landkreis im nächsten Jahr wohl für die Jugendhilfe ausgeben, er wird aber nur 4,1 Millionen Euro Einnahmen verbuchen können. Jugendhilfe ist einer der Bereiche mit den größten Zuschüssen. Und er steigt fast jedes Jahr an. 2019 lagen die Ausgaben bei 20,8 Millionen Euro, die Einnahmen bei 3,9 Millionen. Trotzdem wollte Peter Stadick, Leiter des Fachbereich 21, Jugend und Familie, den Haushalt für die Jugendhilfe zügig vorstellen, als ihn Kreisrätin Ulla Dieckmann (SPD) einbremste: "Die Zeit dafür sollten wir uns schon nehmen." Und so stellte Stadick die größten Änderungen im Vergleich zum Etat 2020 vor. So seien zum Beispiel die Fortbildungskosten durchgehend gekürzt worden - "aus Einsparungsgründen".

Die "markanteste Änderung" ist laut Peter Stadick bei den klassischen Heimfällen zu verzeichnen, die Hilfe zur Erziehung in stationären Einrichtungen. Er rechnet bei den Ausgaben mit 5,16 Millionen Euro, der Ansatz für dieses Jahr liegt bei 4,4 Millionen. Die Erhöhung entspreche der allgemeinen Entwicklung auch in diesem Jahr, sagte er. Auch für 2020 werde man bei den stationären Ausgaben nachbessern müssen. 2019 waren es erst 4,06 Millionen Euro. Ursächlich seien nicht nur mehr Fälle, sondern auch gestiegene Tagessätze in den Einrichtungen, unter anderem wegen Tariferhöhungen und der Ballungsraumzulagen. Außerdem seien die Größen der Wohngruppen zurückgegangen. Früher seien es in der Regel zwölf Personen gewesen, aus heilpädagogischen Gründen sollen jetzt nur noch neun Jugendliche zusammenleben, teilweise sogar nur sechs. Diese Intensiv-Einrichtungen würden aber mehr Geld kosten. Und der Trend gehe zudem dahin, dass immer mehr Fälle mehr Betreuung benötigten. "Ich hoffe, dass wir den Ansatz nicht benötigen, aber realistisch ist er", sagte der Fachbereichsleiter.

Eine deutliche Steigerung wird es auch bei den Hilfen für junge Volljährige geben. Im Ansatz für 2020 standen an Ausgaben 390 000 Euro im Etat, 2021 werden es 590 000 sein. Ob es dabei bleiben wird, könne man schwer sagen wegen der Fluktuationen, wenn die Personen 21 Jahre alt werden und aus den Hilfen rausfallen.

Um 100 000 Euro, eine Verdoppelung, seien die Kosten für gemeinsame Wohnformen für Mütter oder Väter und ihren Kindern gestiegen. "Das entspricht der Kostenentwicklung der vergangenen zwei Jahre", sagte Stadick.

Im Bereich der Förderleistungen in Kitas, bei der es um die Übernahmen von Kindergartengebühren auf Antrag von "nicht gut betuchten Eltern" geht, wurde eine Reduzierung um 150 000 Euro auf nunmehr 350 000 Euro vorgesehen. Ursache: die ausgeweiteten Kindergartenzuschüsse oder das bayerische Krippengeld, das Eltern erhalten würden. Auch bei Betreuungshilfe in Verfahren nach dem Jugendgerichtsgesetz wird es eine Erhöhung von 89 000 auf 120 000 Euro geben. Diesmal sei die Corona-Pandemie eine weitere Ursache: "Darauf wird verstärkt vom Gericht zurück gegriffen, da sie wegen der Corona-Pandemie Sozialdienste kaum aussprechen können."

Eine "sehr gute Entwicklung" gebe es aber bei Eingliederungshilfen für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche, die in früheren Jahren eher zu den "Preistreibern" gezählt habe. Dort habe man "durch die Bank" Reduzierungen im Haushalt vornehmen können, sagte Stadick, in der Summe um 510 000 Euro. Schon in den vergangenen Jahren habe der Landkreis bei den ambulanten und stationären Einrichtungen weniger ausgeben müssen. Bei den Hilfen zur Erziehung habe es zuletzt eine Kostensteigerung gegeben, bei den Eingliederungshilfen eine Senkung.

Rückläufig sind auch die Ausgaben für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Bei den Einnahmen und Ausgaben geht die Verwaltung in diesem Teilbereich davon aus, dass sie sich ausgleichen. Dort nehmen die Zahlen einerseits grundsätzlich ab, andererseits seien viele Jugendliche, die 2015 und 2016 als Flüchtlinge in den Landkreis gekommen seien, mittlerweile volljährig geworden. "Man weiß aber nie, wie sich die Situation entwickeln wird und ob dann dem Landkreis Erding wieder Flüchtlingen zugewiesen werden. Das kann schnell gehen", sagte der Fachgebietsleiter.

© SZ vom 25.11.2020
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