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Erding:Unerwartetes im Untergrund

So sah es im Juli auf der Baustelle an der Landshuter Straße in Erding aus. Im Bild ist der neue Abwasserkanal zu sehen, der den künftigen Tunnelgang zwischen den beiden Erdinger Rathäusern quer und nun unter diesen geführt werden muss.

(Foto: Renate Schmidt)

Bei den Kanalarbeiten in der Innenstadt sind plötzlich Mauern im Boden aufgetaucht, mit denen niemand gerechnet hat. Doch es gibt noch mehr Überraschungen, die für einen verzögerten Zeitplan sorgen

Von Philipp Schmitt, Erding

Die Kanalarbeiten in Erdings Altstadt ziehen sich in die Länge. "Es sind viele Ungereimtheiten aufgetaucht", sagte Max Gotz (CSU) im Stadtentwicklungsausschuss zum Untergrund rund um das Rathaus. Im Zuge der Bauarbeiten kamen unter dem Platz einige unschöne Überraschungen ans Licht.

"Es sind dort Mauern aufgetaucht, die dort nicht stehen sollten. Zudem waren einige Leitungen nicht dort, wo sie eigentlich sein sollten", erklärte der Oberbürgermeister auf eine Anfrage von Stadtratsmitglied Thomas Schmidbauer (Erding Jetzt). Gotz räumte ein, dass es im Abschnitt zwischen Sparkassen-Gebäude und dem Schönen Turm bei den Arbeiten im Untergrund nun doch mehrere Wochen Verzögerung gibt. Vor allem die unerwarteten Mauern im Untergrund, deren ursprünglicher Zweck nicht klar sei und deren Beseitigung in die Wege geleitet wurde, führen zu einer Verschiebung des Zeitplans. Es seien im Untergrund darüber hinaus Dinge aufgetaucht, "mit denen wir so nicht gerechnet haben". Neben der ominösen Mauer habe im Rathaus für Erstaunen gesorgt, dass sich einige Wasser-, Gas- und sogar Fernwärmeleitungen im Boden vor dem Rathaus an Stellen befunden hätten, "wo sie nicht hingehören, jedenfalls nicht da, wo sie in den Plänen eingezeichnet waren". Die Gründe dafür seien unklar: "Es gibt auch deshalb, weil Leitungen verlegt werden müssen, derzeit beim Zeitplan Verschiebungen. Ich hoffe aber, dass nicht noch ein weiteres Schreckgespenst auftaucht und wir im Boden keine weiteren Überraschungen finden werden." Gotz, der auch Verbandsvorsitzender des AZV ist, fügte an, dass die bisher entdeckten unliebsamen Überraschungen im Untergrund auch eine Herausforderung für den Abwasserzweckverband Erdinger Moos (AZV) und dessen Arbeiten am Kanalnetz sind. Die neue Konstellation im Boden müsse im Hinblick auf die Kanäle des AZV, die in der Innenstadt mit Kameras auf Dichtigkeit untersucht und saniert wurden, eingeordnet werden. Speziell in der Innenstadt zwischen Sparkasse und Schrannenplatz muss der AZV nach Bescheid des Wasserwirtschaftsamtes München einige Maßnahmen realisieren. Für die Verbesserung der Wasserqualität im Fehlbach ist der Einbau einer sogenannten Kulissentauchwand vorgesehen, die für den Rückhalt der Schwimmstoffe im Mischwasser sorgen soll. Zudem soll die Ableitungsmenge des Mischwassers in Richtung Klärwerk erhöht werden. Nach Auskunft des zuständigen AZV-Abteilungsleiters werde das unterirdische Bauwerk künftig besser zugänglich als bisher. Wegen der Corona-Krise seien die Bauleistungen mit einigen Wochen Verspätung vergeben worden.

Das Gebiet in der Innenstadt sei vor den Arbeiten auf Kampfmittel, also Munition und Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg, abgesucht worden. Zwei Verdachtsfälle gab es, doch es waren keine alte Bomben, sondern nur Bruchstücke von alten Wasserrohren. Bei genauer Untersuchung sei dann festgestellt worden, dass die Wasserleitung im Stadtkern aufgrund des schlechten Zustandes in einem größeren Umfang als geplant ausgewechselt werden musste - dies führte zu einer weiteren Verzögerung. An den alten Kanälen in der Friedrich-Fischer-Straße und Landshuter Straße erfolgten Sanierungen undichter Stellen und von porösem Beton - auch dies führte zu einer Verlängerung der Bauzeit.

Derzeit laufen Arbeiten am Kanal entlang des Sparkassengebäudes in Richtung Lange Zeile. Der Straßenverkehr muss dafür weitgehend gesperrt werden. Hier sind begleitend auch Archäologen mit von der Partie. Wenn "nichts Unvorhergesehenes den weiteren Bauablauf behindert", gehen AZV-Vertreter davon aus, dass die Bauarbeiten dort Mitte November beendet werden könnten.

Im Vorfeld der Arbeiten fand eine Untersuchung des Kanalnetzes statt. Dazu teilte AZV-Geschäftsleiter Josef Schmittner auf Anfrage mit, dass im Kontext mit den Baumaßnahmen in der Innenstadt das Erdinger Kanalnetz genauer unter die Lupe genommen wurde. Insgesamt sei das Ergebnis positiv: Der 107 Kilometer lange Hauptkanal sei überwiegend in einem gutem Zustand. Bei etwa 63 Kilometern der 107 Kilometer Freispiegelkanäle sind keine oder nur geringfügige Schäden festgestellt worden. Diese müssten in der Planung der künftigen Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden. Auf 14 Kilometern des Hauptkanals wurden starke Schäden festgestellt, die in einem bis zehn Jahren behoben werden sollten. Leichte und mittelstarke Schäden wurden auf 30 Kilometern des Erdinger Kanalnetzes festgestellt - sie sollen erst in einem längerfristigen Zeitraum behoben werden. AZV-Vertretern zufolge könne der Großteil der zu sanierenden Kanäle in geschlossener Bauweise repariert werden. Um ältere Kanäle wieder betriebssicher und dicht machen zu können, plant der AZV jährlich mit Aufwendungen von einer Million Euro für Renovierungs- und Reparaturverfahren.

© SZ vom 25.09.2020

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