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Bildung:Konzentration in Erding

Die Regierung von Oberbayern schließt den Zweig Luftfahrttechnik an einer Münchner Berufsschule und schickt die Schüler nach Erding. Aber auch dort ist die Zukunft ungewiss, denn die Ausbildungswerkstatt schließt 2018

Die Berufsschule Erding bekommt Zuwachs: Weil die Regierung von Oberbayern entschieden hat, den Unterricht für angehende Fluggerätemechaniker am Beruflichen Kompetenzzentrum für Fahrzeug- und Luftfahrttechnik in München auslaufen zu lassen, müssen die neuen Azubis von MTU aus Dachau nach Erding kommen. Als dauerhaft gesichert kann dieser Ausbildungszweig an der Erdinger Berufsschule damit aber nicht gelten: Die Lufthansa hat ihre Ausbildung in diesem Beruf am Münchner Flughafen bereits eingestellt. Auch die Tage der Ausbildungswerkstatt am Fliegerhorst sind gezählt: 2015 startet der letzte Jahrgang.

Zahlenmäßig wirkt sich die Entscheidung der Regierung von Oberbayern kaum aus: Etwa zehn angehende Fluggerätemechaniker, die eigentlich in München beschult worden wären, kommen im September nach Erding. Begründet wird diese Maßnahme mit rückläufigen Schülerzahlen. In einer Stellungnahme der Regierung von Oberbayern heißt es, dass die Berufsschule München-Schwabing von den derzeit drei Standorten - Erding, München und Pfaffenhofen - die "mit Abstand geringste Schülerzahl" aufweise. Zuletzt seien es in diesem Fachbereich nur 41 Schüler gewesen. Wie es langfristig mit dem Bereich Fluggerätetechnik an der Berufsschule Erding weitergeht, weiß jedoch keiner. Der Stopp der Ausbildung bei der Lufthansa war zu verkraften - auch weil nun die Azubis aus München dazukommen. Doch auch die Ausbildungswerkstatt am Fliegerhorst wird 2018 geschlossen. Jedes Jahr starten dort etwa dreißig Lehrlinge ihre Ausbildung, darunter viele Fluggerätemechaniker. Laut Fliegerhorst-Kommandeur Oberst Markus Alder beginnt 2015 der letzte Jahrgang, 2018 wird der Betrieb der angesehenen Werkstätte komplett eingestellt. "Sie wird nicht verlegt, wird nicht verlängert, sondern schlichtweg aufgelöst", bestätigt Alder. Bekanntlich soll der Fliegerhorst 2019 aufgelöst werden.

Die Ausbildung zum Fluggerätemechaniker wird es von 2018 an im Fliegerhorst nicht mehr geben.

(Foto: oh)

MTU wird jedoch in Erding bleiben. Das Unternehmen mit Sitz in Dachau ist vor Jahren in Kooperationen mit der Bundeswehr bei der Instandsetzung eingestiegen. Bekannt ist, dass MTU nach Schließung des Fliegerhorsts in Erding bleiben, sein Engagement sogar verstärken und einen Teil der Bundeswehr-Werkstätten übernehmen möchte. Das bestätigt auch MTU-Pressesprecherin Melanie Wolf. MTU bildet nicht nur in Dachau, sondern auch jetzt schon in Erding aus. Die Erfahrungen mit der Erdinger Berufsschule seien gut, sagt Wolf. Schon jetzt musste ein Teil der MTU-Lehrlinge, die während der ersten beiden Ausbildungsjahre in München-Schwabing unterrichtet wurden, für das dritte und vierte Jahr an die Erdinger Berufsschule wechseln. Dass nun alle Auszubildenden die gesamten vier Jahre in Erding unterrichtet werden, sieht man laut Wolf bei MTU nicht als Problem. Tatsächlich hatten die Eltern der Münchner Berufsschüler von MTU verlangt, dass sie sich der Entscheidung der Regierung widersetzen oder zumindest scharf protestieren sollten. Mancher Schüler hat nun einen sehr langen Anfahrtsweg. Zudem wurde der Vorwurf laut, dass die Erdinger Berufsschule schlechter ausgerüstet sei. Wolf sieht das anders: "Es gibt Richtlinien, die beide Schulen erfüllen. In Erding ist ebenso eine hochwertige Ausbildung möglich." Allerdings: Der flugfähige Hubschrauber, der in München den Azubis zur Verfügung stand, wird in Erding fehlen. Aber Dieter Link, Leiter der Berufsschule Erding, ist von der Qualität seiner Schule überzeugt: "Die Unternehmen sind immer hochzufrieden mit uns."

Link findet die Entscheidung nachvollziehbar, wie er sagt. Man müsse abwiegen, welcher Standort rentabler sei, dies sei auch für den Steuerzahler relevant. Im jetzt beginnenden Schuljahr starten in Erding zwei Klassen mit insgesamt 50 angehenden Fluggerätemechanikern. Welche Perspektive der Ausbildungszweig langfristig hat, wisse er nicht, sagt Link. Wenn sich "weniger als 16 Schüler anmelden", gebe es Problem. Doch laut Link gibt es schon jetzt Gespräche der Unternehmen am Flughafen, eventuell gemeinsam Fluggerätemechaniker auszubilden.