Erding Mehr Ökologie in der Ökonomie

Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf betont bei der Mittelstandsunion Erding/Ebersberg, dass die Energiewende gelingen müsse. Der Wirtschaft böte dies auch Chancen

Von Antonia Steiger, Erding

Es ist der 52. Tag seit ihrer Einführung in das Amt der bayerische Umweltministerin, an dem Ulrike Scharf beim Empfang der Mittelstandsunion Erding/Ebersberg im Museum Erding gesprochen hat. Sie ist die Vorsitzende der Erdinger Sparte und nutzte die Gelegenheit, den früheren Kollegen - Scharf hat die Verantwortung für ihr Reisebüro bereits in andere Hände gelegt - einen Eindruck ihres Aufgabengebietes zu vermitteln. Ulrike Scharf stellt ihre Arbeit als Umweltministerin unter das Motto "Ökonomie und Ökologie". Den Vertretern der Wirtschaft klingt es möglicherweise noch ein wenig ungewohnt in den Ohren, wenn Scharf die Ökologie dabei so deutlich in den Vordergrund rückt, wie es sich für eine Umweltministerin gehört. Auf Widerspruch stieß sie jedoch nicht.

Als Umweltministerin kann Scharf über aktuelle Erkenntnisse der Klimaforschung referieren. Sie bezog sich auf Forderungen des Weltklimarates nach einem Stopp des Treibhausgases und ihre Gespräche an der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus an der Zugspitze, wohin sie zur Feier des 15-jährigen Bestehens eingeladen worden war: "Die schwerste Belastung für die Erde ist der CO₂-Ausstoß", sagte Scharf. Wenn die Entwicklung so weitergehe, könnten in zwanzig bis dreißig Jahren bis auf den Höllental-Gletscher auf der Zugspitze alle bayerischen Gletscher verschwunden sein. "Die Handlungsentscheidungen sind an diesen Erkenntnissen auszurichten", sagte sie. Sie hielt ihren Zuhörern vor Augen, dass die Auswirkungen der Klimaveränderungen überall, auch in Erding zu spüren seien, wenngleich Bayern mit einem auf 12 Milliarden Euro zu beziffernden Schaden durch das Hochwasser im vergangenen Sommer nicht zu den am stärksten betroffenen Regionen gehörte.

Die Energiewende sei zu bewerkstelligen, sagte Scharf, und damit auch der Rückbau der Atomkraftwerke. Wie erfolgreich sie dabei ist, darüber will sie im kommenden Jahr Zeugnis ablegen. Denn Bayern wird ihr zufolge im Jahr 2015 erstmals einen Klimabericht vorlegen. Dann wird voraussichtlich zu erkennen sein, ob die Energiewende in Bayern mit einem - wie von Scharf gefordert - naturverträglichen Bau von Trassen vorangekommen ist. Weiter in die Zukunft weist Scharfs Ziel, bis 2050 den Prokopfausstoß von CO₂ in Bayern auf zwei Tonnen hinuntergedrückt zu haben. Heute liegt er ihr zufolge bei sechs Tonnen. Gelingen soll dies unter anderem auch mit der geplanten Renaturierung von fünfzig Mooren in Bayern, die Scharf in Erding als wirksame CO₂-Speicher preiste.

Wohlgelitten bei den Mittelständlern, zu denen sie bis vor kurzem noch selbst gehörte, ist Ulrike Scharf (Mitte), rechts neben ihr Monika Schützeichel

(Foto: Peter Bauersachs)

Zwei Beispiele aus dem Landkreis nannte Scharf, wie Ökologie und Ökonomie erfolgreich zusammenwirken könnten: die Therme Erding mit ihren modernen Energieerzeugungstechniken, die einen sanften Tourismus propagiere, und die Wurzer Umwelt GmbH aus Eitting, die die umweltfreundliche Entsorgung von Abfall zu einem gut funktionierenden Geschäftsmodell gemacht habe, von dem derzeit etwa 150 Mitarbeiter profitierten. Bayern habe die Chance, dass seine Umweltwirtschaft zu einem Exportschlager werde, sagte Scharf zu den etwa siebzig Teilnehmern des Wirtschaftsempfangs der Mittelstandsunion Erding und Ebersberg.

Den Empfang gibt es seit vier Jahren. Er wurde angestoßen von Scharf und ihrer Ebersberger Kollegin Monika Schützeichel und soll den Teilnehmern ein Forum zum Meinungsaustausch bieten. Dazu traf man sich am Freitagabend im wieder eröffneten Museum Erding. Mit großem Interesse begutachteten vor allem die Ebersberger das gelungene Werk, während die Erdinger Unternehmer schon dazu übergegangenen waren, sich über Wichtiges wie die Wahl des richtigen Steuerberaters und weniger Wichtiges wie die Höhe des Golfhandicaps auszutauschen.