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Erding:Schlaflose Nächte wegen Gummibändern

In ihrem Video auf Youtube erläutert Marina Rossa, wie man eine Mund-Nasen-Maske zuschneidet und näht.

(Foto: Youtube)

Marina Rossa koordiniert 50 ehrenamtliche Näherinnen, die in Heimarbeit Masken an das Landratsamt liefern

Es ist in diesen Tagen gar nicht so einfach an Mund-Nasen-Masken zu kommen. In Dorfen beispielsweise haben die Rotarier die Aktion "Dorfen näht für Dorfen" organisiert, aber die Masken gehen weg wie warme Semmeln. In Erding sollen sie noch schwerer erhältlich sein, schrieb ein Leser der SZ an die Redaktion. Nun steht ein Masken-Gebot an, sobald die kleineren Läden wieder öffnen dürfen. Über das Internet will sie der Leser nicht kaufen, da gebe es zu viele Ganoven. Was tun?

Die Vorbereitungen für das Masken-Gebot sind in Erding bereits angelaufen; am Freitag haben die Gruppe der ehrenamtlichen Unterstützer des Landratsamtes bereits eine Liste erstellt, wo die Masken in Kürze zu haben sind. 50 ehrenamtliche Näherinnen arbeiten daran, dass der Nachschub nicht abreißt. Sie bekommen das zugeschnittene Material in Päckchen samt Garn und Gummi, die fertigen Masken werden dann vom Landratsamt abgeholt. Koordiniert wird die Arbeit von Marina Rossa, die auch ein Video auf Youtube erstellt hat, wie man eine Maske näht.

Rossa hat seit vier Jahren einen Stoffladen am Rätschenbach. Schneiderin hat sie zwar nicht gelernt, aber sie näht, seit sie zwölf ist. Vor drei Wochen hat sie bereits geahnt, dass es bald einen riesengroßen Bedarf gibt. Geeignete Baumwollstoffe hatte sie genug, aber bei den Gummibändern könnte es bald Engpässe geben. Bei ihrem Großhändler hatte sie bereits eine Bestellung laufen. Die hat sie dann aufgestockt, und zwar gewaltig: 13 000 Meter hat sie gekauft. Für 2500 Euro. "Ich konnte danach nicht richtig schlafen, weil das doch eine riskante Investition war", sagte Rossa der SZ. Aber wie sich nun erwiesen hat, war ihre Privatinitiative genau richtig, um die Versorgungssicherheit mit Mund-Nasen-Masken im Landkreis Erding sicherzustellen.

Rossa hat auch ein eigenes Schnittmuster für die Masken entworfen. Denn es gibt geschützte Muster, die man nicht verwenden darf, weil man sonst wegen Urheberrechtsverletzung dran wäre. Dann müsse man auch noch aufpassen, dass man den Begriff "Mundschutz" nirgends verwende, denn es seien keine medizinischen Masken. Das Internet werde derzeit von Abmahnanwälten regelrecht gescannt, erläutert Rossa, die sich auf diesen Fehler spezialisiert hätten. Hinzu komme, dass all jene, die jetzt privat nähen, die Masken nicht verkaufen dürften, weil das Schwarzarbeit wäre. Aber so, wie das nun geregelt sei, ehrenamtlich und übers Landratsamt, sei man jedoch auf der sicheren Seite.

Rossa sagt, mittlerweile seien ihre Stoffvorräte schon am Schwinden und sie kaufe nach. Sie bestellt reine Baumwolle. Sie wäscht den Stoff ohne Waschmittel bei 95 Grad vor, damit er später nicht mehr eingehen kann. Er wird dann getrocknet und heiß gebügelt. Erst dann wird er zugeschnitten. Dann packt sie in jede Kiste für die Näherinnen Material für 50 Masken. Da kommen auch die Gummibänder dazu. "Ursprünglich hatte ich daran gedacht", dass man auch Schrägband verwenden könnte", sagte Rossa. "Aber die verknoten sich beim Waschen", habe sich herausgestellt. Deshalb habe sie den Großauftrag mit dem Gummiband getätigt. Von den 13 000 Metern sind noch etwa 8000 Meter da. Die weitere Versorgung sei somit gesichert.

Sie selbst näht ebenfalls Masken für die Ehrenamtsinitiative; etwa 50 Stück schafft sie in fünf Stunden. Wer eine Nähmaschine habe, könne sie selbst herstellen, sagt sie mit Verweis auf ihr Youtube-Video. "Man sollte vielleicht zwei-, dreimal üben, dass man eine gerade Naht hinbekommt, aber ansonsten kann das jeder."

© SZ vom 20.04.2020

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