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Erding:Kultusminister trifft Bildungsforscher

Kultusminister Michael Piazolo diskutiert im VHS-Haus.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Volkshochschule veranstaltet Diskussion über die Zukunft der schulischen Inhalte

Am Donnerstag, 20. Februar, ist es um 18.30 Uhr im VHS-Haus endlich so weit: Das sicherlich größte Ereignis, das der Fachbereich "Psychologie, Pädagogik, Persönlichkeitsbildung" an der Volkshochschule je zu bieten hatte und eines der bedeutendsten für die VHS ebenso steht an. Es kommt zum Aufeinandertreffen zwischen Kultusminister Michael Piazolo und dem Bildungsforscher Manfred Prenzel. Im Prinzip geht es um nichts weniger als die Schule von morgen. Was ist der Hintergrund?

Im Juni des Jahres 2018 taten drei hoch angesehene Professoren etwas Unerhörtes: Sie veröffentlichten einen "Offenen Brief" im Nachrichtenmagazin der Spiegel, in dem sie Schule und Bildung, wie sie sich heute darstellen, kritisierten und ihre Schwachstellen aufzeigten. Ihre Namen stehen für die Elite der deutschen Bildungsforschung, Pädagogik und Philosophie: Manfred Prenzel, Klaus Zierer und Julian Nida-Rümelin vereinen dabei verschiedene Fachgebiete und Bildungsrichtungen. Genau das macht ihre Kritik, aber auch insbesondere ihre positiven Anregungen und Vorschläge so gewichtig: "Dass Bildung mehr als Einzel-Wissen ist und manchmal weniger (an Stoff) - sofern vernetzt und tiefgründig erforscht - auch mehr sein kann". Sie stellten darin grundsätzliche Fragen: "Warum wird dem musischen, ästhetischen, sportlichen oder moralischen Bereich weniger Aufmerksamkeit geschenkt? Und warum sind Mathematik, Physik, Chemie und Biologie fester Bestandteil im Fächerkanon, aber nicht Pädagogik, Medizin oder Philosophie?" Sie konstatierten, dass Fächer, die aus einer vordergründig ökonomischen Sicht wichtig erscheinen, mehr Beachtung erfahren und mehr Unterstützung als andere erhielten. Außerdem plädieren die Verfasser für mehr Entschleunigung: "Lernen braucht Zeit, auch in Zeiten der Digitalisierung." Und sie fordern mehr "Muße, im positiven Sinn". Mit Manfred Prenzel ist es der Volkshochschule im Landkreis Erding nun gelungen, einen der drei Initiatoren des "Offenen Briefes" für eine Diskussion nach Erding, ins VHS-Haus einzuladen. Hier trifft er mit dem Bayerischen Kultusminister Michael Piazolo nun zum ersten Mal nach Veröffentlichung des Briefes, auf einen hochrangigen Vertreter der Deutschen Bildungspolitik. Piazolo ist als Minister angetreten, Fakten unaufgeregt abzuwägen und Argumente zu sammeln. Keiner also, der Machtworte sprechen will, aber dennoch einer, der den Anspruch hat, zu gestalten. So sollen Kinder zum Beispiel individueller lernen können. Einen Weg dorthin sieht er in der Digitalisierung.

Es kann also spannend werden in Erding. Denn der Ex-Pisa-Koordinator für Deutschland, Manfred Prenzel, hat sicher nichts gegen Individualisierung. Sein Schwerpunkt scheint aber eher dort angesiedelt zu sein, wo es um die Art der Bildung und das Menschenbild der Schüler geht. Kommen beide, Kultusminister und Bildungsforscher also zusammen? Kann nach den Statements der beiden, das Podiumsgespräch neben Denkanstößen eventuell sogar Änderungen und Weiterentwicklungen für die Zukunft bewirken?

Gebühr an der Abendkasse oder über Voranmeldung drei Euro; mit Kulturkarte kostenfrei.

© SZ vom 15.02.2020 / sz