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Erding:Metzger solidarisieren sich mit Schweinehaltern

Obwohl der Fleischpreis aufgrund der Schweinepest abstürzt, wollen sie den Abschlag nicht an Erzeuger weitergeben

Von Thomas Daller, Erding

Die Schweine- und Ferkelpreise sind in Deutschland drastisch eingebrochen, nachdem in Brandenburg ein verendetes Wildschwein gefunden wurde, das mit dem Erreger der Afrikanischen Schweinepest infiziert war. Eine wirtschaftliche Produktion von Schweinefleisch sei kaum noch möglich, konstatieren die Schweinebauern und Metzger im Landkreis. Sie wollen den Preisabschlag nicht mittragen. Der Innungsvorsitzende der Metzger im Landkreis, Christian Huber aus Walpertskirchen, ruft zur Solidarität mit den heimischen Schweinebauern auf: Die Kunden sollten ihr Schweinefleisch bei Metzgern in der Region einkaufen, die den Schweinehaltern in dieser Zeit einen fairen Preis zahlen: "Sonst werden wir in einem Jahr kein Schweinefleisch mehr haben, das wir verkaufen können."

Die Afrikanische Schweinepest hat den Export von deutschem Schweinefleisch so gut wie zunichte gemacht. China als bislang größter Abnehmer hat den Import verboten. Andere asiatische Länder haben sich dem Importstopp angeschlossen. In Deutschland hat die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften in einer außerordentlichen Preiskonferenz am vergangenen Freitag die Preisnotierung für Schweine um 20 Cent auf 1,27 Euro je Kilogramm gesenkt, der Preis für Ferkel wurde um zwölf Euro nach unten korrigiert.

Für die Schweinehalter im Landkreis geht es damit an die finanzielle Existenz: "Bei einem aktuellen Ferkelpreis von 37 Euro ist eine wirtschaftliche Ferkelproduktion nicht möglich. Ich möchte den Wünschen der Verbraucher bezüglich Haltung und Tierwohl gerne entgegenkommen, dazu benötige ich aktuell mindestens 60 Euro Erlös je Ferkel", sagt Schweinehalter Johannes Ertl aus Großhündlbach. Auch Schweinemäster kommen mit der aktuellen Preisnotierung nicht zurecht. "Der bisherige Preis war bereits ein Nullsummenspiel. Mit dem jetzigen Sonderabschlag wird die Erzeugung für mich absolut defizitär und auf Dauer eine Vernichtung meiner Existenzgrundlage", sagt Josef Obermaier aus Brand. Viele Schweinehalter im Landkreis würden darüber nachdenken, ihre Produktion einzustellen. "Das trifft die kleinen wie die großen Betriebe", sagt Michael Hamburger von der Facebook-Gruppe "Landwirtschaft im Landkreis Erding": Die kleinen, weil die Gewinnspanne zu gering werde und die größeren, weil sie höhere Kosten durch Fremdarbeitskräfte hätten.

Nun formiert sich aber eine Solidarität der Fleischverarbeiter gegenüber ihren Schweinelieferanten. So hat die Metzgerei Hofer aus Inning am Holz angekündigt, die 20 Cent Sonderabschlag bei ihren Lieferanten nicht in Abzug zu bringen: "Wir zeigen uns mit unserem Schweinehalter solidarisch und unterstützen ihn in dieser schwierigen Zeit mit einem fairen Preis." Auch der Innungsvorsitzende der Metzger im Landkreis, Christian Huber aus Walpertskirchen, macht da nicht mit "Ich bin dabei, weil mir unser Rohstoff Fleisch nicht wurscht ist und werde deshalb den Sonderabschlag von 20 Cent von meinen Lieferanten nicht verlangen."

Die Facebookgruppe "Landwirtschaft im Landkreis Erding" appelliert ebenfalls an alle Beteiligten der Wertschöpfungskette, die durch die Schweinepest entstandene Situation nicht auszunutzen, um die Erzeugerpreise zu drücken, sondern hofft, dass noch mehr regionale Metzger dem Beispiel der Kollegen Huber und Hofer folgen werden, um die Schweinehaltung in der Region zu stärken. In Kürze soll es ein Logo für diejenigen Metzger geben, die faire Preise zahlen. Durch das Logo soll für die Verbraucher ersichtlich sein, wer an dieser Aktion teilnimmt. Landrat Martin Bayerstorfer rät den Verbrauchern: "Der Einkauf beim Metzger in der Region fördert das Metzgerhandwerk und die Landwirte im Landkreis Erding".

© SZ vom 16.09.2020

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