Erding Lange Leitung ins Hinterland

Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Erding sieht sich trotz Einführung des Digitalfunks dazu gezwungen, Schwachstellen im analogen Funkverkehr zu orten

Von Antonia Steiger

Die Zeiten des analogen Funkens im Rettungsdienst sollten eigentlich bald vorbei sein, der Probebetrieb des Digitalfunks steht kurz bevor. Dennoch kommt der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Erding (ZRF) wohl nicht darum herum, seine analoge Technik aufwendig zu überprüfen und möglicherweise auch zu sanieren. Denn die Probleme haben sich zuletzt gehäuft. Sollte es jemals zu einem Schaden kommen, weil die Alarmierung nicht funktioniert hat, könnte der Zweckverband in Haftung genommen werden, erklärte Tobias Kilger, der stellvertretende Geschäftsführer. Ein Gutachter soll nun die Schäden auflisten, das beschloss der ZRF am Montag. Zunächst wird das Gutachten ausgeschrieben.

Fahrzeuge im Freisinger Hinterland sind manchmal nicht zu erreichen. Andere Signale stören den Funkverkehr der Integrierten Leitstelle in Erding.

(Foto: Peter Bauersachs)

Die Technik ist zum Teil antik", stellte Christian Fiedler fest, der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes. Diese Technik und damit auch die Probleme habe der Verband jedoch geerbt, sagte Kilger. Der Zweckverband wurde im Jahr 2008 gegründet. Seitdem steuert er die Alarmierung von Rettungsdiensten und Feuerwehren in den drei Landkreisen Erding, Ebersberg und Freising zentral über die in Erding angesiedelte Integrierte Leitstelle (ILS).

Jeder hat daran herumgeschustert. Aber die Funklöcher bleiben, und die Abstimmung ist undurchsichtig", betonte Fiedler. Er riet davon ab, das Netz auf eigene Faust an seinen größten Schwachstellen zu reparieren, wie es der frühere Markt Schwabener Bürgermeister Bernhard Winter vorgeschlagen hatte. Denn wenn man an einer Schraube drehe, täten sich möglicherweise zehn neue Löcher auf. "Jemand muss über alles drüber schauen."

Die größten Probleme gibt es demnach im nördlichen Freisinger Hinterland, sagte Siegfried Aigner, Leiter der Leitstelle. "Teilweise versteht man die Fahrzeuge dort nicht. Bei schlechtem Wetter sind sie nicht alarmierbar." Ähnliches ereigne sich aber auch im Landkreis Ebersberg. Landrat Martin Bayerstorfer, Vorsitzender des ZRF, sagte, erst müsse geklärt werden, welche Probleme wo und wie häufig auftauchten und wie stark der Zweckverband reagieren müsse. Bis zu 300 000 Euro würde es kosten, wenn der Verband eine so genannte Gleichwelle einrichten würde, um diese Probleme zu beheben. "Ein sehr hoher Betrag", fand Bayerstorfer. Zunächst soll daher ein Gutachten in Auftrag gegeben werden. Karl Traunspurger, Vertreter der Regierung von Oberbayern, sagte zu, Fördermöglichkeiten zu überprüfen. Versprechen wollte er jedoch nichts.

Handlungsbedarf sieht aber auch der Erdinger Kreisbrandrat Willi Vogl: "Was wir ererbt haben, ist nicht gut." Feuerwehren und Rettungsorganisationen seien auch nach Einführung des Digitalfunks auf einen funktionierenden analogen Funk angewiesen - unter anderem um in den Randbereichen mit Rettern in Landshut und Mühldorf kommunizieren zu können.

Weil der analoge Funk aber nicht funktioniert, habe es schon Fälle gegeben, in denen der Rettungsdienst auf den Kanal der Freiwilligen Feuerwehr umgeschaltet worden sei. "Gott sei Dank gab es gleichzeitig keinen Großschadensfall, sonst wären wir sang- und klanglos untergegangen." Hinderlich sind Vogls Worten zufolge auch Signale von Sendern mit Überreichweite. Demnach haben die Rettungsdienste in den Landkreisen Erding, Ebersberg und Freising Signale eines Fernsehsenders aus Kiew in der Leitung statt die Signale aus der Leitstelle.

Die Probleme im Freisinger Hinterland erläuterte Hubert Böck, der den Rettungsdienst beim BRK Freising leitet. Es gibt sie ihm zufolge schon "seit Jahrzehnten". Sie hätten sich verschärft, als vor ein paar Jahren die Fahrzeuge in Nandlstadt stationiert worden seien und beispielsweise die Hallertau von Nandlstadt und nicht mehr von Moosburg oder Freising aus versorgt werde. "Nandlstadt ist schlechter zu erreichen als Freising oder Moosburg", sagte auch Anton Neumaier, früherer Moosburger Bürgermeister. Der Freisinger Kreishandwerksmeister Martin Reiter beteuerte, man habe keine neuen Berge rund um Mauern aufgeschüttet. "Die Topografie ist so, wie sie immer war."