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Erding:Tiefschürfende Gespräche

Der Erdinger Stadtrat muss am Donnerstag über den Haushalt abstimmen. Dazu rücken die Grünen den geplanten Tunnel wieder in den Fokus. Und alle debattieren

Normalerweise bringen Parteien zu den Haushaltsberatungen Anträge mit, weil sie Geld ausgeben wollen. Die Erdinger Grünen machen es anders: Sie wollen, dass Geld nicht ausgegeben wird: das Geld für einen Tunnel zwischen dem Rathaus und dem Erweiterungsbau, der auf der anderen Seite der Landshuter Straße entsteht. Der Planungs- und Bauausschuss hatte im Juli gegen die Stimme von Günther Kuhn (Grüne) beschlossen, dass die Verwaltung die Planung für den Tunnel vorantreiben soll. Man darf davon ausgehen, dass dies geschehen ist. Wenn im kommenden Jahr der Abwasserzweckverband die Landshuter Straße für Kanalarbeiten aufreißt und wenn der Platz zwischen den Rathäusern umgebaut wird, soll der Tunnel gebuddelt werden. 28,30 Meter lang und einer ersten Schätzung zufolge mehr als eine Million Euro teuer. Im Haushalt 2020 stehen nun nur noch 780 000 Euro.

Einige Argumente für den Tunnel, der ein kompliziertes Bauwerk wird, weil die längs der Straße verlegte Hauptwasserleitung gequetscht werden muss, wurden schon vorgetragen. Sie haben den Nachteil, dass sie nicht jeden komplett überzeugen. So fordert Horst Schmidt (SPD), dass die Verwaltung zu den Beratungen am Donnerstag nochmals und besser begründen müsse, warum der Tunnel unbedingt benötigt werde. Im Juli hatte Rechtsamtsleiter Andreas Erhard vorgetragen, dass Datenverluste drohten, wenn Büroboten Akten über die Straße transportierten. Nicht wenige fragen sich seitdem, wie es um die Büroarbeit und die elektronische Datenverarbeitung im Rathaus bestellt ist, wenn Akten herumgetragen werden müssen. Ein weiteres Argument war die Fürsorge für die Mitarbeiter, denen man nicht zumuten möchte, dass sie bei Wind und Wetter auf die Straße rausmüssen.

Altes Rathaus und Erweiterungsbau

Uiuiui, ganz schön weit: Wer vom Erdinger Rathaus zum Erweiterungsbau auf der anderen Straßenseite gelangen will, muss knapp 30 Meter bewältigen. Aus Sorge um Daten und Mitarbeiter will die Stadt Erding einen unterirdischen Gang bauen.

(Foto: Stephan Goerlich)

Mitarbeiter müssten sich "witterungsunabhängig begegnen" können, sagte damals OB Max Gotz (CSU). CSU-Stadtrat Burkhard Köppen fügte im Gespräch mit der SZ an, dass es eine Verbindung zwischen zwei Rathäusern "geben muss und soll", wenn sich die Gelegenheit dazu ergebe. Eine Verbindung, "die nicht in aller Öffentlichkeit passiert". Dazu gibt es plötzlich einen Gegenvorschlag - ebenfalls aus der CSU: Er sehe keinen Sinn in einem "Geheimgang", sagte Fraktionssprecher Jakob Mittermeier der SZ. In Abstimmung mit Gotz plädiere er dafür, den Tunnel für Bürger zu öffnen. So könnten sie "besser und sicherer" von einem Haus zum anderen gelangen.

Oberirdisch ist im Übrigen eine verkehrsberuhigte Zone geplant.

In allen Fraktionen wurde darüber gesprochen, wie man zu dem Antrag der Grünen steht. Absprachen gab es keine, aber Kuhn sagte, dass er aus mehreren Fraktionen vernommen habe, man sei mit dem Beschluss für den Tunnel nicht zufrieden. Aus mehreren Ecken sind Bedenken zu hören, dass ein einmal gefasster Beschluss nicht einfach so umgeschmissen werden soll, bloß weil sich Widerstand regt, wie unter anderem Horst Schmidt sagte. Die Stadträte haben aber auch andere Signale vernommen, wie Köppen betonte: "Wozu brauchen wir einen Tunnel?"

Burkhard Köppen hält eine unterirdische Verbindung zwischen Rathaus und Erweiterungsbau für sinnvoll.

(Foto: Renate Schmidt)

In dem Antrag der Grünen heißt es konkret, dass die künftige verkehrsberuhigte Situation zwischen den Rathäusern, die durch die Neugestaltung entstehen wird, auch oberirdisch den Verkehr zwischen den beiden Gebäuden "leicht machen" werde - dass man also auf den Verbindungstunnel verzichten kann. Den Hinweis auf die Gefahr des "Verlustes einzelner Daten" bezeichnen die Grünen-Stadträte Günther Kuhn, Herbert Maier und Helga Stieglmeier als "dürftig". Zudem weisen sie darauf hin, dass mit einer Kostensteigerung von 1,1 Millionen Euro auf mindestens 1,5 Millionen Euro zu rechnen sei. Auf Grundlage dieses Antrags ist bei den Haushaltsberatungen an diesem Donnerstag, 5. Dezember, 17.45 Uhr, im Rathaus mit einer munteren Diskussion zu rechnen.

Befürworter tragen dann eventuell vor, dass man sowieso einen Tunnel graben müsse, einen "Krabbelgang", um die nebenher laufenden Datenleitungen warten zu können. Dass es "das Optimalste" wäre, wenn es nicht nur oberirdisch eine barrierefreie Verbindung geben würde, sondern auch unterirdisch, wie Hubert Sandtner (CSU) sagte. Und dass man ja nicht wissen könne, welche technischen Lösungen es in acht oder zehn Jahren gebe, für die man dann die Straße aufreißen müsste.

Günther Kuhn würde das Geld lieber in den Klimaschutz stecken.

(Foto: Peter Bauersachs)

Es wird auch kritische Fragen geben, das kündigte Petra Bauernfeind (Freie Wähler) an: ob man tatsächlich von 300 Botengänge ausgehen müsse, ob wirklich ein Kriechgang erforderlich sei und wie es zu den unterschiedlichen Kostenschätzungen komme. Der Vorgang, dass 1,1 Millionen Euro eingeplant waren und 780 000 Euro im Haushalt stehen, ist zumindest ungewöhnlich in Zeiten ständig steigender Baukosten. Um die geht es auch Hans Balbach (Erding Jetzt): Er pocht darauf, dass der Tunnelbau nicht teurer als prognostiziert werden dürfe, andernfalls würde er nicht zustimmen. Er stellte darüber hinaus fest, dass der händische Transport von Akten "nicht ganz zeitgemäß" ist.