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Erding:Mehr Gehalt

Mit dem Minister leibhaftig zu diskutieren, das ging bei der Demo in Erding nicht. Weitere Gespräche sollen folgen.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Lehrer wollen mehr als die Rücknahme der jüngsten Maßnahmen

"Nehmt endlich Lehrerinnen und Lehrer ernst, damit wir die Kinder für Zukunft fit machen können." Gegen die Schulpolitik und die Anfang des Jahres wegen Lehrermangels an Grund-, Mittel- und Förderschulen getroffenen Maßnahmen des Kultusministeriums sind bei dem Besuch von Kultusminister Michael Piazolo (FW) bei der VHS Erding Lehrer auf die Straße gegangen. Piazolo signalisierte Gesprächsbereitschaft. Er wäre auch bereit, bei einer Demonstration Rede und Antwort zu stehen, wenn er rechtzeitig Bescheid bekäme, sagte er. Im mit vielen Lehrern besetzten Saal war bei der folgenden Diskussion die Stimmung trotz des Unmuts draußen recht gut.

Die Grund- und Mittelschullehrer sind sauer, weil Freistellungsmodelle wie das Sabbatjahr gestrichen wurde, der Antragsruhestand erst ein Jahr später - vom 65. Lebensjahr an - genehmigt wird und weil die Pädagogen eine weitere Stunde in der Woche unterrichten sollen. Zudem wollen die Grund-, Mittel- und Förderschullehrer besser bezahlt werden. An Realschulen und Gymnasien gibt es derzeit keinen Lehrermangel, die Kollegen verdienen dort mehr. Piazolo sagte, dass er die Forderungen verstehe und unterstütze. In der Regierungskoalition mit der CSU sei dies aber derzeit nicht durchzusetzen, weil dafür viel Geld benötigt würde. Bei Kinderbetreuung, Schulen und in der Pflege seien die Beschäftigten unterbezahlt: Mehr Wertschätzung durch bessere Bezahlung müsse aber über Steuererhöhungen finanziert werden, darüber müsse in der Gesellschaft diskutiert werden.

Der Kultusminister wies darauf hin, dass in den vergangenen Jahren neue Lehrerstellen und zusätzliche Studienplätze geschaffen wurden. Bildungsforscher Prenzel regte dazu an, künftig viel mehr Pädagogen über den prognostizierten Bedarf hinaus auszubilden. In Erding fand die siebte Demonstration der GEW Bayern statt. Die Vertreter der Lehrergewerkschaft fordern, die Maßnahmen zurück zu nehmen. Die Gesundheit der Lehrer sei gefährdet, Burn-Out drohe.

Was es alles zu verbessern gebe, das trat bei der Diskussionsrunde zutage: So sagte ein Landesschülersprecher, sie wünsche sich eine neue Lernmentalität. Mehr Neugier zu wecken, das forderte ein mehr als achtzig Jahre alter Lehrer. Eine Grundschullehrerin aus Bockhorn schlug einen weniger straffen Lehrplan vor, damit Lehrer im Unterricht "nicht so hetzen müssen". Annett Taubert, die Rektorin der Grund- und Mittelschule Forstern, plädierte für attraktivere Rahmenbedingungen, um neue Lehrer zu werben: Eine Stunde Mehrarbeit in der Woche und relativ schlechte Bezahlung seien schlechte Zeichen. Jürgen Ettenauer, Fachbereichsleiter Schülerförderung der VHS, forderte zudem ein besseres Image für die Mittelschüler. Und die frühere dritte Landrätin und Ehrenringträgerin Marianne Rötzer (seit 1972 bei den FW) möchte auch wieder mehr Hauswirtschaft in den Schulen.

Wichtigstes Sprachrohr der Lehrer ist die GEW. Deren Kreisvorsitzende Heidi Oberhofer-Franz forderte gleiche Löhne für Grund-, Mittelschullehrer und Realschul- und Gymnasiallehrer - und einen vertrauensvollen Umgang miteinander. Piazolo versicherte, dass er die gute Arbeit der Lehrer zu schätzen wisse. Er wolle sich, wo es möglich ist, für deren Interessen einsetzen: Der Austausch mit den Lehrern sei ihm wichtig, sagte er. "Es macht mir keinen Spaß, Lehrer zusätzlich mit erforderlichen Maßnahmen zu belasten. Unser gemeinsames Ziel, sind die Schüler und gute Bildung."

© SZ vom 22.02.2020
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