Erding Splitterberuf

Die Glaserei Hochholzer legt seit 100 Jahren viel Wert auf die Region und fürchtet daher auch nicht die Billigkonkurrenz. Am Wochenende öffnet sie ihre Türen für die Öffentlichkeit.

Von Giuseppe Paletta

Der Name Hochholzer ist in Erding nicht unbekannt. Nicht nur, weil Josef Hochholzer im Erdinger Stadtrat und im Finanz- und Verwaltungsausschuss sitzt. Hochholzer steht in Erding vor allem für eine lange Tradition des Glaserhandwerks. Die Glaserei Hochholzer feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Großvater Josef Hochholzer meldete bereits im Jahre 1911 ein Glaser- und Zinngießer Gewerbe bei der Stadt Erding an.

Der Glasermeister und UWE-Stadtrat Josef Hochholzer in seiner Werkstatt, die ihr 100-jähriges Bestehen feiert.

(Foto: Renate Schmidt)

Im Jahre 1912 legte er die Meisterprüfung im Glaserhandwerk ab. "Mein Vater hat mir erzählt, dass mein Großvater zu Zeiten der Wirtschaftskrise mit seinem Meistertitel losgezogen ist, um wie viele andere nach Arbeit zu suchen. Er arbeitete dann als Glaser am Neubau der Kraftwerke am Isarkanal, zum Schluss kam er mit zwei Geldsäcken zurück", erzählt Josef Hochholzer, der inzwischen Glasermeister in der dritten Generation ist.

Das Geld investierte der Großvater in die Erdinger Glaserei. Vieles hat sich seitdem verändert, wie Josef Hochholzer, der heutige Geschäftsführer der Glaserei Hochholzer weiß: "Zu Beginn war es im Glaserhandwerk so, dass wir tatsächlich nur für das Glas zuständig waren. Heute wollen die Kunden von uns ein Gesamtprodukt. Wir verarbeiten also nicht nur das Glas, wir liefern eben gleich das gesamte Fenster." Das Glas produziert die Glaserei Hochholzer indes nicht selbst. Sie bestellt es bei verschiedenen Großhändlern aus Bayern. "Wir legen bewusst Wert darauf, auf die Region zu bauen", sagt der 48-jährige Hochholzer. Das war auch schon so, als man nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit der Glaserei Simmet die Erdinger Stadtpfarrkirche St. Johann restaurierte.

Die linke Seite wurde von der Glaserei Hochholzer restauriert, die rechte von der Glaserei Simmet. "Die Firma Simmet gibt es inzwischen nicht mehr, weil man keinen Nachfolger gefunden hatte", sagt Josef Hochholzer. Jahrelang habe auch er selbst Schwierigkeiten gehabt, passenden Nachwuchs zu finden. "Der Beruf des Glasers ist ein Splitterberuf. Die meisten unserer Auszubildenden haben bei uns vorher ein Schülerpraktikum gemacht. In den letzten Jahren hatten wir aber keinen Auszubildenden gefunden, der zu uns gepasst hat. Jetzt haben wir wieder einen Auszubildenden", sagt Hochholzer. Insgesamt beschäftigt die beschaulich wirkende Glaserei sechs Mitarbeiter.

Betritt der Kunde die Glaserei, findet er sich im kleinen Ausstellungsraum wieder, wo Glasmuster in bunten Farben zu bestaunen sind. An den Vorraum schließen direkt eine Werkstatt und das Lager mit unzähligen Glasplatten an. Im Lagerraum kann man auch die Meisterarbeit von Josef Hochholzer bestaunen. "Das ist eine Bleiverglasung", sagt der 48-jährige Hochholzer ein bisschen wehmütig, die Bleiverglasung werde heute überhaupt nicht mehr nachgefragt.

Hochholzer spricht gerne über seine Firma. Zahlen wie den Jahresumsatz möchte er aber nicht verraten. Nur soviel: "Die Wirtschaftskrise war für uns kein Problem. Im Gegenteil. Joachim Sommer von der Kreissparkasse Erding hat gesagt, dass die Menschen in Krisenzeiten in das sogenannte Betongold investieren. Das kann ich bestätigen." Wenn das die Auswirkungen der Wirtschaftskrise seien, dann könne das für ihn noch zehn Jahre lang so weitergehen. Die sogenannte Billigkonkurrenz aus zumeist asiatischen Ländern befürchtet Hochholzer auch nicht: "Manchmal kommen Kunden zu uns, die sich Importware in Baumärkten gekauft haben.

Die fragen dann, ob wir die Fenster zuschneiden könnten. Das ist aber Ware, die nicht mit unserer vergleichbar ist. Man bekommt eben kein qualitatives Produkt für siebzig Euro." Im Gegensatz zu Baumärkten setzt Hochholzer auf die individuelle Beratung. Fragt man den Geschäftsführer nach seinen Zukunftsplänen, gibt er sich bescheiden: "Wir wollen uns kontinuierlich entwickeln, aber uns nach wie vor auf unsere Stärken wie Tradition und Beratung konzentrieren."

Es ist nicht einfach, gleichzeitig Geschäftsführer und Stadtrat zu sein. Interessenkonflikte gebe es aber nicht, betont Hochholzer. "Es ist lediglich zeitintensiv, was mich aber nicht davon abhält, auch künftig als Stadtrat zu kandidieren." Nicht nur Privatkunden werden von der Glaserei Hochholzer bedient, sondern auch öffentliche Auftraggeber: "Im Moment bauen wir zum Beispiel in der Sparkassenfiliale in Fostern neue Fenster ein, genauso wie in der Grundschule Inning am Holz." Zur Feier des Jubiläums lädt die Glaserei zum Tag der offenen Tür ein. Samstag, 28. April, und Sonntag, 29. April, können Interessierte von 10 bis 16 Uhr sich in der Glaserei beraten lassen und die Ausstellung besichtigen.