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Erding:Von der Vision zur Wirklichkeit

Mit der Einweihung des Radwegs zwischen Steinkirchen und Hofstarring finden auch die letzten beiden Werke des Wartenberger Holzbildhauersymposiums ihre Heimat. Die Kunst am Wegesrand soll auch Touristen anziehen

Trotz des ungemütlichen Herbstwetters ließen es sich die Buben und Mädchen des Kindergartens St. Johannes nicht nehmen, den neuen Radweg mit ihren Bobbycars, Rädern und Rollern einzuweihen.

(Foto: Renate Schmidt)

Nur knapp tausend Meter ist der neue Geh- und Radweg von Steinkirchen nach Hofstarring im Holzland lang. Seine Einweihung am Mittwochvormittag aber glich einem politischen Großereignis: Vom ehemaligen Bundestagsabgeordneten Max Lehmer war über Landrat Martin Bayerstorfer bis hin zu einer Vielzahl an Bürgermeistern beinahe alles vertreten, was der Landkreis Erding an politischer Prominenz aufbieten konnte.

Der neue Radweg ist fortan auch Teil der ersten SkulpTour, einer Rundroute aus Radwegen im Landkreis Erding. Die mittelschwere Tour führt über 55 Kilometer hinweg durch neun Gemeinden in und um das Holzland, in welchen je eine Holz-Skulptur steht. Dieser Vision von Wolfgang Fritz, selbst Holzbildhauer in Oberding und künstlerischer Leiter des Projekts, gaben im Mai dieses Jahres neun internationale Künstler erstmals eine Gestalt: Beim Holzbildhauer-Symposium "Mitten im Ort" auf dem Wartenberger Marktplatz ließen sie zehn Tage lang die Motorsägen heulen. Aus massiven Holzstämmen fertigte jeder von ihnen eine der Statuen, die anschließend an ihren Bestimmungsort in die teilnehmenden Gemeinden transportiert wurden. Die Künstler hatten sich bereits im Vorfeld mit "ihrer Gemeinde" befasst, wie Fritz erklärt, denn hinter den Skulpturen stand von Anfang an der Gedanke, dass sie "ihre Gemeinden prägen sollen", wie er sagt. Es sei deswegen wichtig, dass man sie auch sehe - "damit darüber geredet und diskutiert wird." Ihre Aufstellungsorte sind deshalb gut durchdacht: "Mitten in der freien Natur, an attraktiven Orten, die weithin sichtbar und direkt mit dem Rad erreichbar sind - das war die Grundidee, und die ist recht gut gelungen", erklärt Fritz.

In seiner Vision der SkulpTour I werden drei Bereiche verknüpft, die an sich nicht sonderlich viel miteinander zu tun haben: Kunst, Sport und Tourismus. Pamela Kruppa, Erste Vorsitzende des Vereins Tourismusregion Erding, sieht darin eine Chance: "Das Radwegenetz ist für die Tourismusregion Erding eine außergewöhnliche Attraktion, die sowohl Familien, Jugendliche, Senioren, Gäste sowie die Bürgerinnen und Bürger einlädt, den gesamten Landkreis mit all' seinen Facetten zu erkunden."

Wolfgang Fritz "großes Ziel" ist es, mit zwei weiteren SkulpTouren letztlich alle 26 Gemeinden des Landkreises mit einem Netz aus Radwegen zu verbinden. 2015 soll erst die Region Dorfen, in den folgenden zwei Jahren schließlich die noch fehlenden Gemeinden rund um die Stadt Erding ein Symposium veranstalten, um anschließend eine SkulpTour II und III zu eröffnen.

Steinkirchen nimmt in zweifacher Hinsicht eine Ausnahmestellung ein: Als einzige Gemeinde bekam sie drei einzelne Skulpturen, von welchen zwei noch nicht aufgestellt sind. Bis zum nächsten Frühjahr solle das aber nachgeholt werden, sagt Steinkirchens Bürgermeisterin Ursula Eibl. Sie erwartet mit der SkulpTour I und dem neuen Radweg in Zukunft auch in ihrer Gemeinde mehr Gäste: "Das Holzland ist landschaftlich besonders schön. Wenn im Frühjahr die beiden Statuen stehen und das Wetter wieder schöner wird, kommen bestimmt auch mehr Leute zu uns."

Die Einweihung des neuen Radweges war bereits zwei Mal verschoben worden, da dieser witterungsbedingt nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnte. Fußgänger und Radfahrer nutzten die neue Verbindung aber schon während der Bauarbeiten, sagt Eibl, die nun gemeinsam mit den Größen der Kommunalpolitik offiziell das Band zerschneiden konnte. Kinder des Kindergartens St. Johannes in Steinkirchen vollendeten die Einweihung gleich darauf, indem sie den Weg trotz des nasskalten Wetters mit ihren Rollern, Bobbycars und Laufrädern befuhren.